Wenn Träume fliegen lernen
Handlung
James lebt Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in guten Verhältnissen in London. Er hat eine schöne Frau, viel Fantasie und schreibt Stücke für das Theater eines Freundes, doch nur mit mäßigem Erfolg. Sein neuestes Werk fällt bei Kritikern und Publikum durch. Doch dann lernt er die Witwe Sylvia und ihre vier Söhne im Kensington-Park kennen und stößt bei der Familie auf offene Ohren und Gemüter für seine fantastischen Geschichten. Von nun an trifft er sich jeden Nachmittag mit Sylvia und den Jungen, spielt mit ihnen, entführt sie in Fantasie-Abenteuer, und wird selbst von ihnen inspiriert. Besonders der kleine Peter nimmt in James Notizbüchern immer mehr Platz ein. Doch ihr gehobenes gesellschaftliches Umfeld akzeptiert die Freundschaft zwischen James, der verwitweten Sylvia und ihren Söhnen nicht.
Und während James Frau sich von ihm scheiden lässt, Sylvia unheilbar an Krebs leidet und die Londoner Gesellschaft beginnt, ihn zu meiden, entsteht in seinen Gedanken und nach und nach auch auf der Theaterbühne, inspiriert durch den kleinen Peter und seine Familie, ein Meisterwerk, das die Zeit überdauern wird: Peter Pan.
Meinung
„Wenn Träume fliegen lernen“ ist ein sehr fantasievoller Film, sowohl vom Inhalt als auch von der Umsetzung von Regisseur Marc Forster. James spannende Fantasie-Abenteuer, in die er Sylvia, ihre Söhne und am Ende das Theater-Publikum entführt, unterstützt der Film mit vielen fantastischen Elementen. So lässt er aus einem Hund einen Bären werden, aus Sylvias Garten eine Prärie-Landschaft mit Cowboys und Indianern, und es macht Spaß, James beim Verzaubern der Welt zuzusehen. Er versucht, Sylvias Jungen so lange wie möglich Kinder sein zu lassen, doch muss mit ansehen, wie durch Tod und Krankheit der Eltern die Jungen vor seinen Augen einer nach dem anderen erwachsen wird. Und dabei will er doch selbst nicht erwachsen werden, nicht seine Fantasie und die Lust am Spielen verlieren.
Die Charaktere sind sehr klar, aber auch etwas eindimensional gezeichnet und das Verhalten der Kinder wirkt hin und wieder unglaubwürdig und gekünstelt. Wenn der kleine Peter kein Kind mehr sein möchte, weil sein Vater tot und seine Mutter krank ist, und er glaubt, als Erwachsener nicht mehr verletzt werden zu können, kommt uns sein Verhalten sehr konstruiert vor. Insgesamt ist die Geschichte zu glatt, dem Film in perfekter Hollywood-Optik fehlen die Brüche, er ist vorhersehbar, denn er bedient sich bei der Erzählstruktur zu vieler Klischees. Doch auch (zu) einfach gestrickte Charaktere und Geschichten können ans Herz gehen, und so gehört auch „Wenn Träume fliegen lernen“ zu den Filmen, die uns ein bisschen schniefen lassen, wozu die wunderbare Filmmusik bestimmt ihren Teil beigetragen hat. Hätte man doch nur in Deutschland auf den Kitsch im Titel verzichtet und es beim Original „Finding Neverland“ belassen.
Zur nächsten Filmkritik: Mondscheintarif
James: Johnny Depp
Sylvia: Kate Winslet
Peter: Freddie Highmore
Theaterbesitzer: Dustin Hoffman
Regie: Marc Forster | USA, Großbritannien, 2004
Länge: 97 min | FSK: o.A. | Buch: David Magee | Kamera: Roberto Schaefer | Ton: David Crozier | Szenenbild: Peter Russell | Schnitt: Matt Chessé | Musik: Jan A. P. Kaczmarek | Produktion: FilmColony Production
