Rampenlicht


Handlung

London um 1914 – der arbeitslose Komödiant Calvero rettet die junge Balletttänzerin Terry nach einem Selbstmordversuch. Der einst hochgejubelte Künstler und die talentierte Tänzerin offenbaren sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten. Calvero, vom Publikum verschmäht und nur noch betrunken auf der Bühne, weil er meint, nur noch mit Alkohol komisch sein zu können, spricht Terry neuen Lebensmut zu und pflegt sie in seiner Wohnung – Terry hat Schuldgefühle wegen ihrer älteren Schwester, die sich als Straßenmädchen verdingt, um ihr etwas Geld zukommen zu lassen; nach dem Selbstmordversuch glaubt Terry gelähmt zu sein. Terry gewinnt nach ihrer Gesundung neue Kraft, weiter an ihrer Karriere zu arbeiten und Calvero verzichtet aufs Trinken und versucht ein Comeback unter neuem Namen. Monate später ist Terry der Solostar im großen Empire-Ballett, während Calvero scheitert und wieder mit dem Trinken anfängt. Terry verschafft ihm eine Nebenrolle und gesteht dem viel älteren Mann ihre Liebe. Calvero meint der jungen, erfolgreichen Frau nichts mehr geben zu können und spricht ihr zu, doch die Liebeserklärung des Komponisten Neville zu erwidern – doch Terry beteuert ihre Liebe zu Calvero und ist entschlossen, ihren einstigen Lebensretter zu heiraten.

Meinung

„Rampenlicht“ war eine Herzensangelegenheit Chaplins, eine Hommage an das Londoner Varieté-Theater, in dem er groß geworden ist. Gleichzeitig reflektiert Chaplin über autobiographische Details, Calvero aus Erinnerungen an seinen Vater und Terry an seine Mutter, beziehungsweise eigene innere Ängste. Als solche steht exemplarisch die fabelhaft komische Szene, in der Calvero als Fliegendompteur von „Phillis und Henry“ auftritt und plötzlich merkt, dass er vor leeren Rängen spielt. Das Älterwerden, der Niedergang großer Künstler, den Chaplin in seiner aktiven Zeit auf der Bühne an seinen Weggefährten erlebt hat, gleichzeitig die Einsicht, dass es zu Ende ist, das alles zeigt Chaplin in dem alten Clown Calvero, der ohne Schminke immer ein bisschen schrullig und verloren wirkt. Der Film hat nur selten komische Szenen, was das Publikum seinerzeit irritierte, seien sie doch mit der Erwartung in einen Chaplin-Film gegangen, sich zu amüsieren. Aus diesem Grund fielen viele Kritiken auch sehr negativ aus. „Rampenlicht“ ist eher Drama als Komödie, offenbart aber an einigen Stellen großartige Szenen voll Komik und Tragik zugleich – gleichzeitig nutzt der Film nicht den pessimistischen Humor wie in „Der große Diktator", sondern ist grundoptimistisch, die Figuren sind nicht verlogen, tragen keine Charaktermasken, sondern hier sehen wir grundehrliche Künstler am Ende (Calvero) und am Anfang (Terry, Neville) ihrer Karrieren.


Aus diesem Grund lehnt Calvero auch den Heiratsantrag von Terry ab. Er glaubt, sie kümmere sich nur aus Mitleid um ihn – aus diesem Grund flieht er auch, um sich als „Tramp-artist“ zu verdingen. Terrys Liebe für Calvero ist ehrlich gemeint, sie ist dem Mann, der ihr das Leben gerettet und den Mut zugesprochen hat, tief verbunden; sie meint, dass nur dieser Mann sie auch glücklich machen kann. Calvero weiß allerdings, dass er der jungen Frau nichts mehr geben kann, sie viel besser bei dem schüchternen Neville aufgehoben wäre, in den sie schon einmal verliebt war. Am Ende verschafft Terry Calvero einen letzten Auftritt vor ausverkauftem Publikum, bei dem Calvero nochmal eine große Show hinlegt und dann an Herzversagen auf der Bühne stirbt. Ein wahrhaft würdiger Abgang für einen großen Künstler.


Die Hommage an vergangene Zeiten gelingt, man muss sich jedoch die Zeit dafür nehmen. Der Film ist mit seinen 137 Minuten und bis zu 15-minütigen Bühnenszenen sehr lang. Man sollte schon ein Herz für Chaplin haben und ihm diese langen Szenen zugestehen – besonders der letzte Slapstick-Auftritt mit Buster Keaton versprüht nostalgischen Charme.

Einer der letzten großen Auftritte eines großen Künstlers.

von Niklas Anzinger



Calvero: Charles Chaplin
Terry: Claire Bloom

Neville: Sydney Chaplin
Calvero´s Partner: Buster Keaton

Regie: Charles Chaplin | USA, 1952

Länge: 137 min | FSK: ab 6 | Buch: Charles Chaplin | Kamera: Karl Struss | Schnitt: Joe Inge | Produktion: Charles Chaplin