Nackt
Handlung
Drei Paare treffen sich zum gemeinsamen Dinner. Das Gastgeberpaar Charlotte und Dylon hat sich, seit Dylon das große Geld gemacht hat, zunehmend entfremdet. Emila und Boris haben sich gerade getrennt und leiden darunter. Einzig Annette und Felix sind noch glücklich in ihrer Beziehung und glauben an die große Liebe. Aus einer Wette entsteht ein Partyspiel: Die Paare sollen mit verbundenen Augen die nackten Körper der Anderen berühren und blind den eigenen Partner erkennen.
Während das Gastgeberpaar und die immer noch sehr verliebten Annette und Felix sich blind zu ertasten versuchen, schauen Emilia und Boris zu. Die Paare erkennen sich tatsächlich. Doch um ihren Wetteinsatz nicht zu verlieren, lügen Emilia und Boris ihre Freunde an, und sagen, dass sie den falschen Partner ertastet hätten. Das sorgt für enormen Zündstoff und bringt alle Paare zu einer Aussprache über sich und ihre Beziehung.
Meinung
In „Nackt“ geht die Regisseurin Doris Dörrie verschieden Gefühlstheorien nach, untersucht sie, lässt durch ihre Protagonisten im Film über sie diskutieren. Es geht um Nähe und Fremdheit, um Liebe und Geld, und auch um Eifersucht. Die unglückliche Charlotte stellt beim Essen die Frage nach dem Glück, wer es besitzt, wann es das letzte Mal gespürt wurde, denn in „Nackt“ wird auf die Grundfragen des Lebens eingegangen. Dabei werden die Charaktere glaubhaft und genau beschrieben und von den Schauspielern gekonnt interpretiert. Einzig an der Glaubwürdigkeit von Mehmet Kurtulus in der Rolle des Dylons zweifeln wir manches Mal ein wenig.
Die guten, tiefgründigen Dialoge sind schnell ineinander geschnitten, was dem dialoglastigen Film Tempo gibt und den Spannungsbogen erhält. Das Szenenbild ist extrem ausgefeilt und so setzen Dörrie und ihr Kameramann Frank Griebe in Charlottes und Dylons futuristischer Villa sehr grafische Einstellungen um, geben jedem Paar eine Farbtemperatur. Der Film ist permanent mit Musik untermalt, wir hören Saxophon und Schlagzeug, es klingt fast wie das Gedudel im Kaufhaus, und es überrascht, dass es nicht zu nerven beginnt. Unterbrochen werden die musikalischen Flächen nur, wenn die männlichen Hauptdarsteller zu singen anfangen. Sie singen Lieder, über sich und die Liebe, und auch das wirkt stimmig.
Echte Gefühle in Designer-Optik.
Zur nächsten Filmkritik: A hole in my heart
Emilia: Heike Makatsch
Felix: Benno Fürmann
Annette: Alexandra Maria Lara
Boris: Jürgen Vogel
Charlotte: Nina Hoss
Dylan: Mehmet Kurtulus
Regie: Doris Dörrie | Deutschland, 2002
Länge: 97 min | FSK: ab 12 | Buch: Doris Dörrie | Kamera: Frank Griebe | Ton: Chris Price | Szenenbild: Bernd Lepel | Schnitt: Inez Regnier, Frank Müller | Musik: Ivan Hajek, Liquid Loop | Produktion: Constantin Film, Bernd Eichinger Produktion
