Themba
Handlung
„Kleine Leute zählen nichts auf dieser Welt.“, hört Themba von seinem brutalen Stiefvater Luthando. Doch der talentierte junge Fußballspieler, der mit seiner Mutter und der kleinen Schwester Nomtha in Südafrika lebt, folgt weiter seinem Traum, zu den Profispielern der Nationalmannschaft zu gehören. Als die Briefe von seiner Mutter Mandisa, die in Kapstadt Arbeit suchen musste, abbrechen, machen sich die Kinder in der Hauptstadt auf die Suche nach ihr.
Kurz nachdem sein Team von dem ebenso bedeutenden wie großzügigen Trainer John Jacobs entdeckt wurde, findet dessen bester Spieler Themba seine Mutter Mandisa, die sich bei Luthando mit HIV infiziert hat. Obwohl der Aufstieg in die Profi-Liga zum Greifen nah ist, kämpft Themba um das Überleben seiner Mutter. Dank einer medikamentösen Behandlung bessert sich deren Zustand. Doch das neue Glück der Familie in einem Haus in Kapstadt ist brüchig. Nur als erfolgreicher Sportler, glaubt Themba, die angehäuften Geldschulden tilgen zu können. Doch Thembas Zukunftspläne überschattet ein dunkles Geheimnis, das ihm alle Hoffnung zu rauben droht.
Meinung
Der falsche Film zur falschen Zeit scheint „Themba“ auf den ersten Blick zu sein. Einen Monat nach Ende der Fußballweltmeisterschaft läuft Stefanie Sycholts Kinderfilm an. Fußballspieler Jens Lehmann, der auf den Werbebildern mit dem jungen Hauptdarsteller in die Kamera lächelt, lässt den deutsch-südafrikanischen Kinderfilm wie ein biederes Freundschaftsspiel erscheinen, das ausgerechnet dann in die Kinos kommt, wenn alle von Fußball genug haben. Tatsächlich ist „Themba“ der richtige Film zur richtigen Zeit. In Sycholts engagiertem Jugenddrama kämpfen die jugendlichen Protagonisten um Bedeutenderes als einen Tabellenplatz. Armut, Gewalt und das allgegenwärtige Leiden an AIDS bestimmen ihren Alltag. So sehr sie den Sport lieben, ist Fußball für Themba und die anderen Kinder vor allem ein Weg, dem Elend zu entkommen. Der Aufstieg von „Themba“ und seiner Mannschaft von Amateurspielern zu Favoriten der Jugend-Liga mag allzu spielerisch gelingen. Eine vordergründige Sportproblematik würde angesichts der privaten Probleme der Figuren jedoch unbedeutend wirken und die Handlung überfrachten. Im Zentrum der Handlung stehen Missbrauch, die AIDS-Erkrankung von Thembas Mutter und die damit einhergehende soziale Stigmatisierung. Die in einem schlichten „We need you.“, verkörperte Botschaft, dass an AIDS Erkrankte den gleichen Wert haben wie gesunde Menschen, ist bereits ein Affront gegen die massive Diskriminierung HIV-Positiver, nicht nur in Südafrika. Obwohl mitunter didaktisch vermittelt, ist diese in der angepassten Kinderfilmwelt ungewohnte Toleranz die Stärke des Jugenddramas.
Unübersehbarer Makel bleibt Lehmanns hölzernes Spiel und Rolle des westlichen Helfers armer Schwarzer, welche die Authentizität des angenehm ernsthaften Kinderfilms unterwandern. Englischkenntnisse sind anscheinend weder die Stärke deutscher Fußballer noch der Drehbuchautorin, die Trainer Jacobs Synchronsprecher verkünden lässt: „I want you here training your shitty little heart out.“ Dazu erhält Themba ein Geldbündel, das auf Jacobs persönliche Anweisung regelmäßig ausgezahlt werden soll. Unfreiwillig spricht aus der Szene die Arroganz, herablassende Käufermentalität und das Unverständnis für die Alltagsrealität der Jugendlichen. Kostbarer als die Sportschuhe, die Thembas Team von Jacobs erhält, sind die persönlichen Geschenke der übrigen Figuren untereinander. Die abgetragene Mütze von Thembas Vater, der Fußball des toten Bruders seines Freundes Sipho. Es sind die zwischenmenschlichen Nuancen, die das Geläufige besonders machen. Dank dieser leisen Töne hebt sich „Themba“ von der Masse beliebiger Kinderfilme ab - auch ohne Weltmeisterschaft eine Klasse für sich.
So seh´n Sieger aus.
Themba: Nat Singo
Luthando: Patrick Mofokeng
Nomtha: Anisa Mhlungula
Mandisa: Simphiwe Dana
John Jacobs: Jens Lehmann
Andile Khumalo: Anelise Phewa
Regie: Stefanie Sycholt | Deutschland, Südafrika, 2010
Länge: 108 min | FSK: ab 12 | Buch: Stefanie Sycholt | Kamera: Egon Werdin | Szenenbild: Egbert Kruger | Musik: Annette Focks | Schnitt: Hansjörg Weißbrich | Produktion: Michael Souvignier, Ica Souvignier, Josef Steinberger

