The Rainbowmaker
Handlung
Ihr Vater Dato sei ein heldenhafter Geheimagent, erzählt Großvater Georgi seinen Enkelkindern. Als ihr Vater, der unschuldig im Gefängnis saß, zurückkehrt, sind die Geschwister enttäuscht, doch nicht nur sie. Das Heim, in welches Dato zurückkehren möchte, gibt es nicht mehr. Seine Frau Elene, die den ganzen Tag im zwielichtigen Bahnhofsrestaurant arbeitet, hat sich neu verliebt und der Großvater kann Frau Tod mit der Sense, die ihn abholen will, nicht mehr lange hinhalten. So tröstet sich Dato mit der Pilotin Lia, die in dem Küstendorf landet. Doch an einem Ort, wo Geld vom Himmel regnet und man nachts zum Mond reiten kann, sind Wunder nicht weit: Nachdem ihn ein Kugelblitz traf, kann der Meteorologe Dato nun das Wetter beeinflussen. Mit der Hilfe Lias und seiner neu gewonnen Fähigkeiten will er die Liebe Elenes und seiner Kinder zurückgewinnen.
Meinung
Opa erzählt unglaubliche Geschichten, das Pferd gehört zur Familie und Vater kann Regenbögen herbei wünschen. Auf einer Sense reitet man über den Nachthimmel bis zum Mond, der einen Tritt erhält und Gevatter Tod ist eine Gevatterin, die sich gern von irdischen Genüssen verführen lässt. „The Rainbowmaker“ will ein modernes Märchen sein, so sehr, dass der Film sich in seinen kuriosen Szenen versteigt und seine Charaktere vergisst. Die Handlung dient nur als Aufhänger, um die nächste skurrile Idee der Regisseurin filmisch umzusetzen. Hölzern und leblos erinnern die Figuren an Marionetten. Über ihr Äußeres sind sie leicht als Charaktertypen zu erkennen: der kauzige Großvater, die altklugen Kinder – natürlich er ganz der Vater, sie ganz die Mutter – und der Vater als mutiger Träumer. Psychologisch aber fehlt den Protagonisten die Tiefe. Wie alles in „The Rainbowmaker“ wirken sie auf den ersten Blick sympathisch kurios, auf den zweiten uninspiriert und gewöhnlich. Das einzige Märchen, welches „The Rainbowmaker“ zu erzählen gelingt, ist ein kommerzielles. Absonderliche Figuren, possierliches Set-Design und wohl dosierte Sentimentalität sind in der Kinofabel so sorgfältig kalkuliert wie Romantik und Kitsch in einer massentauglichen Liebeskomödie. Inspiriert wurde Nana Djordazje angeblich selbst durch einen Kugelblitz: „Ich habe immer darüber nachgedacht, was ich mit diesem Kugelblitz in mir anfangen soll.“ Dass Kugelblitze nach ihrer Ansicht magische Fähigkeiten verleihen, macht die Regisseurin in „The Rainbowmaker“ deutlich.
„Ich habe diesen Film wie ein Gedicht inszeniert.“ Einem Gedicht ohne Poesie, das dennoch eine philosophische Parabel besonderer Art sein soll. Damit das auch jeder begreift, kommentieren die kleinen Geschwister die filmischen Ereignisse, als gelte es, den Zuschauer zu belehren. Die Werke, mit denen sie ihren Film verglichen wissen will, zitiert Regisseurin Nana Djordjaze in unmissverständlichen Anspielungen auf der Leinwand. Die Pilotin fliegt aus dem Nirgendwo in die Geschichte und ohne Erklärung wieder hinaus, ins Blaue hinein. „Wo kommst du her?“, fragt Dato stellvertretend für das Publikum. „Vom Himmel“. Wie „Der kleine Prinz“ – nur standen ähnliche Worte bei Saint-Euphery in einem weit komplexeren Kontext. In einer sentimentalen Liebesgeschichte wollte man sie nicht noch einmal hören. Blass und mit wallendem roten Haar soll Mutter Elene einem Gemälde Gustav Klimts entstiegen scheinen. Doch gegenüber Klimts grazilen Ikonen wirkt die dralle Anja Antonowicz wie eine Walküre. Tiefere Einsicht vermitteln die Dialoge höchstens unfreiwillig: „Meine Frau hat mich verlassen. Sie hat einen Anderen.“, klagt Dato, worauf Lia erwidert: „Wie langweilig.“ Das ist es. “The Rainbowmaker“ bezaubert nicht, er strengt an. Dabei spürte schon die Regisseurin die negative Wirkung mancher (Geistes)Blitze: „Mir wurde schlecht von diesem Kugelblitz.“ Nicht nur ihr.
Irgendwo über dem Regenbogen.
Dato: Merab Nidize
Georgi: Ramaz Chkhikvadze
Elene: Anja Antonowicz
Lia: Chulpan Khamatova
Regie: Nana Djordjaze | Georgien, 2009
Länge: 94 min | FSK: ab 6 | Buch: Irakli Kvirikadze | Kamera: Walther Vanden Ende | Szenenbild: Vaja Djalagania | Musik: Paul M. Van Brugge | Schnitt: Irakli Kvirikadze | Produktion: Oliver Damian

