Nói Albinói
Handlung
Nói ist anders als Andere und passt nicht in das kleine Fischerdorf an der isländischen Küste. Er ist intelligenter als seine Mitschüler, sieht anders aus und hängt anderen Gedanken nach. Sein Leben ist karg und langweilig, voller Fernweh, das er noch nicht einzuordnen weiß. Erst die neue Tankstellenkassiererin Iris aus der Hauptstadt Reykjavik bringt frischen Wind in sein trostloses Leben und ihn auf den Gedanken, das kleine Dorf zu verlassen und weit weg zu reisen.
Doch seine Pläne scheitern am Geld, an den Menschen seiner Umgebung, bis eine Schneelawine sie alle in den Tod reißt, alle bis auf ihn.
Meinung
„Nói Albinói“ ist ein ruhig erzählter, langsamer Film mit allerlei isländischen Eigenheiten, der sich auf keine genaue Zeit festlegt. Er zeigt uns eine karge, kalte Welt mit einem Hauptdarsteller voller Fernweh nach Wärme, einem Außenseiter in jeder Hinsicht. Regisseur Dagur Kári verzichtet auf Primärfarben und zeigt uns in blau-grünen Bildern ohne viele Worte Melancholie pur, immer wieder unterstützt durch den Herz erweichend traurigen Soundtrack. Doch zwischen Kälte und Trostlosigkeit findet sich immer wieder ein feiner, trockener, absurder, manchmal kaum zu erkennender Humor, der uns für einen kurzen Moment aus der unzufriedenen Tiefe von Nóis Seele heraus reißt, das Gefühl seiner Beengtheit in dem kleinen Dorf vergessen lässt. Auf Grund Nóis räumlicher und geistiger Platzangst wurden für den Film die Tonaufnahmen bewusst überwiegend mono aufgenommen, um sein geschlossenes Universum zu verdeutlichen. Die neue Kassiererin Iris erscheint wie ein Lichtblick in Nóis Leben, kann seine hohen Erwartungen und Träume aber nicht erfüllen. Und auch wir Zuschauer sind enttäuscht, haben selbst auf eine positive Wendung auf Grund dieser Beziehung gehofft.
Das tragische Ende kommt überraschend, die Tod bringende Lawine ist einfach und klar inszeniert. Der Film lässt mit der Lawine alle Menschen, die mit Nói in einer Verbindung standen, unter den Schneemassen verschwinden. So grausam kann doch kein Film enden, denken wir uns, doch für Nói sind die Tode aller seiner Mitmenschen auch eine makabere Befreiung und die Chance auf ein Leben außerhalb der Isolation des Dorfes. Bleibt die Frage an Regisseur und Drehbuchautor Dagur Kári, warum er es Nói nicht aus eigener Kraft hat schaffen lassen, der Einöde zu entfliehen.
Melancholie pur.
Zur nächsten Filmkritik: Die Unberührbare
Nói: Tómas Lemarquis
Nóis Vater: Thröstur Leó Gunnarsson
Iris: Elín Hansdóttir
Nóis Oma: Anna Fridriksdóttir
Regie: Dagur Kári | Island, 2003
Länge: 88 min | FSK: ab 12 | Buch: Dagur Kári | Kamera: Rasmus Videbaeck | Ton: Kjartan Kjartansson | Szenenbild: Jón Steinar Ragnarson | Schnitt: Daniel Dencik | Musik: Slow Blow | Produktion: Essential, M&M Produktion
