New Town Killers
Handlung
Zwei-Klassen-Gesellschaft in Edinburgh: Der arbeitslose Sean muss im suburbanen Teil der Stadt mit Reihenhäusern, sozialen Brennpunkten und der Drogen- und Clubkultur ums nackte Überleben kämpfen. Er wohnt nach dem Tod der Eltern zusammen mit seiner Schwester Alice in einem kleinen Apartment und schlägt sich einigermaßen durch – doch es stellt sich heraus, dass Alice schwanger und hochverschuldet ist. Zwei aalglatte Banker machen Sean ein Angebot: 12.000 Pfund, Alice' Schulden, plus weitere 11.000, wenn er ein „Hide and Seek“-Spiel gegen die beiden gewinnt. Sean hat keine Wahl – seine Gegner haben allerdings nicht vor, ihm große Chancen einzuräumen.
Meinung
„New Town Killers“ ist im Aufbau recht konventionell gehalten, der sozialkritische Unterton ist plakativ, aber glücklicherweise nicht all zu aufdringlich. Zu Beginn des Films werden die Charaktere eingeführt und die prekäre Situation von Alice und Sean dargestellt: Sean steht kurz davor, sich als Stricher verdienen zu müssen, und schlägt sich mit seinem Buddy Sam mehr schlecht als recht durch den Alltag. Dann geht die große Hatz durch Edinburgh los, die sicher nicht viel Neues zu bieten hat, dem Zuschauer aber dennoch routiniert abgespielt und durch den stimmigen Score wirkungsvoll-treibend in Szene gesetzt wird. Die „Bad Bank“-Message zur aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise kommt nicht über ein simples Schema - die bösen Reichen treiben mit dem niederen Fußvolk zum bloßen Vergnügen perfide Spielchen - hinaus. Das ist ziemlich unsubtil, aber im Handlungsverlauf marginalisiert sich diese simple Botschaft zum Anlass des „Millionenspiels“ und räumt Dougray Scott als rohen Investmentbänker Alistair Raskolnikov Raum für eine starke Charakterdarstellung ein. Der Suspense, der Thrill der Menschenjagd, weicht dem rein nihilistischen Selbstzweck: Es gibt keine Gründe für die immer ausartenderen Folterungen im Laufe des Geschehens, der Banker Alistair verliert die Kontrolle über sein selbstinszeniertes Spiel – er nutzt seine Macht nur „weil er es eben kann“.
Scotts Darstellung in der Rolle des gnadenlosen Bankers gibt dem Film seine stärksten Szenen, auf anderer Ebene verschenkt der Film diese allerdings. Die Aufnahmen vom urbanen Edinburgh sind mitreißend, der Kontrast von dem „Turbonegro“-Konzert zu den Vorgärten im Upper-Class-Viertel „Newtown“ gut inszeniert. Jedoch bleibt die Hatz, um die sich der ganze Film dreht, leider beim Bewährten und verzichtet auf innovative Einfälle und leistet somit keinen wirklichen Beitrag, das Genre zu bereichern. Richard Jobsen liefert damit in letzter Konsequenz solide Kost und hält sich von höheren Ansprüchen fern.
Am Ende hat der Underdog das bessere Ende für sich. Er schafft es, die Daten von Alistairs früheren Hide-And-Seek-Spielen an alle Kontakte zu verschicken, und somit sein Doppelleben aufzudecken.
Konventionelles Katz-und-Maus-Spiel.
Sean Macdonald: James Anthony Pearson
Alice Kelly: Liz White
Alistair Raskolnikov: Dougray Scott
Jamie Stewart: Alastair Mackenzie
Sam: Charles Mnene
Regie: Richard Jobson | Großbritannien, 2008
Länge: 97 min | FSK: ab 16 | Buch: Richard Jobson | Kamera: Simon Dennis | Szenenbild: Andy Drummond | Schnitt: Steven Sander | Produktion: Luc Roeg

