Portrait of a Lady

Handlung

Im Jahr 1872 kommt die Amerikanerin Isabel Archer zu ihren wohlhabenden Verwandten nach England. Fest entschlossen sich nicht auf die Zwänge einer Ehe einzulassen und stattdessen zu sehen, was die Welt für sie noch bereit hält, lehnt sie die Heiratsanträge des vermögenden Lord Warburton und des amerikanischen Industriellen Caspar Goodwood ab. Einzig zwischen ihr und ihrem an Schwindsucht leidenden Cousin Ralph entspinnt eine tiefe Freundschaft. Nach dem Tod ihres Onkels erbt Isabel eine beträchtliche Summe an Geld, mit der sie ihre Sehnsucht nach fernen Ländern und Unabhängigkeit erfüllen könnte. Doch durch ihre vermeintliche Freundin Madame Merle lernt sie in Florenz Gilbert Osmond kennen, für den sie mit allen ihren Vorsätzen bricht und ihn heiratet. Gemeinsam ziehen sie mit Isabels Vermögen nach Rom. Doch Gilbert stellt sich als liebloser und berechnender Ehemann heraus und Isabels entschlossenes Wesen beginnt unter ihm zu verkümmern.


Erst als ihr Freund Ralph im Sterben liegt, widersetzt sie sich den Vorschriften ihres Ehemannes und reist zu ihrem Cousin nach England. Doch zurück nach Rom kann sie nun nicht mehr.

Meinung

Der Film „Portrait of a Lady“ basiert auf dem 600 Seiten langen historischen Roman „Bildnis einer Dame“ von Henry James, der im Jahre 1881 veröffentlicht wurde. In den 138 Minuten des Films schafft Drehbuchautorin Laura Jones ein ganz eigenes, homogenes Werk zu kreieren, das versucht, ein genaues Bild der Persönlichkeit Isabels zu zeichnen. Der Film setzt sich durch einige Besonderheiten von den vielen anderen Adaptionen historischer Romane ab. So zeigt uns Regisseurin Jane Campion den Alltag des Adels, ganz ohne ihn zu beschönigen oder romantisieren zu wollen. Ihr Blick auf die gelangweilte Oberschicht ist nüchtern, der einzige Lebensinhalt scheint aus den Gefühlen zum anderen Geschlecht zu bestehen. Auch sind Campions Details stimmig. Wo sonst sieht man die Hauptdarstellerin beim Lauschen einen Keks essen, beim sich Unterhalten einen Kerzenständer auf den Kopf stellen. Diese einfachen Kleinigkeiten verhelfen dem Film zu dem Gefühl von Realitätsnähe.

Durch die Intrige von Madame Merle und Gilbert Osmond werden wir allerdings zurück in die Klischee-Kiste der Historien-Filme geholt, wobei Campion durch eine ambivalente Charakterzeichnung der Madame Merle versucht, der typischen Trennung zwischen Gut und Böse zu entkommen. Doch leider sind die Charakterzeichnungen nicht immer nachvollziehbar. Besonders Isabels Schritt doch zu heiraten, kommt zu schnell. Zwar zeigt uns Campion in einer Traumsequenz, wie Isabel sich nach Liebe und Zärtlichkeit verzehrt, doch warum ihre Wahl ausgerechnet auf den unsympathischen Gilbert Osmond fällt, ist für den Zuschauer schwer nachzuvollziehen. Auch auf die Entwicklung zu Isabels immer größer werdenden Apartheid in ihrer unglücklichen Ehe wird nicht genügend eingegangen, die Veränderungen in ihrem Wesen kommen zu abrupt. In der zweiten Hälfte des Films versinkt Hauptdarstellerin Nicole Kidman in der Rolle der Isabel in einem endlosen Tränenmeer. Auch mit weniger Schluchzen hätten wir verstanden, dass diese Frau sehr unglücklich in ihrem Leben ist.

Insgesamt kommt der Film überraschend ruhig daher, Musik und Sounddesign sind auf ein Minimum reduziert, häufig sind die Einstellungen von Stille geprägt. Asymmetrische und schräge Einstellungen machen die Optik des Films interessant. Ebenfalls eine Besonderheit für einen historischen Stoff sind die schwarz-weiß Montagen, die Isabels Weltreise oder ihre Vorstellung von ihr mit surrealen Bildern andeuten, offen für Interpretationen, eindeutig für ihre Sehnsucht nach Gilbert. Auf den pseudofeministischen Anfang hätte man ohne schlechtes Gewissen verzichten können.

Tränenreich mit tollen Details.


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Isabel Archer: Nicole Kidman
Lord Warburton: Richard E. Grant
Caspar Goodwood: Viggo Mortensen

Ralph: Martin Donovan
Madame Merle: Barbara Hershey
Gilbert Osmond: John Malkowich

Regie: Jane Campion | USA, Großbritannien, 1996

Länge: 138 min | FSK: ab 12 | Buch: Laura Jones | Kamera: Stuart Dryburgh | Ton: Lee Smith | Szenenbild: Mark Raggett | Schnitt: Veronika Jenet | Musik: Wojciech Kilar | Produktion: Propaganda Films


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