My Name is Khan


Handlung

„Mein Name ist Khan. Ich bin kein Terrorist.“, will der muslimische Inder Rizvan Khan dem amerikanischen Präsidenten sagen. In San Francisco hat der am Asperger-Syndrom leidende Rizvan mit der alleinerziehenden Mutter Mandira sein Glück gefunden. Nach den Anschlägen des 11. Septembers schlägt Rizvan und seiner neuen Familie auf Grund ihres arabischen Nachnamens plötzlich Hass entgegen. Ein tragischer Schicksalsschlag droht, die Ehe Rizvans und Mandiras zu zerstören. In seiner Ratlosigkeit bricht Rizvan mit seiner Botschaft zum Präsidenten der Vereinigten Staaten auf. George W. Bush hat allerdings kaum ein Herz für Liebesnarren wie Rizvan. Aber die Zeiten ändern sich in den USA. Kann Rizvan mit der unglaublichen Aktion doch noch die Liebe Mandiras zurückgewinnen?

Meinung

In einer frühen Szene erklärt Rizvans Mutter ihm die Gesellschaft anhand von Strichmännchen. Die halten für den Jungen entweder einen Knüppel oder einen Lolli in der Hand. Betrachtet man Karan Johars Liebesdrama als modernes Märchen eines reinen Toren, der die schöne Prinzessin gewinnt, mag es leichter sein, die stereotype Schönfärberei des rührseligen Melodrams zu akzeptieren. Der indische Superstar Shah Rukh Khan chargiert stirnrunzelnd und tollpatischig guckend als unbedarfter Held in einer Welt, in der reiche weiße Amerikaner indische Muslime in die Villengegend einladen, nach Unglücken Lichterketten angezündet und von jedem ein paar Tausender gespendet werden und man nur auf die Sonnenseite des Lebens gucken muss, damit alles gut wird. „Es gibt nur zwei Arten von Menschen auf der Welt. Gute Menschen und böse Menschen. Keine anderen Unterschiede.“, behauptet Rizvans Mutter, deren Lektion der Sohn im Laufe der Handlung mehrfach wiederholt. Was der indische Erfolgsregisseur Johar als Unvoreingenommenheit verstanden wissen will, ist primitive Schwarz-Weiß-Charakterisierung. Psychologische Abstufungen exisitieren in „My Name is Khan“ nicht. Wer dergleichen sucht, ist ein kaltblütiger Verfechter von Vorurteilen. Statt Voreingenommenheit entgegen zu wirken, befördert sie die in ihrer farbenfrohen Dumpfheit an ein schlechtes Kinderbuch erinnerde Romanze. Die abgeschmackte Toleranzmaskerade suggeriert, man könne über den Charakter jedes Menschen ein absolutes Urteil fällen.

„Ich bin ein guter Mensch. Ich tue gute Dinge.“, erklärt Rizvan, damit auch der letzte kapiert, dass der in den Anfangsszenen so finster ausgeleuchtete Hauptdarsteller kein Schurke ist. Aufällig verhält er sich in bestimmten Situationen, weil er am Asperger-Syndrom leidet. Nach Hollywood hat nun auch Bollywood die leichtere Ausprägung von Autismus für sich entdeckt. Hier zeigt sich, dass es Jahar mit der Gleichheit doch nicht so genau nimmt: Rizvans Schwägerin betont stolz, er sei „besser als die meisten Menschen mit Asperger-Syndrom.“ Das geistige Handicap wird zudem durch eine Hochbegabung kompensiert. Maxiaml zehn Prozent der Autisten haben dieses sogenannte Savant-Syndrom in der Realität. Im Kino scheint das Mengenverhältnis umgekehrt zu sein. Selbstverständlich zählt Rizvan zu den Auserwählten und kann dank außergewöhnlicher mechanischer Fähigkeiten „fast alles“ reparieren. So ist absehbar, dass er auch seine Ehe wieder flott machen wird. „Wir wollten ihm keine Behinderung oder ein Gebrechen geben.“, erklärt Drehbuchautorin Shibani Bathija. Jemand mit Asperger-Syndrom sei „vielleicht sogar intelligenter als die meisten atypischen Menschen.“ Behinderung deluxe. Darüber darf im Kino ruhigen Gewissens gelacht werden. Der scheinbar harmlose Humor des Liebesfilms beschränkt sich unangenehmen auf Rizvans Behinderung.

In der Hochzeitsnacht sitzt das Paar vollbekleidet auf dem Ehebett. Rizvan hält einen Sexualratgeber frontal in die Kamera und erklärt, darin habe er nachgelesen, wie das geht. In solchen selbst tumbe TV-Comedy unterbietenden Szenen fehlt nur noch das aufgesetzte Lachen vom Tonband. Gegenüber Jahars Holzhammerinszenierung würde es wie ein subtiles Stilmittel wirken. In einer weiteren Szene will Mandira ein Rocher essen. Rizvan erinnert sie mit aufgeblähten Backen daran, wie sie aussehen könnte, wenn sie zu viele der Goldknisterpapier-Dinger nascht. Ich geb´ mir die Kugel, denkt sich Mandira, vermutlich ansgesichts der peinlichen Unkomik. 'Aber nicht allein!', möchte man in ihre mantraartigen Selbstmorddrohungen einstimmen und zwar keineswegs scherzhaft angesichts des in seiner anbiedernden Lobhuldelei schlicht peinlichen Endes. Schlechte Menschen machen schlechte Sachen? Nach der filmischen Moral wäre Johar ein ganz schlechter.

Weit weg vom intelligenten Kino.

von Lida Bach



Rizvan Khan: Shah Rukh Khan
Mandira: Kajol Devgan

Kathy Baker: Steffany Huckaby
Barack Obama: Christopher B. Duncan

Regie: Karan Johar | Indien, 2010

Länge: 126 min | FSK: ab 6 | Buch: Shibani Bathija | Kamera: Ravi K. Chandran | Szenenbild: Sharmishtan Roy | Musik: Shankar Ehsaan Loy | Schnitt: Deepa Bhatia | Produktion: Hiroo Yash Johar, Gauri Khan