Roseland - Der Tanzpalast
Handlung
Der Tanzpalast „Roseland“ in der Metropole New York stellt seit Jahrzehnten eine Anlaufstelle für meist ältere und einsame Menschen dar, welche sich für ein paar Stunden fern des grauen Alltags ihrer durchtanzten Jugend erinnern wollen. So auch die Witwe May, die seit dem Tod ihres Mannes Eddi unentwegt von diesem redet und damit auch dem gealterten Möchtegern-Gigolo Stan auf die Nerven geht. Doch auf einfühlsame Weise schafft es Eddi, May ihrer Traumwelt zu entreißen. Regelmäßig im Roseland anzutreffen, ist ebenfalls Pauline, eine reiche Witwe, die den jungen Russel mit ihrem Geld und ihrer Fürsorge an sich gebunden hat. Als dieser auf die frisch getrennte junge Marilyn trifft, verliebt er sich in sie und scheint sein Gigolo-Dasein zu überdenken und wieder tanzen zu wollen. Aber auch die Tanzlehrerin Cleo hat Interesse an Russel, so dass dieser zwischen den drei Frauen hin und her gerissen ist. Der größte Traum der allein stehenden Rosa war schon immer, einmal den Peabody-Wettbewerb zu gewinnen. Zusammen mit dem ungeschickten Arthur übt sie, gegen den Rat der Ärzte.
Als Arthur im Roseland zusammenbricht und kurz darauf im Krankenhaus stirbt, scheint für Rosa der Hauptgewinn in weite Ferne gerückt zu sein.
Meinung
James Ivory produzierte mit „Roseland – Der Tanzpalast“ eine bittersüße Darstellung tragischer Romanzen und verlorener Träume. Der Film aus dem Jahr 1977 wurde unter der altbewährten Crew um Ivory realisiert. Sowohl die Autorin Ruth Prawer Jhabvala, welche das Drehbuch zu „Roseland“ nach ihrem eigenen Roman verfasste, wie auch der Produzent Ismail Merchant, einstiger Lebendgefährte von James Ivory, arbeiteten schon in zahlreichen Produktionen, darunter „Zimmer mit Aussicht“ und „The Golden Bowl“, mit Ivory zusammen. Der in den 80er Jahren geprägte Stil Ivorys für aufwendig gestaltete Gesellschaftsfilme ist in seinen Frühwerken noch nicht herauszulesen. Der tatsächlich in New York City existierende Tanzpalast Roseland vermittelt als Kulisse vielmehr den Eindruck einer halbdokumenta-rischen Produktion. Sein Interesse an filmischen Dokumentationen wurde bereits in Ivorys Magisterarbeit aus dem Jahr 1957 deutlich, für welche er seinen ersten Dokumentarfilm „Venice: Theme and Variations“ einreichte. Auch die realen Tanzaufnahmen aus dem Tanzpalast in New York zu Beginn des Films verstärken den dokumentarischen Eindruck.
Die Handlung von „Roseland“ ist sowohl um die fünf Frauen und Russel aufgebaut, wie auch an den drei Tänzen Walzer, Hustle und dem Peabody orientiert. Drei Episoden, drei Tanzstile. Der Kern der Geschichte, nämlich die zerbrochenen Träume und Hoffnungen in kleinen Momenten wieder aufleben zu lassen und sich an alte Zeiten zu erinnern, wird durchaus stark porträtiert. Und auch die melancholische Grundstimmung aller Charaktere auf der Suche nach einem letzten bisschen Glück überträgt sich auf den Zuschauer. Die Dramaturgie strauchelt dabei allerdings über die gelegentlich zu inszeniert wirkenden Dialoge und statisch konstruierten Szenen, welche zu vorhersehbar und normangepasst daherkommen. Die schauspielerische Darbietung eines jungen Christopher Walken in einer für ihn atypischen Rolle hebt sich dabei allerdings positiv hervor. In der Rolle des Gigolos Russel, der sich hin und her gerissen fühlt zwischen seinen „Pflichten“ gegenüber Pauline und seinen privaten Wünschen und Gefühlen, beweist der gelernte Tänzer Walken seine Vielschichtigkeit gegenüber späteren Rollen, wie z.B. in "God´s Army".
Zu bemerken seien auch die Tanzdarbietungen der Schauspieler, welche dem Film durch die ausgezeichnete Choreographie seinen Schwung und Charme verleihen. Die Choreographin Patricia Birch hat sich bis zum heutigen Tag über zahlreiche Produktionen einen bekannten Namen gemacht. Für den Kultfilm „Grease“ gewann Birch 1972 den Drama Desk Award für die beste Choreographie. Die Handlung hat ihre Höhepunkte und birgt für manchen Zuschauer, besonders für die ältere Generation, einen gewissen Charme. Nostalgie-Liebhaber werden auf ihre Kosten kommen.
Leicht kitschige und untypische Ivory Produktion.
May: Teresa Wright
Eddie: Denny Shearer
Stan: Lou Jacobi
Pauline:Joan Copeland
Russel: Christopher Walken
Marilyn: Geraldine Chaplin
Cleo: Hellen Gallagher
Rosa: Lilia Skala
Arthur: David Thomas
Regie: James Ivory | USA, 1977
Länge: 99 min | FSK: ab 6 | Buch: Ruth Prawer Jhabvala | Kamera: Ernest Vincze | Schnitt: Humphrey Dixon, Richard Schmiechen | Musik: Michael Gibson | Produktion: Ismail Merchant

