Pianomania - Auf der Suche nach dem perfekten Klang


Handlung

Einfache Perfektion ist zu wenig. 88 mal Perfektion verlangen Stefan Knüpfer und seine Klienten. 88 Tasten besitzt ein Piano. Jeder muss der Klavierstimmer Knüpfer einen vollkommenen Ton entlocken. Die weltberühmten Pianisten, mit denen der passionierte Musik-Connaisseur „Auf der Suche nach dem perfekten Klang“ ist, haben ihre persönlichen Wünsche an das für einen Konzertauftritt erkorene Instrument. Dem enthusias-tischen Spiel des chinesischen Star-Pianisten Lang Lang müssen nicht nur die Saiten, sondern auch die Klavierbank standhalten können. Der französische Klaviervirtuose Pierre-Laurent Aimard will Bachs „Kunst der Fuge“ auf einem bestimmten Konzertflügel aufnehmen. Dieses Piano Nr. 109 wird zum geliebten Kontrahenten Stefan Knüpfers im Ringen um akustische Vollkommenheit. Denn künstlerischer Triumph und Scheitern liegen „Auf der Suche nach dem perfekten Klang“ nur eine Tonnuance voneinander entfernt.

Meinung

„Er ist ein -“ Ein Profi, ein Fanatiker, ein verkapptes Genie? Der Künstler, der die Worte begeistert ausruft, findet keinen passenden Ausdruck. Vielleicht ist er ein wenig von allem, Stefan Knüpfer, Cheftechniker und Meisterstimmer des legendären Piano-Herstellers Steinway & Sons. Lilian Franck und Robert Cibis begleiten ihn "Auf der Suche nach dem perfekten Klang" in ihrer ungewöhnlichen Musik-Reportage „Pianomania“. „Die Suche nach dem perfekten Klang ist letztendlich eine Metapher für etwas, das größer ist als das eigene Leben.“, erklärt Co-Regisseurin Lilian Franck im Interview. Diese Faszination beflügelt ihre und Cibis´ auf den ersten Blick nach trockenem Fachsimpeln klingende Kinodokumentation. Leidenschaftlicher Perfektionsimus und absolute Hingabe an das handwerkliche Sujet liegen in den dokumentarischen Szenen, ein nimmermüdes, die Leinwand durchdringendes Tremolo. „Wie eine alte Frau.“, kommentiert Stefan Knüpfer in einer Szene beim Spiel auf einer Geige. Trotz des scherzhaften Untertons in seiner Stimme verraten die beiläufig geäußerten Worte die Intensität der Beziehung zwischen Mensch und Instrument, die in „Pianomania“ ebenso bedeutsam ist wie handwerkliches Geschick. Die Klaviere sind die Geliebten des Stimmmeisters Knüpfer. Jedes besitzt einen eigenen Charakter und eine persönliche Stimmlage. Kein Modell gleicht dem Anderen. Mit einem neuen Piano vertraut zu werden, ist der erste Schritt Knüpfers „Auf der Suche nach dem perfekten Klang“.

Die eigentliche Arbeit, das Stimmen des Klaviers, macht nur einen Teil von Knüpfers Tätigkeit aus. Ob ehrwürdige Grand Dame der Musik oder unerfahrene Neukonstruktion, Knüpfer nähert sich ihnen mit der gleichen Ehrfurcht und Liebe zum Ton. Lang Lang, Brendel und Aimard lauschen dabei mal skeptisch, mal begeistert, immer aber in vollem Glauben an die auditiven Fähigkeiten des Meisterstimmers. Bis der Ton vollkommen ist, bis die perfektionis-tischen Pianisten und der nicht weniger perfektionistische Klavierstimmer zufrieden sind, wird in die Tasten gehauen und auf die Pedale getreten, werden Hebel adjustiert und Saiten gespannt. Geht es dabei buchstäblich um den Millimeter, scheint auch die Kamera in „Pianomania“ vor Anspannung keine Regung zu wagen. Höchste Präzision und Sisyphus-arbeit sind jedoch nur eine Facette der „Pianomania“. In den Konzertsälen, Werkstätten und Studios wird nicht nur andächtig gelauscht, sondern laut gelacht. „Du solltest wirklich deine eigene Show haben!“, bemerkt Lang Lang treffend. Dank „Pianomania“ hat der Mann am Klavier nun seinen eigenen Film.

Der Ton macht die Musik.

von Lida Bach



Mit: Stefan Knüpfer, Pierre-Laurent Aimard, Lang Lang, Alfred Brendel, Till Fellner, Julius Drake, Ian Bostridge

Regie: Lilian Franck | Deutschland, 2009

Länge: 93 min | FSK: ab 6 | Buch: Lilian Franck, Robert Cibis | Kamera: Jerzy Palacz, Robert Cibis | Musik: Matthias Petsche | Schnitt: Michèle Barbin | Produktion: WILDart Film Wien & OVAL Filmemacher GbR Berlin