Shahada


Handlung

„Shahada“ heiße das Glaubensbekenntnis eines Muslims, erklärt der junge Sammi seinem Freund Daniel. Mit seinem Glauben gerät der türkischstämmige Sammi auf Grund seiner unterdrückten Liebe zu Daniel in einen Gewissenskonflikt. Die muslimische Maryam wendet sich nach einem traumatischen Erlebnis dem religiösen Fundamentalismus zu – zur Beunruhigung ihres liberalen Vaters, der als Imam einer Gemeinde vorsteht. Der Polizeibeamte Ismail wiederum kann einen tragischen Unfall, den er bei einem Einsatz verschuldete, nicht verarbeiten. Die Lebenssituationen der unterschiedlichen Protagonisten spitzen sich dramatisch zu, bis sich die Wege der Figuren in einer schicksalhaften Nacht kreuzen.

Meinung

„Shahada“ sei kein Film über Religion, sagt Regisseur Burhan Qurbani, es sei ein Film über Menschen. Die Handlung zentriert sich um die Schicksale von drei in Deutschland geborenen Moslems, deren persönliche Konflikte in unterschiedlicher Weise mit ihrem Glauben in Verbindung stehen. Das klingt nach einer sozial brisanten Thematik, nach politischem Sprengstoff und filmischer Provokation. All dies stellt „Shahada“ unterschwellig in Aussicht – und liefert es nie. Die Einbettung in einen religiösen Kontext dient Qurbani als Vorwand, ein Drama auf dem Niveau einer Seifenoper auf die Kinoleinwand zu hieven. Mit erstaunlichem Erfolg ist ihm dies gelungen. Nicht nur 20 Uhr 15 auf RTL, nein, der Wettbewerb der Berlinale. Den Vorspann unterlegen Bilder, auf denen sich Filmblut mit Wasser mischt. Ein kleiner Vorgeschmack auf die prätentiösen Szenen, mit denen „Shehada“ noch aufwarten wird. Die Handlung beginnt mit einer polizeilichen Suche nach illegalen Einwanderern. Rechtmäßig ist der Durchschnittsmuslim nicht hier, behauptet die Anfangsszene. Falls ein türkischstämmiger Deutscher doch einen rechtmäßigen Pass und eine ordentliche Arbeit hat, nutzt er das wie Ismail, um illegalen Einwanderern widerrechtlich den Aufenthalt zu ermöglichen. Die ältere Generation verdammt Homosexualität und sexuelle Freiheit, wie es Sammis Mutter oder die älteren Gemeindemitglieder tun, oder predigt den Glauben in der Moschee. Junge Muslime sind in „Shahada“ verkappte Schwule, die mit ihrer sexuellen Orientierung nicht umgehen können, oder homophobe Schläger wie Sammis Arbeitskollege. Von jungen Musliminnen entwirft Qurbani ein ähnlich negatives Bild. Maryam und ihre Freundin Renan pöbeln sich in eine Disco und tanzen dort zu peinlicher deutscher Popmusik: „Ich muss gar nichts außer schlafen, trinken, atmen und ficken!“, dröhnt es aus den Boxen.

Oh, diese schrecklichen Kinder! Nur feiern, saufen und ungeschützter Sex! Letzteres lässt sich daraus schlussfolgern, dass Maryam auf der Disco-Toilette als Folge einer illegalen Abtreibung eine Fehlgeburt hat. Spätestens hier ist klar, dass „Shahada“ kein Film der subtilen Nuancen ist. Die für die Abtreibung notwendigen Medikamente hat die im Krankenhaus arbeitende Renan besorgt. Glaubt man der Handlung, müssen sich deutsche Betriebe, die Muslime einstellen, auf einiges gefasst machen. Die pöbeln und unterschlagen, wo sie nur können! Und dann muss man in der Mensa neben dem vegetarischen auch noch ein schweinefleischfreies Gericht anbieten. Konservative, die ihre Vorurteile im Kino bestätigt sehen wollen, müssen nur „Shahada“ ansehen. „Please Give“ oder „My Name is Khan“ waren lediglich oberflächlich. „Shahada“ ist der künstlerische Tiefpunkt, ohne den kein Filmfestival komplett wäre. Das aufgesetzte Drama verbindet auf unglaubwürdige Weise die bis ins Lächerliche überzogenen Erlebnisse einer Gruppe von Negativstereotypen. Prätentiöse Zwischentitel unterteilen die Handlung in Kapitel: „Die Hingabe“, „Das Opfer“, „Die Selbstaufgabe“. Dazwischen gibt es Dialoge auf Rosamunde-Pilcher-Niveau: “Und dann kamst du, mein dunkler, dunkler Engel und hast mir meinen schlimmen Wunsch erfüllt.“ In einer selbstverräterischen Szene empfiehlt Ismaels kleiner Sohn Beten gegen Schlafstörungen: „Das ist so langweilig.“ Über „Shahada“ lässt sich das gleiche sagen.

Glaube es, wer will.

von Lida Bach



Sammi: Jeremias acheampong
Daniel: Sergej Moya
Maryam: Maryam Zaree

Isamil: Carlo Lubek
Renan: Nora Abdel-Makousd

Regie: Burhan Qurbani | Deutschland, 2010

Länge: 90 min | FSK: ab 16 | Buch: Burhan Qurbani | Kamera: Yoshi Heimrath | Szenenbild: Barbara Falkner | Schnitt: Simon Blasi | Musik: Daniel Sus | Produktion: Leif Alexis


Der Film ist ein absolutes

Der Film ist ein absolutes Meisterwerk. Und alle Leute die den Film schlecht fanden konnten ihn warscheinlich nicht fühlen. Ich hab lange keine so gute verfilmung dieses Themas gesehen und bin begeistert von den Schauspielern. Top Film! Herzlichen Glückwunsch.

Latifah L.