Nachtgestalten

Handlung

Eine Nacht im Berlin der Neunziger. Die Obdachlose Hanna findet 100 Mark in ihrer Sammelschatulle. Zusammen mit ihrem Freund Victor will sie sich einen schönen Abend mit Taxi, Restaurantbesuch und Hotel machen, doch das gestaltet sich als gar nicht so einfach. Währenddessen kommt Bauer Jochen in die große Stadt, um mal ordentlich einen drauf zumachen. Auf dem Berliner Straßenstrich lernt er die junge Prostituierte Patty kennen und zieht mit ihr durch die Nacht. Gleichzeitig kommt der kleine Feliz am Flughafen aus Angola an, doch niemand ist da, um ihn abzuholen. Nur Karrieretyp Peschke nimmt sich seiner an und sucht im nächtlichen Berlin nach seinen Angehörigen.

Meinung

„Nachtgestalten“ führt uns mit seinen Protagonisten durch die nächtliche Großstadt und zeigt uns ein Berlin aus der Sicht von unten. Dabei verknüpft der Film geschickt die sechs Figuren mit ihren drei Haupthandlungssträngen miteinander, lässt sie ineinander übergehen, so dass die Leben und Handlungen aller Figuren miteinander verwoben sind und Beziehungen zueinander entstehen. Selbst die Nebenfiguren und -handlungen sind liebevoll in das kunstvolle Geflecht integriert und tauchen immer wieder auf. So entsteht durch die immer gleichen auftauchenden Gesichter ein vertrautes Gefühl, und die Erkenntnis, dass Alles in der Welt immer irgendwie zusammenhängt.

Jungregisseur Andreas Dresen zeigt uns in seinem sehr realitätsnah inszenierten Film soziale Kontraste und das mit einem ganz anderen Blickwinkel auf die Menschen. Geholfen haben ihm dabei die bis in die kleinsten Nebenrollen ausgezeichnet besetzten Darsteller, die überzeugen und ein glaubwürdiges Bild ihres Milieus vermitteln. Dieses Milieu der unteren sozialen Schicht Berlins wird durch den derben, schmutzigen Look des Filmes noch unterstrichen, wir sehen überstrahlendes Weiß, viel blau, starke Kontraste, insgesamt ausgeblichen und farbentsättigt. Für die überwiegenden Nachtaufnahmen musste ein sehr empfindliches Filmmaterial benutzt werden, das dem Film einen sehr körnigen Look gibt und die Härte des Inhalts unterstreicht. Auch die manchmal hektische Handkamera passt genau zu der Stimmung des Films, wir sind sehr nah an den Figuren, folgen ihnen und erleben durch sie die unterschiedlichen Orte der Stadt. Und trotz seiner Härte und manchmal Schwere bietet der Film immer wieder heitere und wirklich komische Momente, insgesamt ein ungemein rührender und lebendiger Film.


Am Ende der Nacht finden die Paare endlich zusammen. Doch was in der Nacht noch harmonisch wirkt, verliert bei Tageslicht fast schon wieder seinen Reiz, aber eben doch nur fast.


Blick auf die Nachtseite der Gesellschaft.


Zur nächsten Filmkritik: Hunger auf Leben


Hanna: Meriam Abbas
Victor: Dominique Horwitz
Jochen: Oliver Breite (als Oliver Bäßler)

Patty: Susanne Bormann
Peschke: Michael Gwisdek
Feliz: Ricardo Valentim

Regie: Andreas Dresen | Deutschland, 1999

Länge: 99 min | FSK: ab 12 | Buch: Andreas Dresen | Kamera: Andreas Höfer | Ton: Peter Schmidt | Szenenbild: Claudia Jafke | Schnitt: Monika Schindler | Musik: Cathrin Pfeifer, Rainer Rohloff | Produktion: Peter Rommel Productions


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