The Golden Bowl


Handlung

Der verarmte florentinische Prinz Amerigo ehelicht Anfang des 20. Jahrhunderts die junge, herzensgute Amerikanerin Maggie Verver, Tochter des reichen Industriellen Adam Verver. Er erhofft sich aus der Heirat ein Wiederaufleben seines gesellschaftlichen Standes sowie den Aufbau des heruntergekommenen Schlosses in Italien. Maggie lädt ihre Freundin Charlotte Stant zu sich ein, welche auf Grund ihrer Ledigkeit und zudem spärlich situiert von Bekannten zu Bekannten zieht, um bei diesen zeitweise eine Bleibe zu finden. Was Maggie nicht weiß ist, dass Charlotte und Amerigo ein Liebespaar waren und Charlotte noch nicht bereit ist, ihn vollkommen aufzugeben. Doch Amerigo hält ihrem Werben stand. Um in Amerigos Nähe bleiben zu können, heiratet Charlotte zwei Jahre später den gutmütigen Adam Verver. Im Gegensatz zu Maggie, welche ganz angetan von der Zusammenkunft ihres Vaters mit der besten Freundin ist, durchschaut Amerigo sofort Charlottes Vorhaben und sieht besorgt der Zukunft entgegen. In den kommenden Jahren bleiben Maggie, ihr Vater und sein kleiner Enkel immer mehr unter sich, wohingegen Charlotte und Amerigo sich gemeinsam in das gesellschaftliche Leben und Feiern stürzen.


Amerigo kann Charlottes Annährungsversuchen nicht mehr widerstehen und sie setzen ihre einstige Affäre fort. Jedoch wollen sie das jeweilige Eheglück des Anderen nicht gefährden. Das geht so lange gut, bis Maggie eines Tages ihre schon lang gehegten Zweifel an der reinen Freundschaft zwischen ihrem Ehemann und Charlotte äußert.

Meinung

„The Golden Bowl“ ist nach „Die Europäer“ und „Die Damen aus Boston“ James Ivorys dritte Verfilmung eines Henry James Romans. James Ivory ist bekannt für seine Historienfilme wie „Wiedersehen in Howards End“ oder „Was vom Tage übrig blieb“, beide mit Anthony Hopkins und Emma Thompson in den Hauptrollen. Ebenso bekannt ist er dafür, in seinen Produktionen althergebrachte Geschichten wie Affären, Ehebruch oder gebrochene Herzen in einem ganz neuen Licht erscheinen zu lassen. Eng an die Aussage von Henry James Roman gelehnt, zeigt Ivory dem Zuschauer die Makel der feinen Gesellschaft Anfang des letzten Jahrhunderts auf. Es ist von Anfang an nicht die Frage, ob jemand die Affäre entdecken wird. Vielmehr geht es darum, wie lange dieser gesellschaftliche Fauxpas geduldet wird. In Henry James Roman ist es die Geschichte zwischen den Zeilen, die unausgesprochenen Worte, welche das Geschehen regieren. Aus diesem Grund ist es wohl einer der am schwierigsten zu verfilmenden Romane von ihm.

Ivory hat dies solide gemeistert. Wie viele seiner Produktionen ist „The Golden Bowl“ stellenweise etwas langatmig geraten, was dem Gesamteindruck jedoch nicht schadet. Die Geschichte erleidet keinen Absturz in das Sentimentale, wozu viele Filme dieses Genre oft neigen. Vielmehr nimmt er eine beobachtende Rolle ein und urteilt nicht über das Handeln der Figuren. Sie sind Gefangene ihrer Zeit. Charlotte und Amerigo können nicht ihrem Herzen folgen, sondern müssen sich den engstirnigen Konventionen beugen. Die goldene Schale, welcher der Film seinen Namen verdankt, tritt nur kurz am Anfang und Ende des Films in Erscheinung und ist als Symbol zu betrachten. Wie der Pokal aus Gold und Kristall haben auch die Beziehungen in der Geschichte einen Sprung und sind so nicht makellos, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint. Sowohl Nick Nolte als liebender Vater als auch Kate Beckingsale in der Rolle der Maggie spielen ihre Rollen überzeugend. Uma Thurman blüht im Laufe der Handlung auf. In den Anfangsszenen wirkt sie als Charlotte eingeengt und befangen. Erst später, zu Beginn der Affäre, zeigt sie sich in der gewohnten Rolle einer starken Frau.

Der Film wurde 2000 in Cannes für die Goldene Palme nominiert und gewann 2001 den Evening Standard British Film Award für die Beste technische/künstlerische Leistung als Szenenbildner von Andrew Sanders. Auch die wunderschönen Aufnahmen Italiens sollten hervorgehoben werden. James Ivory arbeitete mit seinem vertrauten Team, dem Produzenten Ismail Merchant, der Drehbuchautorin Ruth Prawer Jhabvala und dem Kameramann Tony Pierce-Roberts zusammen, mit denen er bereits über ein Dutzend Filme gedreht hatte. Durch sie entstand ein stilsicher inszenierter Film mit hübsch anzuschauenden Bildern und starken Schauspielern.

Für Liebhaber von Historienfilmen.

von Moana Flamme



Prinz Amerigo: Jeremy Northam
Maggie Verver: Kate Beckingsale

Adam Verver: Nick Nolte
Charlotte Stant: Uma Thurman

Regie: James Ivory | USA, Frankreich, Großbritannien, 2000

Länge: 126 min | FSK: ab 6 | Buch: Ruth Prawer Jhabvala | Kamera: Tony Pierce-Roberts | Szenenbild: Andrew Sanders | Schnitt: John David Allen | Musik: Richard Robbins | Produktion: Ismail Merchant, Paul Bradley, Richard Hawley