Once


Handlung

Im modernen Dublin begegnen sich ein Straßenmusiker und eine tschechische Immigrantin. Er ist wieder bei seinem Vater eingezogen, nachdem die Mutter starb, hilft ihm in seinem Elektroladen und frönt in der Fußgängerzone seiner wirklichen Leidenschaft: der Musik. Er schreibt und singt Lieder über seine Ex-Freundin in London, über die er noch nicht hinweg ist. Die Tschechin, die Klavier studiert hat, lebt mit ihrer Mutter und ihrer zweijährigen Tochter in ärmlichen Verhältnissen, muss tagsüber Blumen und Obdachlosenzeitungen verkaufen und putzen gehen, um über die Runden zu kommen. Ihr Ehemann ist nicht nach Irland mitgekommen. Diese Zwei treffen aufeinander und entdecken ihre gemeinsame musikalische Leidenschaft, worauf sich eine tiefe Freundschaft entwickelt. Sie hilft ihm bei der Verwirklichung seiner Träume und er gibt ihr ein Gefühl der Geborgenheit, das sie, seit sie in Irland ist, vermisst hat.


Am Ende trennen sich ihre Wege. Er geht nach London, um sein Glück zu suchen, und sie bleibt mit ihrem eingereisten Ehemann in Dublin. Sein Abschiedsgeschenk an sie ist ein Klavier.


Meinung

Als in Dublin die Plakate zu dem Film aufgehängt wurden, machte sich jemand den Spaß und schrieb vor das O vom Titel ein P, so dass nun „Ponce“ vom Plakat ragte, was man frei mit „prätentiös“ übersetzen kann. Der Schmierer hat den Film mit Sicherheit nicht gesehen, denn „Once“ ist eine simple, lebensnahe und ehrliche Geschichte mit großartiger Musik, die nicht eine Sekunde lang mehr sein möchte, als sie ist. Die irische Independentproduktion erzählt die Geschichte eines Straßenmusikers und einer tschechischen Einwanderin, die sich in den Straßen von Dublin kennenlernen. Glen Hansard, der rothaarige Frontsänger und Gitarrist der irischen Band „The Frames“, spielt ihn und die tschechische Pianistin Markéta Irglová spielt sie. Und beide spielen ihre Musik, dass es die reine Freude ist, ihnen dabei zuzuschauen und -hören.

In einem Instrumentenladen, in den sie gelegentlich zum Klavierspielen geht, kommt es zur ersten musikalischen Begegnung zwischen den beiden (die übrigens den gesamten Film über namenlos bleiben - im Abspann steht lediglich "Guy" und "Girl"). Er stimmt mit seiner Gitarre einen Song an – der später unter dem Titel „Falling Slowly“ einen Oscar gewinnen wird – und sie steigt am Piano und mit zweiter Stimme ein. Schon bald ist klar, dass sich hier zwei Seelenverwandte gesucht und gefunden haben. Alles wird über das Medium der Musik ausgehandelt. Das Ergebnis der spontanen Session ist pure Magie und Garant für Gänsehaut. Voller Gefühl, später mit orgastischer Energie, musizieren die beiden sich die Seele aus dem Leib. Zu der Stimmung trägt auch die soghaft-repetive Struktur des hervorragenden Songs bei, der eindeutig mit Ohrwurmqualitäten ausgestattet ist. Der in dieser Szene hervorgerufene musikalische Zauber bleibt über den gesamten Film erhalten, findet jedoch später keine Entsprechung dieser Intensität mehr.

In dem Wechsel aus Spielszenen und Liedern mutet „Once“ wie ein Musical an, ohne dabei aber in gekünstelte und theatrale Gesten zu verfallen. Außerdem ist die Einbindung der einzelnen Lieder untypisch für das Genre. Die Figuren brechen nicht spontan und völlig unmotiviert in eine Sing-und-Tanz-Nummer aus. „Once“ funktioniert auf einer Spielebene, die logischer und realistischer als die der meisten Musicals ist - ein Straßenmusiker singt nun mal. Auch treiben die Songs nicht die Handlung weiter, sondern sie kommentieren oder illustrieren das Geschehen, ohne großen inszenatorischen Firlefanz, stattdessen mit Tiefsinn und Gefühl. Einen derart gelungenen Versuch, ein modernes Filmmusical zu realisieren, gab es das letzte Mal mit Lars von Triers „Dancer in the Dark“, der zwar anders aber ebenso gut funktionierte.

Auch die Optik von John Carneys Film ist nicht die eines Musicals, sondern gradlinig und unaufgeregt. Mit wackeliger Handkamera gedreht, hat man es fast mit Bildern eines Dogma-Films zu tun. Der pseudo-dokumentarische Stil, der sich daraus ergibt, erzeugt eine Unmittelbarkeit, die uns die Personen näher bringt. Die Kamera begleitet sie durch die Straßen und im Bus, setzt sich mit ihnen an den Tisch und ist Zeuge ihrer kreativen Produktionsprozesse.

Die universelle Leidenschaft zur Musik, die ihnen in einer herzerfrischenden Szene auch ein Kredit bei der Bank verschafft, um Demoaufnahmen in einem Tonstudio zu machen, bildet das Gerüst der Produktion - und das nicht nur innerhalb des Films, sondern auch in den äußeren Rahmenbedingungen. Drehbuchautor und Regisseur John Carney ist passionierter Musiker und war früher Bandkollege von Hansard bei „The Frames“, bevor er sich der Filmerei widmete. Der, der die Band als erstes verlassen hat, hat vermutlich für die größte Aufmerksamkeit für sie gesorgt, beschreibt Hansard die Ironie ihrer Zusammenarbeit. Mittlerweile sind nicht nur die Verkaufszahlen der „The Frames“-Alben in die Höhe geschossen. Aus dem Leinwand-Duo hat sich die erfolgreiche Band „The Swell Season“ formiert, die mit einem „Grammy“ und einem „Oscar for Best Original Song“ im Gepäck durch Europa und die Welt tourt.


Und für alle, die gehofft haben, dass die Zwei am Schluss von „Once“ doch zusammenkommen, liefert das wahre Leben ein alternatives Ende: Glen und Markéta wurden nach der Filmproduktion ein Paar.


"Einmal"-iges musikalisches Filmwunder.

von Markus Wuttke



Guy: Glen Hansard
Girl: Markéta Irglová

Vater von "Guy": Bill Hodnett
Mutter von "Girl": Danuse Ktrestova

Regie: John Carney | Irland, 2006

Länge: 85 min | FSK: o. A. | Buch: John Carney | Kamera: Tim Fleming | Musik: Glen Hansard, Markéta Irglová | Schnitt: Paul Mullen | Produktion: David Collins, Martina Niland