The Messenger
Handlung
„Ein Auftrag für Männer von Charakter“, nennt der Vorgesetzte den Einsatz, zu dem der junge Sergeant Will Moscow abkommandiert wird. Widerwillig beginnt der verwundet aus dem Irak-Krieg Heimgekehrte, der seinen Wehrdienst in den USA abschließen muss, mit seinem erfahrenen Kollegen Tony als „Messenger“ zu arbeiten. Ihre Aufgabe ist es, den Angehörigen gefallener Soldaten die Todesnachricht zu überbringen. Tony wart durch strenges Befolgen der Dienstvorschriften größtmögliche Distanz zu den Schicksalen der Hinterbliebenen. Will hingegen kann seine persönliche Anteilnahme nicht länger unterdrücken, als er sich in die verwitwete Mutter Olivia verliebt. Durch die Aufgabe seiner Gefühlskälte gerät er nicht nur mit seinem Gewissen in Konflikt, sondern verletzt das Vertrauensverhältnis zu seinem Vorgesetzten Tony. Zu lange hat Will verkannt, das sein scheinbar gefasster Kollege weit labiler ist als er selbst.
Meinung
„It´s a hit-and-get job.“, beschreibt Tony die Art ihres Auftrags. Indem er die persönliche Aufgabe als militärische Mission betrachtet, versucht er sich von dem individuellen Leiden, welches er dabei miterleben muss, zu distanzieren. In der Ausgangssituation seines Regiedebüts rührt Oren Moverman an das Ausmaß der seelischen Zerstörung, welche das Kriegserleben verursacht. Bevor sie ihre durch den Militäreinsatz verursachten psychischen Traumata verarbeiten können, werden die beiden Männer durch die Konfrontation mit dem Schmerz und der Wut der Hinterbliebenen erneut traumatisierenden Erfahrungen ausgesetzt. Zu Beginn empfindet Will seine neue Aufgabe als Herabstufung. Stellt er sich unmittelbar nach seiner Genesung für einen neuen Einsatz zur Verfügung, drückt dies sein unbewusstes Verlangen nach einer Rückkehr an die Front aus. Dort entlastete ihn ein reglementierter Tagesablauf von den Freiheiten, welche ihn nun überfordern. Die erneute Lebensgefahr befreit ihn von seinen Schuldgefühlen. Die permanenten Anforderungen beenden den Leerlauf, in welchem er sich befindet, und geben seinen unterdrückten Aggressionen eine Richtung. In gleichem Maße, wie die durch die traumatischen Erlebnisse geweckten Aggressionen Will für das soziale Leben untauglich machen, prädestinieren sie ihn zum Militäreinsatz. Die Armee sei eine Familie, die sich um ihre Mitglieder kümmere, fasst es Tony einmal in Worte, in welchen auch Anerkennung anklingt. Eine grausame, gierige Familie, welche ihre Kinder frisst.
Das psychische Leiden zeigt „The Messenger“ als ebenso gravierend, wenn nicht schlimmer als das physische. Will plagt die Schuld des Überlebenden. Warum hat er überlebt, während Andere getötet wurden? Der Vater eines Soldaten schreit Will die Frage, die der junge Mann innerlich wälzt, ins Gesicht. Für den Zurückgekehrten wird die Rückkehr zum Vergehen. Noch mehr steht zwischen Will und einem normalen Leben. Der Kampfeinsatz hat den äußerlich kaum verwundet erscheinenden Will auf doppelter Ebene zum Invaliden gemacht. Physisch ist er für den Fronteinsatz untauglich, psychisch für das Leben in Frieden. Der Schrecken des Krieges sucht Will in Trauer und Verzweiflung der Angehörigen weiterhin heim. Gerade in den bewegten emotionalen Zusammenbrüchen wird der Tod jedoch auf subtile Weise sublimiert. Den Kriegseinsatz der USA und das Militär hinterfragt Movermans Drama nie. Es sind die herausragenden Darstellungen des für einen Oscar als bester Nebendarsteller nominierten Woody Harrelson oder Steve Buscemis Kurzauftritt als mit dem Tod seines Sohnes konfrontierter Vater, welche das ungewöhnliche Drama auszeichnen. Dass der Krieg nicht an der Frontlinie halt macht, sondern persönliche Konsequenzen für die Betroffenen hat, ist hingegen keine neue Erkenntnis. Die in immer neuen Facetten durchgespielte Trauer der Angehörigen strahlt eine morbide Faszination aus. Die extreme Trauer der Eltern, der Ehefrauen oder schwangeren Freundin heroisiert die Gefallenen kritiklos. Deren Mitschuld als kämpfende Soldaten an dem selben Leid, nämlich auf Seiten der irakischen Bevölkerung, wird nahezu ausgeblendet. Effektiver als Trauer würde Stolz über den Soldatentod des Kindes die Perversion des Krieges vermitteln. Die radikale Botschaft, dass es im Krieg nichts zu gewinnen gibt, weder Ehre noch Stolz, wagt „The Messenger“ nicht zu überbringen.
Seelische Kämpfe zweier Kriegsrückkehrer.
Will: Ben Foster
Tony: Woody Harrelson
Olivia: Samantha Morton
Kelly: Jena Malone
Dale Martin: Steve Buscemi
Regie: Oren Moverman | USA, 2009
Länge: 112 min | FSK: ab 12 | Buch: Oren Moverman, Alessandro Camon | Kamera: Bobby Bukowski | Szenenbild: Stephen Beatrice | Schnitt: Alex Hall | Produktion: Mark Gordon, Lawrence Ingle, Zach Miller

