Stille Hochzeit
Handlung
Stalin ist tot. Für die Bevölkerung des kleinen rumänischen Dorfes im Jahre 1953, in dem Mara und Iancu leben, trotz ihrer Ablehnung des Kommunismus kein Grund zum Feiern. Dabei hatten sie genau das anlässlich der Hochzeit von Mara und Iancu vor. Der Sowjetstaat rückt in Gestalt eines russischen Offiziers an. Festivitäten jeder Art sind für sieben Tage verboten. Dann steht die Fastenzeit an und wer will schon zweimal den Vermählungsstress durchmachen? Schon die reich gedeckte Festtafel verrät, dass Mara und Iancu nicht im wirklichen Rumänien, sondern dem Schlaraffenland leben. Nachts finden die Einwohner sich zusammen, um heimlich "Stille Hochzeit" zu feiern. Unmanierlich muss ohne Besteck gegessen werden. Die Tischrede auf das Brautpaar wird als stille Post übermittelt, natürlich völlig falsch. Beim Tanz zu unhörbarer Musik vergeht selbst der Braut die Freude.
Meinung
Entweder hält sich Horatiu Milaele für einen großen Märchenerzähler oder ist eiserner Bestie Boys Fan. "Stille Hochzeit" wirkt wie ein Alternativclip zu "Fight for your right to party". Das Originalvideo ist allerdings besser als das prätentiöse Märchen, welches der rumänische Regisseur und Drehbuchautor in "Stille Hochzeit" erzählt. "Zum Teufel mit Stalin!", untertitelte der Verleih, als stecke der Diktator hinter der aufdringlichen Parabel. Heuchlerisch und einseitig wie ein Propagandafilm, welchen sich die Protagonisten ansehen müssen.
Dass Maras geisteskranke Schwester vergewaltigt und ermordet wurde, trübt die Feierlaune im Dörfchen nicht. Bis sowjetische Panzer kommen.
"Stille Hochzeit" ist eine politische Parabel. Russland hat Rumänien geschändet. Die Sowjetdiktatur unterdrückt das Volk, nachdem der Kommunismus längst tot ist. Die Menschen werden gewaltsam zum Schweigen gebracht, fügen sie sich nicht, für immer. Milaeles "Stille Hochzeit" weckt nicht nur in den Feiernden zwiespältige Gefühle. Als einfache Landleute mit goldenem Herzen sollen die Dorfbewohner wahrgenommen werden. Doch in der Gemeinde wuchert Gehässigkeit und Brutalität. Maras Vater ist ein gewalttätiger Trinker, der Mara missbraucht hat, es vielleicht noch tut. Iancu war vor Mara mit deren Schwester liiert, die er sitzen ließ. Der Film deutet an, dass Iancu Maras Schwester in den Wahnsinn trieb, aber sie weiterhin sexuell begehrt. Mara heiratet er nicht aus Liebe, sondern aufgrund sozialen Drucks. Die Dorfbewohner beschimpfen, schlagen und erniedrigen einander. Die Dorfhure und ein kleinwüchsiger Einwohner sind überall dabei, werden aber herablassend behandelt. "Stille Hochzeit" inszeniert all dies kritiklos, rückt es teilweise sogar in positives Licht.
Horatiu Milaeles Wurzel als Theaterregisseur sieht man "Stille Hochzeit" überdeutlich an. Mehrfach wirkt sein Kinodebüt wie ein gefilmtes Bühnenstück. Einzig die Kernszene des stummen Banketts entfaltet den skurrilen Charme pantomimischen Theaters. Ansonsten wirken die zahlreichen filmischen Mittel wie schwarz-weiß Szenen, Zeitlupe und abrupte Schnitte wie bemühte Spielereien. Der Humor von "Stille Hochzeit" ist zu vulgär, um amüsant zu sein. Zwischen Geistergeschichte, Märchen und Drama findet die Filmparabel keinen Einklang. Lediglich die Kostüme und geisterhaften Bilder eines verlassenen Fabrikgeländes wecken minimale Atmosphäre. Die spürbare Doppelmoral und inszenatorische Unausgegorenheit verderben die "Stille Hochzeit" gründlich.
Kein Grund zum Feiern.
Mara: Meda Andreea Victor
Iancu: Alexandru Potocean
Dorfbewohner: Doru Ana
Dorfbewohner: Iona Anastasia
Regie: Horatiu Milaele | Frankreich, Rumänien, 2008
Länge: 87 min | FSK: ab 12 | Buch: Horatiu Milaele | Kamera: Vivi Dragan Vasile | Schnitt: Christian Nicolescu | Musik: Alexandru Andries | Produktion: Vlad Paunescu

