Schwarze Katze, weißer Kater
Handlung
Zigeuner Matko lebt mit seinem Sohn Zare an der Donau und betreibt dort Schwarzhandel mit den Russen. Um endlich den ganz großen Coup zu landen, überredet Matko den Gangster Dadan mit ihm einen Zug zu überfallen. Doch Dadan kassiert allein das Geld und fordert von Matko auch noch die Hochzeit seiner unbeliebten Schwester mit seinem Sohn Zare. Zare liebt aber die lebenslustige Ida und ist über die bevorstehende Hochzeit tot unglücklich. Doch nicht nur er.
Meinung
Der Film „Schwarze Katze, weißer Kater“ sprüht nur so vor Lebendigkeit. Mit skurilen Charakteren und Umgebungen führt uns Regisseur Emir Kusturica in eine überdrehte Welt voller Ironie und Lebenslust ein. Gerade pokert Zigeuner Matko noch mit sich selbst, da feilscht er auch schon um eine Waschmaschine, einen Computer und Elefantenstoßzähne. In den ersten Minuten wundern wir uns noch über die hässlichen Gesichter mit den riesigen Zahnstummeln in jedem Mund, doch schnell tauchen wir in die kleine Zigeunerwelt ein und entwickeln Sympathien für die merkwürdigen Gestalten. Der Film hat viel Humor, wenn er auch immer mal etwas derb daher kommend, und bewegt sich geschickt zwischen Komödie und Klamauk.
Regisseur Kusturica zeichnet mit den überschwenglich spielenden Darstellern ganz spezielle Charaktere. Wenn Gangster Dadan zum Mikrofon greift und zu billigem Techno performed, spüren wir, wie sehr er es liebt, zu tanzen und zu singen. Die Geschichte rutscht gerne ins Alberne ab, schafft es aber immer, eine ganz bestimmte Stimmung zu erzählen. Besonders schön ist die Situation, in der der junge Zare mit seiner Angebeteten Ida durch das Sonnenblumenfeld tollt. Die Stimmung ist dabei so lebendig und positiv, wir spüren die Wärme des Sommertages, ein wunderschöner Moment. Daneben zeigt der Film viel Gewalt, überspielt die Grausamkeit aber immer bewusst mit makaber heiteren Einlagen. Insgesamt hat Kusturica seine Geschichte sehr leicht inszeniert und sie mit ebenso leichter, fröhlicher Musik unterlegt.
Und wenn Kusturica uns schon ein Happy End bietet, dann auch gleich ein Richtiges. So siegt nicht nur das Gute, selbst die beiden Verstorbenen lässt er wieder zum Leben erwecken.
Makaberer Spaß voll hässlicher Gestalten.
Zur nächsten Filmkritik: Black Book
Matko: Bajram Severdzan
Zare: Florijan Ajdini
Dadan: Srdjan Todorovic
Ida: Branka Katic
Regie: Emir Kusturica | Deutschland, Frankreich, Jugoslawien, 1998
Länge: 124 min | FSK: ab 6 | Buch: Gordan Mihic | Kamera: Thierry Arbogast | Ton: Nenand Vukadinovic | Szenenbild: Milenko Jeremic, Rade Mihajlovic | Schnitt: Svetolik Mica Zajc, Mirjana Kicovic | Musik: Dr. Nelle Karajlic, Vogislav Aralica, Dejan Sparavalo | Produktion: Ciby 2000, Pandora Film, Komuna, France 2
