The Doors: When You´re strange


Handlung

„If the doors of perception would be cleansed everything would appear as it is: infinite.“ Das Zitat William Blakes inspirierte den Namen der Band, welche die Musikgeschichte wie kaum eine andere Gruppe der Sechziger prägte: The Doors. In weniger als neunzig Minuten fegt die Reportage des amerikanischen Regisseurs und Dokumentarfilmers Tom DiCillo über die Kinoleinwand. Viel zu schnell vorüber und doch keine Minute zu kurz, rauschhaft und packend wie ein Live-Konzert. DiCillo weiß um den Mythos des Band-Sängers Jim Morrison und leuchtet ihn kritisch aus: „Alles, was er tat, war entweder brillant oder brillant kalkuliert.“ In teilweise nie zuvor veröffentlichten Aufnahmen wandert die Reportage mit den Doors auf William Blakes Straße des Exzess – Morrison führte sie in einen frühen Tod.

Meinung

„The Doors: When You´re strange“ ist eine der eindringlichsten Musikdokumentationen der vergangenen Jahre. Anhand von Konzertmitschnitten, Backstage-Aufnahmen und seltenem Archivmaterial fängt DiCillo in seinem mit einem Hintergrundkommentar von Johnny Depp versehenen Werk die Geschichte einer der Doors ein. Woodstock erscheint mehr als letztes Aufbäumen dieser Ära als ihr Höhepunkt. Jimi Hendrix´ zerstörerisch-überwältigende Interpretation der amerikanischen Nationalhymne wurde zur Hymne der gescheiterten Träume von einer besseren Welt. Hendrix war eine der drei Rock-Ikonen, deren Tod den der Hippie-Kultur symbolisierte. Ihm folgte Janis Joplin. Morrison sagte, er sei die Nummer drei. Er sollte Recht behalten. Sein Tod wurde die tragische Krönung seiner Biografie. Wäre sein Leben Fiktion, müsste man ihn hinzu erfinden. Die Rolle des Protagonisten einer wilden Rock-Oper wirkte auf Morrison gleichzeitig abstoßend und faszinierend: „Illegitimate son of a rock 'n' roll star, mom met dad in the back of a rock 'n' roll car.“, sang er über sich in dem Song „Maggie M´Gill“. Eine selbstgewählte biografische Fiktion Morrisons, der seine Familie zu Beginn seiner Karriere als verstorben angab. DiCillos Dokumentarfilm korrigiert das oft zugunsten Morrisons verzerrte Bandkonzept zu dem einer Einheit: The Doors. Getreu dem Titel widmet seine Reportage auch Drummer John Densmore, Robby Krieger, der die erste Hit-Single „Light my Fire“ schrieb, und Ray Manzarek, dessen Keyboardspiel die Band ihren psychedelischen Klang verdankt.

Dennoch kommt sein Film nicht umhin, die Faszination Morrisons zu idealisieren: „Unschuldig, tiefsinnig, hoch intelligent, ein Rock 'n' Roll Poet“ sei er gewesen. Sieht man den Sänger über die Bühne toben, werden die Worte aller hochtrabenden Anklänge zum Trotz wahr. In den mitreißenden Live-Aufnahmen klingt auch die Fremdheit der Doors in der Musikszene der Sechziger an: „People are strange when you´re a stranger." Die Textpassage stammt aus einem Song des zweiten Doors-Albums „Strange Days“, auf dessen Cover Zirkusartisten abgebildet sind. „Wenn die Band das Gefühl eines surrealen Zirkus vermittelte, war Morrison derjenige, der den rasenden Trapezkünstler verkörperte.“, beschreibt es Johnny Depp aus dem Off. Künstler, die einer Freak Show entstammen könnten, als solche nahm ein Teil der amerikanischen Öffentlichkeit die Band wahr, als Morrisons Exzesse jenseits und auf der Bühne unkontrollierter wurden. Betrunken sein ist eine gute Tarnung, heißt es in einem seiner Gedichte. Tarnung wovor, das kann auch DiCillo unmöglich ergründen. Manche Besucher, heißt es in „When You´re strange“, kamen in den späten Bandjahren nicht um der Musik willen, sondern um Morrison durchdrehen zu sehen. Lange hatten sie nicht Gelegenheit dazu: 1972 endete Morrisons kurzes Leben und mit ihm The Doors. Genauso abrupt endet „When You´re strange“, ein kurzer, faszinierender Trip in die ewige Nacht auf den Spuren einer musikalischen Legende.

When the music is over, turn out the lights.

von Lida Bach



Mit: Jim Morrison, Ray Manzarek, Robby Krieger, John Densmore

Sprecher: Johnny Depp

Regie: Tom DiCillo | USA, 2009

Länge: 86 min | FSK: ab 12 | Buch: Tom DiCillo | Archivmaterial: Paul Ferrara | Musik: The Doors | Schnitt: Mickey Blythe, Kevin Krasny | Produktion: John Beug, Jeff Jampol, Peter Jankowski, Dick Wolf