So glücklich war ich noch nie
Handlung
Frank Knöpfler ist ein geschäftstüchtiger Menschenkenner, der mit seiner rhetorischen Gewandtheit den größten Skeptikern Vertrauen und somit Geld abringen kann. Der einzige Haken an der Sache ist: Frank ist ein Hochstapler. Immobilien- und Anlagenbetrug sind seine Spezialität. Hinzu kommt der Handel mit verbotenen Insidergeschäften, bei denen angeblich ein hoher Gewinn abgeworfen wird. In einem Bekleidungsgeschäft trifft Frank auf die hübsche Tanja. Auf Grund ihrer offen-sichtlichen Melancholie will er ihr einen Mantel schenken, welchen sie dankend ablehnt. Leider hat sich Frank an diesem Tag mit den gestohlenen Kreditkarten verkalkuliert und landet wegen Mehrfachbetrugs hinter Gittern. Zwei Jahre später wird er auf Bewährung entlassen und versucht sich als rechtschaffender Bürger in die Gesellschaft einzugliedern. Er kommt bei seinem Bruder Peter und dessen Frau Marie unter und beginnt seine Arbeit in einer Putzkolonne. Kurze Zeit später trifft er erneut auf Tanja und findet heraus, dass diese als Prostituierte unter dem strengen Regime der Puffmutter Fritzi arbeitet. Auch Tanja ist es gewohnt, in eine andere Rolle zu schlüpfen und nimmt dem verliebten Frank seine Rolle als reichen Plattenmagnat nicht ab. Da Fritzi das Werben des angeblich reichen Freiers missfällt, schickt sie einen Schläger los, welcher unwissentlich Peter krankenhausreif prügelt. Frank will die Situation wieder in Ordnung bringen und Tanja von Fritzi freikaufen. In seine alten Verhaltensmuster verfallend beschafft er sich die 15.000 Euro mit Immobilienbetrug und angeblichen Anlagegeschäften mit hohen Gewinnen.
Am Ende stehen Tanja, welche in Wirklichkeit Hannelore heißt, und Frank auf der Terrasse des Penthouses, welches Frank fälschlicherweise als seines ausgegeben hat, und schmieden fabelhafte Zukunftspläne. In der Minute, in welcher Frank feststellt, dass er noch nie so glücklich war, fährt unten die von Peter hinzugezogene Polizei vor, um Frank zu verhaften.
Meinung
Der Regisseur Alexander Adolph präsentiert mit „So glücklich war ich noch nie“ die Spielfilmversion seiner Dokumentation „Die Hochstapler“ von 2006. In dem 2009 erschienenen Drama bot sich Adolph die Möglichkeit, Blickwinkel aufzugreifen, welche ihm in seiner Dokumentation verwehrt waren. An vielen Stellen der Handlung des Spielfilms lassen sich jedoch die Geschichten der vier Trickbetrüger aus „Die Hochstapler“ wiederfinden. Mit seinem Spielfilmdebüt gelang Adolph eine glaubhafte und nicht von Moral überlastete Innenansicht des Lebens eines Menschen, welcher sich ausschließlich über andere Charaktere definieren kann.
In den Rollen des Trickbetrügers Frank und der unglücklichen Prostituierten Tanja brillieren Devid Striesow und Nadja Uhl. Striesow zieht den Zuschauer mit seinem Schauspiel auf seine Seite, so dass man mit Frank sympathisiert und sich nicht als Betrogener fühlt. Vom Zeitpunkt seiner Entlassung bis zum Ende über den Dächern von Berlin wächst der Zuschauer immer mehr mit dem Charakter, oder sollte man besser sagen den Charakteren, von Frank zusammen. Dabei wird nicht versucht, das Mitgefühl des Zuschauers durch übertriebene Darstellung der traurigen Kindheit oder missliche Lebensumstände zu wecken. Im Gegenteil wird der durchaus ernste und nachdenkliche Grundton mit humoristischen Einlagen durchzogen. Wird dem Zuschauer offenbart, dass Frank und sein Bruder Peter von ihrer Mutter brutal verprügelt wurden, so geschieht das nicht in einer dramatisch anmutenden Szene mit passender Musikuntermalung. Ganz im Gegenteil erinnert Frank sich mit Peter an Episoden aus ihrer Kindheit mit einem Lachanfall am Grab ihrer Mutter, unterstrichen von der wiederholten Bemerkung „Das ist aber eigentlich nicht lustig.“ Striesows Figur mutet wie ein moderner Felix Krull aus Manns Roman „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ an, bei welchem nicht nur die Initialien übereinstimmen, und lässt auch ein wenig an die Figur des Leonardo DiCaprio aus „Catch me if you can“ erinnern.
Deutlich, jedoch nicht moralisierend, wird auch eine gesellschaftskritische Komponente hervorgehoben. Zum Beispiel mit dem Rechtsanwalt, für welchen Frank das noble Berliner Penthouse putzt und der auf Menschenrecht spezialisiert ist. Dieser nötigt Frank bei seinem ersten Besuch dazu, in die Voliere seiner Krähe zu steigen, welche daraufhin mitsamt Frank umkippt, wobei sich der sozial engagierte Anwalt bei dem Missgeschick mehr Sorgen um den Vogel als um Frank macht. Und auch den tugendhaften Bewährungshelfer trifft Frank im Verlauf der Handlung im Bordell von Tanja wieder. Doch jede Szene ist frei von Schuldzuweisungen. Vielmehr wird dem Zuschauer vor Augen geführt, wie wandelbar die Wahrnehmung von Moral sein kann, je nachdem aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet.
Für seine hervorragenden Leistungen wurde Devid Striesow für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Beste darstellerische Leistung: männliche Hauptrolle nominiert. Zudem erhielt der Komponist Dieter Schleip 2009 den Filmmusikpreis beim Filmfestival Max Ophüls Preis. „So glücklich war ich noch nie“ ist eine gelungene Darstellung über das Leben eines Trickbetrügers, aber auch über die Definition des Begriffs der Freiheit und der untergründigen Feststellung, dass das Leben ohne Lügen nicht auszuhalten ist.
Gesellschaftssatire der Extraklasse.
Frank Knöpfler: Devid Striesow
Tanja: Nadja Uhl
Peter: Jörg Schüttauf
Marie: Floriane Daniel
Fritzi: Elisabeth Trissenaar
Regie: Alexander Adolph | Deutschland, 2009
Länge: 88 min | FSK: ab 12 | Buch: Alexander Adolph | Kamera: Jutta Pohlmann | Szenenbild: Tom Hornig | Schnitt: Silke Botsch | Musik: Dieter Schleip | Produktion: Ernst Ludwig Ganzert, Wolfgang Tumler

