Oh, diese Frauen
Handlung
Jérôme ist ein Schriftsteller auf der Suche nach Inspiration. Der große Frauenliebhaber steckt in einer doppelten Krise: Erstens hat er eine Schreibblockade, und zweitens hat er zwei Frauen gleichzeitig die Heirat versprochen. Um ein neues Buch von ihm zu bekommen, schickt ihn sein Verleger auf eine Reise nach Rom, zusammen mit einer extra für ihn ausgesuchten Sekretärin. Diese soll ihn "heilen" und wird vertraglich dazu verpflichtet, ihm nicht nur als Sekretärin, sondern auch als Frau zur Verfügung zu stehen. Jérôme beginnt seine Lebensgeschichte zu diktieren, die sein neues Buch werden soll; in langen Rückblenden folgt der Film den amourösen Abenteuern seines Lebens. Parallel dazu muss er erleben, dass seine Sekretärin sich nicht richtig in ihn verlieben will, was seiner Männlichkeit gehörig zusetzt.
Natürlich geht dann letzten Endes alles gut aus; Jérôme wird geheilt, er beendet sein Buch, sagt beide Hochzeiten ab und erobert seine Sekretärin.
Meinung
Jean Aurel war Zeit seines Lebens hauptsächlich als Drehbuchautor aktiv, sein bekanntester Film ist "Le Trou" von 1960. In "Oh, diese Frauen" setzt er sich auf den Regiestuhl und überlässt das Drehbuch Cecil Saint-Laurent. Überraschenderweise liegen die Stärken des Films aber eher in der Regie. Aurel setzt weniger auf das Verkaufsargument Brigitte Bardot als auf das Spiel von Maurice Ronet. Ronet, einer der bekanntesten Schauspieler der 50er und 60er Jahre, der viel mit Louis Malle und Claude Chabrol arbeitete und später auch selbst bei zwei Filmen Regie führte, schlägt sich beachtlich in der Rolle als selbstmitleidiger Künstler, der mühelos alle Frauen herumkriegt, aber von seiner Sekretärin zurückgewiesen wird, die ihrerseits Sätze sagen muss wie: "Ich rauche nur in der Dunkelheit, weil mir Tabak eigentlich gar nicht schmeckt."
Das Wechselspiel zwischen zwei Zeitebenen funktioniert eine Zeit lang ganz gut; die Rückblenden sind alle in leicht verwaschenen Farben gehalten und meist mit Handkamera gefilmt. Über den Off-Text von Ronet werden im Super-8-Stil Erinnerungen zusammenmontiert. Irgendwann erschöpft sich die Geschichte aber dann doch, zu sehr wiederholt sich das Muster, und zu absehbar ist der Ausgang der Geschichte.
"Oh, diese Frauen" ist ein Vorgänger von Filmen wie "High Fidelity" und "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", und es ist ein Film, der eindeutig von Männern für Männer gemacht wurde. Die verflossenen Liebschaften von Jérôme dürfen kaum mehr als mit großen, traurigen Augen ihrem Geliebten hinterherblicken, der sie doch immer wieder sitzenlässt. Was damals wohl hauptsächlich über BB funktionierte, funktioniert über die ganze Länge heute leider gar nicht mehr.
Angegilbter Film für Fans von BB.
Jérôme: Maurice Ronet
Sekretärin: Brigitte Bardot
Regie: Jean Aurel | Frankreich, 1969
Länge: 86 min | FSK: ab 16 | Buch: Cecil Saint-Laurent | Kamera: Claude Lecomte, Jean-Marc Ripert | Schnitt: Anne-Marie Cotret | Musik: Luis Fuentès Jr. | Produktion: Raymond Danon

