Sommersturm
Handlung
Tobi und Achim stehen kurz vorm Abi, sind beste Freunde. Mit ihrem Ruderclub geht es zur Wettkampfvorbereitung ins Zeltlager, mit von der Partie die Damenmannschaft des Vereins. Während Achim versucht, Kollegin Sandra näher zu kommen, hegt Tobi heimlich Gefühle für seinen besten Freund. Sein Leben wird vollkommen durcheinander geworfen, als der schwule Ruderclub "QueerSchläger" aus Berlin ebenfalls in der Nähe seine Zelte aufschlägt. Während Tobi Freundin Anke einen Korb gibt, freundet er sich langsam mit der gegnerischen Mannschaft aus Berlin an.
Meinung
Der Film "Sommersturm" hat mit dem Coming-Out eines jungen Sportlers ein interessantes Thema gewählt, doch leider wurde es von Regisseur Marco Kreuzpaintner mit nicht genügend neuen Einfällen umgesetzt. Der Anfang mit den ständig raufenden besten Freunden, natürlich immer mit nackten Oberkörpern als Zeichen für den Wunsch nach körperlicher Nähe, kommt einem aus anderen Coming-Out-Filmen sehr bekannt vor. Dazu zeigt Kameramann Daniel Gottschalk uns ständig nackte Körper, statt uns in die Gesichter der Protagonisten schauen zu lassen. Mit der Handkamera wird versucht, dem leidenden und zwiegespaltenen Tobi näher zu kommen, doch der Funke will nicht überspringen. Besonders am Anfang hätte man seine Rolle als souveräner und selbstbewusster Teamführer noch mehr herausarbeiten können, um dadurch später einen größeren Bruch für ihn und seine Teamkameraden zu erzielen.
Der Verlauf der Geschichte ist vorhersehbar und der Film kämpft mit etlichen Längen, er besitzt zu viel Leerlauf, es fehlt an Erzähldichte. Die hölzern wirkenden Dialoge machen es den Jungschauspielern schwer, zu überzeugen. Durch die große Zahl der Halbwüchsigen und ihren vielen pupertären Sprüchen sowie durch das Motiv des Zeltlagers schlittert der Film anfangs haarscharf an einer Teenie-Klamotte vorbei, kann aber im Verlauf immer wieder mit Tiefgang punkten. Besonders die intimen Szenen zwischen Tobi und einem Ruderer aus dem "QueerSchläger"-Team lassen uns vorsichtig in Tobis Verlangen und Sehnsüchte eintauchen. Dagegen wirken Tobis Begegnungen mit seiner Freundin Anke gestellt und unglaubwürdig. Die Kulisse des Feriencamps in der idyllischen Natur ist schön anzusehen, doch die teilweise nuschelnden Darsteller und die schlechte Tonmischung tragen dazu bei, dass die Dialoge häufig nur schwer zu verstehen sind. Insgesamt hätte man sich von Seiten des Drehbuchs und der Umsetzung mehr Mut und Eigenheiten gewünscht.
Zu konventionell erzähltes Coming-Out.
Tobi: Robert Stadtlober
Achim: Kostja Ullmann
Anke: Alicja Bachleda-Curus
Sandra: Miriam Morgenstern
Regie: Marco Kreuzpaintner | Deutschland, 2004
Länge: 94 min | FSK: ab 12| Buch: Thomas Bahmann, Marco Kreuzpaintner | Kamera: Daniel Gottschalk | Ton: Florian Niederleithinger | Szenenbild: Heike Lange | Schnitt: Hansjörg Weissbrich | Musik: Niki Reiser | Produktion: Claussen + Wöbke Filmproduktion

