Snowman´s Land
Handlung
Ein Toter zu viel. Bei einem Auftrag unterläuft Werner versehentlich eine Verwechslung. Ein folgenschwerer Fehler für den alternden Auftragskiller. Für Werner wird die Luft dünn; er verzieht sich dorthin, wo sie noch dünner ist. In einem alten Sanatorium in den ostdeutschen Bergen sollen Werner und sein alter Gangsterkollege Micky auf die Frau des totgeglaubten Kriminellen Berger aufpassen. Was nach einem entspannten Winterurlaub klingt, wird für Werner zur Winterreise in den Wahnsinn. Im Kurhaus verbirgt sich mehr als abgestandene Ost-Möbel, die schmierige Hausherrin Sibylle führt ein spezielles Geschäft und ihr Gatte Berger hat große Pläne für sein Leben nach dem Tod. Der ereilt durch ein Missgeschick Sybille. Ein Vorfall, den Werner und Micky unbedingt vor Berger geheim halten müssen. Der und sein Handlanger Kazik sind ausgerechnet jetzt zurück gekehrt.
Meinung
Ein vom Pech verfolgter Killer. Ein missglückter Auftrag. Ein zweifelhafter Job, der nicht nur der Karriere jenes Berufskillers ein Ende setzten könnte, sondern seinem Leben. Ausgangssituation, Filmtitel und das undurchsichtige Filmposter von „Snowman´s Land“ lassen einen unterkühlten Neo-Noir vermuten, bei dem das „noir“ den schwarzen Humor markiert. Für einen solchen hält Tomasz Thomson sein Kinodebüt offensichtlich: „Wir wollen unterhalten. Intelligent und subversiv.“, sagt der polnische Regisseur im Interview. In allen drei Punkten scheitert seine krude Krimi-Groteske. „Snowman´s Land“ ist das Gegenteil einer hintergründigen Kriminalkomödie. Unterhalten kann die mit Klischees überfrachtete Gangstergroteske erst recht nicht. Der Humor soll skurril sein, doch die vulgären Witze sind vorhersehbar bis abstoßend. Die Folgen bekam auch Thomson zu spüren: “Wir haben schnell gemerkt, dass viele Leute das Drehbuch überhaupt nicht lustig fanden.“ Zweifellos ein Zeichen für den mangelnden Tiefsinn des Publikums: „Der Witz liegt auch manchmal zwischen den Zeilen.“
„Zwischen den Zeilen“ versteckt sich vielleicht auch ein anspruchsvolleres Werk, als der mit abgedroschenen Hinterwäldler-Witzen, Jenseits-Visionen und bizarren Gewaltorgien aufwartende „Snowman´s Land“. Die aus Plattitüden und debilen Sprüchen zusammen-geflickten Dialoge bringen das filmische Niveau auf den Nullpunkt: „Überall um uns rum Orgasmen. Die sind geplatzt wie Seifenblasen. Habt ihr so was schon mal erlebt?“, fragt Sibylle. Nein, grunzt Micky. Dafür ist er in „Snowman´s Land“ buchstäblich im falschen Film. Doch zu seinem Unglück war er, wie es Thomson über seinen Darsteller Reiner Schöne sagt, „bekloppt genug, das alles mitzumachen“. Von den Zuschauern dürften letzteres die wenigsten sein. Womöglich sind die ästhetischen Vorstellungen Thomsons so befremdlich wie die seines Protagonisten Micky. Der ruft angesichts unappetitlicher Porno-Fotos der speckigen Sibylle: „Das ist echte Kunst, Mann!“ Auf den spannungslosen „Snowman´s Land“ trifft dies selbst an Mickys geringen Ansprüchen gemessen nicht zu. „Ich habe mich schon gefragt, ob ich einen seltsamen Humor habe.“ gesteht Thomson bezüglich seines Plots ein. Keine Sorge. Nach seinem ebenso grobschlächtig gespielten wie inszenierten Kinodebüt zu urteilen, hat der Regisseur und Drehbuchschreiber überhaupt keinen.
Der Killer, der in die Kälte ging.
Walter: Jürgen Rißmann
Micky: Thomas Wodianka
Berger: Reiner Schöne
Sibylle: Eva-Katrin Hermann
Kazik: Walera Kanischtscheff
Harry: Detlef Bothe
Regie: Tomasz Thomson | Deutschland, 2010
Länge: 98 min | FSK: ab 16 | Buch: Tomasz Thomson | Kamera: Ralf Mendle | Ausstattung: Thorsten Sabel | Musik: Luke Lalonde | Schnitt: Tomasz Thomson | Produktion: Boris Michalski

