Sounds and Silence


Handlung

Die Kamera stört. Auch Film ist nicht lautlos. Die wichtigste Aufnahme entsteht in „Sounds and Silence“ nicht durch die Kamera, sondern vor ihr. Es ist die Musik, die Manfred Eicher und die Künstler aufnehmen. Der Mitbegründer des Platten-labels ECM ist ein Perfektionist, sowohl in seinem Anspruch an die Tonaufnahme als auch an die Musik selbst. Seine Arbeit soll dazu beitragen, den Künstlern Gehör zu verschaffen, die auf dem von Retorten-Bands und Billigproduktionen dominierten Mark kaum eine Chance haben. Guyer und Norbert Wiedmer treten mit dem Musikproduzenten eine sechsjährige Reise quer durch Europa an. Mit unerschöpflicher Geduld und Präzision erforschen sie die Harmonie von „Sounds and Silence“ und akustischer Vollkommenheit.

Meinung

Wenn Manfred Eicher um Ruhe bittet, meint er es Ernst. Kein Geräusch darf wahrnehmbar sein, kein noch so schwacher Ton entgeht seinem unerbittlichen Gehör. Selbst in scheinbar vollkommener Stille erlauscht er noch ein Rauschen, einen Nachhall. „Hörst du dieses Pfeifen auch?“, ist der Untertitel, den die Dokumentarfilmer Peter Guyer und Norbert Wiedmer für „Sounds and Silence“ wählten. Die Antwort des Schweitzer Regie- und Autorenduos gleicht vermutlich der, welche die anderen Protagonisten der anerkennenden Kinodoku-mentation geben. Über einhundert Konzertaufführungen und zahlreiche Musikaufnahmen hat Eichers hochfeines Gehör über die letzten vierzig Jahre begleitet. Die außergewöhnliche Klangqualität der Produktionen hat den Namen seines Plattenlabels ECM Records zum Synonym für herausragende Tonaufnahmen gemacht. 1969 gründeten Eicher und Karl Egger in München ECM Records. Spezialität des Studios und Passion seines Betreibers sind Klassik, europäischer Jazz und Crossover-Produktionen. Ein musikalisches Gebiet weit abseits des Mainstreams; dennoch gelang es ECM dank des hohen Standards der Aufnahmen sich als feste Größe in der Branche zu etablieren.

Neun Länder und zahlreiche prominente Größen des europäischen Jazz besuchten Guyer und Wiedmer auf ihrer filmischen Klangreise. Der beständige Ortswechsel, der Eicher und das Filmteam zu neuen Protagonisten, neuen Konzerten und Musikstilen führt, lässt „Sounds and Silence“ streckenweise an ein Roadmovie erinnern. Sechs Jahre nahmen sich die Regisseure für ihr Projekt Zeit, während der ihre Bewunderung für Manfred Eicher und seine Arbeit noch gewachsen zu sein scheint. Ihr huldvolles, doch nicht immer hintergründiges Werk ist ebenso Hommage wie Reportage. Wie Eicher konzentriert sich die Handlung ganz auf die Tonaufnahmen, welche die der Kamera in den Schatten stellen. Mag das Resultat erstgenannter auch bemerkenswert sein, die Dokumenation ist es nur bedingt. „Sounds and Silence“ ist ein Film der Klangbilder: ein Fest für Musikliebhaber, nicht für Cineasten.

Dem Klang der Stille lauschen.

von Lida Bach



Mit: Manfred Eicher, Arvo Pärt, Anja Lecher, Marilyn Mazur, Nik Bärtsch, Dino Saluzzi, Jan Garbarek

Regie: Peter Guyer | Schweiz, 2009

Länge: 90 min | FSK: o.A. | Buch: Peter Guyer, Norbert Wiedmer | Kamera: Peter Guyer, Norbert Wiedmer | Ton: Balthasar Jucker | Schnitt: Stefan Kälin | Produktion: Recycled TV AG, Biograph Film