Mein wunderbarer Waschsalon


Handlung

Der junge Pakistani Omar lebt in London bei seinem alkoholkranken und desillusionierten Vater, welcher einst in seinem Land ein anerkannter und erfolgreicher sozialistischer Journalist war. Um die Zeit bis zu dem für Omar vorgesehenen Studium zu überbrücken, verschafft ihm sein Vater eine Stelle als Auto-wäscher in der Werkstatt seines Onkels. Schnell steigt der gut aussehende und ehrgeizige Omar in der Gunst des Onkels Nasser und bekommt von diesem die Leitung für einen herunterge-kommenen Waschsalon übertragen. Bald durchschaut Omar die durchtriebenen Spielchen in der Familie seines Onkels: Der Geschäftspartner Salim tätigt nebenbei Drogengeschäfte, die von der scheinbaren Familienidylle gelangweilte Cousine Omars, Tanja, welche ihm alsbald zur Frau versprochen wird, und nicht zuletzt die Liason zwischen Nasser und der Engländerin Rachel, welche die Familie langsam spaltet. Omar holt sich Hilfe bei seinem ehemaligen Schulfreund Johnny und zusammen gelingt es ihnen, den Waschsalon zu einem der modernsten und schillernsten Geschäfte der Gegend umzubauen. Dabei verstrickt sich Omar nicht nur immer tiefer in den Zwistigkeiten und illegalen Geschäften der Familie, zwischen Johnny und Omar entwickelt sich auch eine Liebesbeziehung. Doch schnell holt die beiden die Realität ein: Johnny gehörte zu einer Gruppe von Ausländerfeinden, welche die Freundschaft zu einem Pakistani missbilligen. So setzen sie alles daran, Johnny und Omar wieder zu entzweien und bald eskaliert die Situation.

Meinung

„Mein wunderbarer Waschsalon“ ist eine Art Plädoyer für mehr Toleranz und Gleichbe-rechtigung in der Gesellschaft, gegen Ausländerfeindlicheit und für Akzeptanz von Homo-sexualität. Eine gesunde Portion britischen Humors wechselt sich mit feinfühligen Darstellungen sozialer Spannungen ab. Regisseur Stephen Frears machte es sich schon früh zur Aufgabe, gesellschaftliche Tabus zu brechen und auf soziale Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. „Mein wunderbarer Waschsalon“ von 1985 ist sein erster Film der weit über die Grenzen Großbritanniens bekannt wurde. Inzwischen schwankt Frears zwischen kleinen, persönlichen Produktionen und großem Hollywood-Kino mit Starbesetzung. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören „Hi-Lo Country – Im Land der letzten Cowboys“ der 1999 den Silbernen Bären für die beste Regie gewann und natürlich das oscarnominierte Werk über Elizabeth II. „The Queen“ von 2006.

Das Drama „Mein wunderbarer Waschsalon“ basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Hanif Kureishi, welcher für das Drehbuch 1987 für einen Oscar nominiert wurde. Kureishi selber wurde als Sohn eines Pakistaners und einer Engländerin geboren und wuchs in der Nähe von London auf, was einige Parallelen zu dem Charakter von Omar aufweist und zum Teil auf persönliche Erfahrungen schließen lässt. Die Handlung selbst weist teilweise dramaturgische Lücken auf und lässt zu viele Begebenheiten nur angedeutet, so dass der Zuschauer gezwun-gen ist, die Löcher verwirrt selber zu schließen. So kann man nur ahnen, dass die Tochter von Nasser, Tanja, sich in den homosexuellen Johnny verliebt und aus diesem Grund die Heirat mit Omar verweigert. Positiv zu erwähnen sind jedoch die schauspielerischen Leistungen der einzelnen Charaktere. Allen voran ein zu dem Zeitpunkt noch unbekannter Daniel Day-Lewis, der vor allem mit „Mein linker Fuß“ von 1989 weltweite Beachtung und zahlreiche Auszeich-nungen erhielt. Besonders die Szenen zwischen Johnny und Omar, alias Daniel Day-Lewis und Gordon Warnecke, entwickeln eine enorme Spannung, welche ungefiltert auf den Zuschauer übertragen wird. So kann man sagen, dass „Mein wunderbarer Waschsalon“ ein, besonders für einen Low Budget Film, gelungenes Werk mit starken Charakteren ist, die über manche Ungereimtheiten im Drehbuch hinwegsehen lassen.

Soziale Satire mit bissigem Humor.

von Moana Flamme



Omar: Gordon Warnecke
Papa: Roshan Seth
Nasser: Saeed Jaffrey
Salim: Derrick Branche

Tania: Rita Wolf
Rachel: Shirley Anne Field
Johnny: Daniel Day-Lewis

Regie: Stephen Frears | Großbritannien, 1985

Länge: 93 min | FSK: ab 16 | Buch: Hanif Kureishi | Kamera: Oliver Stapleton | Szenenbild: Hugo Luczyc Wyhowski | Schnitt: Nick Audsley | Musik: Ludus Tonali | Produktion: Tim Bevan, Sarah Radclyffe