Ponyo – Das große Abenteuer am Meer


Handlung

Aus dem Meer ist Ponyo gekommen, in das Meer ist sie wieder zurückgekehrt, tröstet Sosukes Mutter ihn, als er traurig über das Verschwinden seiner Goldfisch-Freundin ist. Doch Ponyo, mit dem fast menschlichen Gesicht und den wissenden Augen, ist kein gewöhnlicher Fisch. Die Tochter des unter Wasser lebenden Zauberers Fujimoto und der Meeresgöttin Granmamare kehrt in Gestalt eines kleinen Mädchens zu Sosuke zurück. Doch bei ihrer Verwandlung hat die mit magischen Fähigkeiten begabte Ponyo das Zauberelixier Fujimotos verschüttet. Sosukes Heimatort wird von der entfesselten See überflutet. In den durch Alchemie in die Vorzeit zurückversetzten Gewässer schwimmen Ponyos in Urtiere verwandelte Fischgeschwister. Um das natürliche Gleichgewicht wieder herzustellen, brechen Sosuke und Ponyo auf einem verzauberten Spielzeugschiff zu einer abenteuerlichen Reise auf, die sie bis zu Ponyos mächtiger Mutter Mamare führt. Werden die Naturkräfte sich von den Menschenkindern besänftigen lassen?

Meinung

Das zum Filmende erklingende Titellied ist in Japan so beliebt, dass die Kinder es auf der Straße singen. Doch nicht nur deshalb verdient „Ponyo – Das große Abenteuer am Meer“ bis zur letzten Sekunde angesehen zu werden. Untermalt allein mit der herausragenden Musik Joe Hisaishis beginnt der japanische Regisseur und Zeichenkünstler Hayao Miyazaki fast wortlos sein Filmmärchen zu erzählen. Wie die von unzähligen Lebewesen bevölkerte Unterwasserwelt enthüllt die faszinierende Bildwelt des Zeichentrick-Abenteuers immer neue psychologische und gesellschaftskritische Interpretationsebenen. Fujimoto und Ponyo, deren Verwandtschaft trotz ihrer optischen Unterschiedlichkeit erkennbar ist, verkörpern entgegen gesetzte Prinzipien im Verhältnis von Mensch und Natur. Fujimoto, der die Zerstörung des Ozeans durch Fischkutter und Verschmutzung beständig mit ansehen muss, hat sich bewusst von seinem menschlichen Dasein gelöst, um als Meereswesen zu existieren. Seine Tochter hingegen sehnt sich nach der Menschwerdung, ein Wunsch, den ihr Vater sinnbildlich zu unterdrücken versucht, indem er Ponyo in ihre Fischgestalt presst. Wie in seinen vergangenen Werken „Nausicaa aus dem Tal der Winde“ und „Prinzessin Mononoke“ erzählt Miyazaki eine feinsinnige Parabel über die Wichtigkeit menschlicher Rücksichtnahme auf die Natur. Fast tötet die Umweltverschmutzung Ponyo, die in einem Treibnetz in ein Marmeladenglas gerät. Gerade in der Notsituation, welche ihr das menschliche Gesicht von seiner rücksichtslosen Seite zeigt, erlebt sie auch dessen fürsorgliche Facette.

Der Ozean wird in Miyazakis hintergründigem Meisterwerk zu einem eigenen Protagonisten, der mit unheimlichen Fischaugen Sosuke anblickt, Rinnsale wie Arme ausstreckt und Wellen in Gestalt gewaltiger Fische an die Küste wirft. Seine Tiefen symbolisieren das Unterbewusstsein, dessen Geheimnisse die Figuren nie ganz ergründen können. Einzig Sosuke und Ponyo wagen den doppeldeutigen Blick unter die Wasseroberfläche, der sie die universellen Zusammenhänge der Natur unterbewusst erkennen lässt. Mit Ponyo, im weiteren Sinne auch Soksukes unerschrockener Mutter und den Bewohnerinnen des Altersheims in dem sie arbeitet, setzt Miyazaki seine Tradition starker weiblicher Figuren fort. Der Meeressturm, den sie erleben, ist der künstlerische und dramatische Höhepunkt des farbenfrohen Trickfilms. Türmen sich die Wasserungetüme am unheimlichsten über Sosuke und seiner Mutter, sieht er auf dem Schaumkamm die fröhliche Ponyo rennen. Sosukes kindlicher Blick erkennt die Naturgewalt gleichzeitig als zerstörerisch und schützend, eine Perspektive, welche die Ponyos zu Beginn spiegelt. Mit seiner zeichnerischen Virtuosität gelingt es Miyazaki, erwachsene Zuschauer wie die jüngsten mit einer intelligenten Handlung voller komplexer Charaktere anzusprechen. Ohne die Handlung zu überfrachten, lässt er darin auch Alltagskonflikte wie die Arbeitsüberforderung von Sosukes Eltern, sein frühes Erwachsenwerden und Verlusterfahrungen einfließen. Sanfte Melancholie, Humor und Zärtlichkeit fließen in „Ponyo auf der Klippe“, so der japanische Originaltitel, zu einem märchenhaften Filmerlebnis von rührender Schönheit zusammen.

Im Rausch des Meeres unvergesslicher Bilder.

von Lida Bach



Ponyo: Yuria Nara
Sosuke: Hiroki Doi
Sosukes Mutter: Tomoko Yamaguchi

Fujimoto: George Tokoro
Granmamare: Yuki Amami
Frau Toki: Kazuko Yoshiyuki

Regie: Hayao Miyazaki | Japan, 2008

Länge: 100 min | FSK: o. A. | Buch: Hayao Miyazaki | Kamera: Atsushi Okui | Szenenbild: Hayao Miyazaki | Musik:Joe Hisaishi | Schnitt: Takeshi Seyama | Produktion: Toshio Suzuki | Studio: Ghibli