Marcello, Marcello
Handlung
„Das Schicksal hat mir eine Falle gestellt. Es zwang mich, dass zu tun, was ich nie tun wollte.“, klagt der junge Marcello, der als Fischersohn 1956 auf der italienischen Insel Amatrello lebt. Er ist in die schöne Elena verliebt, die nach einem Brauch an ihrem 18. Geburtstag mit dem Jungen ausgehen muss, der bei ihrem Vater mit dem besten Geschenk um sie wirbt. Wie Marcellos getrennt lebende Eltern entdecken die meisten so entstandenen Paare später, dass sie nicht zueinander passen. Aus Liebe zu Elena will Marcello dem Brauch dennoch folgen und den reichen Armando und die Konkurrenz besiegen. Das perfekte Geschenk, auf das Marcello aus ist, will dessen Eigentümer jedoch nicht so einfach herausgeben. Um dennoch daran zu gelangen, lässt sich Marcello auf eine Reihe kurioser Tauschgeschäfte ein. Bald ist ganz Amatrello in Aufruhr.
Meinung
Ein Aufsatz über Liebe und Hass, den der verliebte Held schreiben soll, bildet den Rahmen der Haupthandlung. Aus cineastischer Sicht bewertet, verdient Marcellos Schularbeit eine sechs. Alles abgeschrieben, abgesehen von ein paar zusammengesuchten Klischees. „Quantität bedeutet nicht gleich Qualität.“, mahnt der Lehrer Marcello. Regisseur Denis Rabaglia hat dies vor Drehbeginn seines um Gefälligkeit bemühten Liebesfilms nicht bedacht. „Marcello, Marcello“ übertreibt seine unglaubwürdige Handlung so sehr wie Lokalkolorit und Charaktere. Das Figurenensemble könnte aus einem Bastelbogen für Kinder ausgeschnitten sein, so papierdünn und eindimensional ist es. Ein kauziger Pfarrer, ein fetter Fleischer mit Glatze, der hagere Frisör, zwei von ihren Liebhabern sitzen gelassene alte Jungfern und ein Haufen liebestoller Ragazzi. Nur für Mamma Miraculi, die mit ihrer Gewürzmischung Spaghetti kocht, hat die Zeit nicht gereicht. Dass die Insel Amatrello, in deren Namen das Wort 'amore' bereits anklingt, von lauter Don Camillos und Peppones bevölkert ist, verwundert wenig. Der sich als italienisches Romantikmärchen tarnende Film ist eine schweizerisch-deutsche Co-Produktion, basierend auf Mark David Hatwoods Roman „Marcello´s Date“. Das klingt ein wenig nach „Date Night“ oder „Love Story“ - jedenfalls nicht nach romantica und amore. Keines von beidem existiert auf der fiktiven Insel. Marcellos „Lauf der Liebe“, wie der deutsche Titel die Romanvorlage umtaufte, geht stets um den gleichen Häuserblock. Wer es vor Langeweile im Kino nicht mehr aushält, kann „zähle die Aufnahmen vom rosa Haus“ spielen. Arme Fischer tragen nagelneue Kleidung, die am Saum stilecht ausgefranst ist. Die Ränder der farbfrischen Plakate an den Hauswänden sind sorgfältig eingerissen. Die Straßen hat die Filmcrew anscheinend vor jeder Einstellung persönlich gefegt. Das gesamte Szenenbild wirkt auf Grund solcher Nachlässigkeiten so authentisch wie die maschinell geschneiderten Fransen an einem Piratenkostüm für den Kinderfasching.
Der Ort erinnert an die fiktiven italienischen Städtchen aus einer alten Spülmittelwerbung, die gigantische Pfannengerichte zubereiteten. Während in Villariba noch geputzt wird und in Villabacho schon gefeiert, wird auf Amatrello gestritten. Wie unglücklich die Tradition des Geburtstagswerbens die Paare auf der Insel gemacht habe, betont Marcello mehrfach. Doch nicht einmal 1956 führte eine Verabredung von Junge und Mädchen zwangsläufig zur Ehe. Der vorgeblich kritisierte Traditionsgehorsam wird unterschwellig bestätigt. Armando, der als einziger Werbender seine Begleiterinnen nicht heiratet, ist der negativste Charakter. Für Elena begeistert sich Marcello auf Grund deren Schönheit, ohne sie überhaupt zu kennen. Dass seine Auserwählte die Richtige für den Bund fürs Leben ist, stellt die Romantikkomödie als gegeben dar. Statt sich nur bei ihrem Vater einzuschmeicheln, gewinnt er sie durch Bestehen einer Prüfung; archaisch wie im Mittelalter. Seine Tauschhandel unterstreichen Materialismus als Weg zu Glück und Liebe. „Es gibt Dinge, die man nicht kaufen kann.“, behauptet Marcello. Wohl war, Kinokarten zum Beispiel. Besonders für Filme wie „Marcello, Marcello“.
Langwieriger Liebeswettlauf im Bilderbuch-Italien.
Marcello: Francesco Mistichelli
Elena: Elena del Ponte
Armando: Alfio Alessi
Diego: Luca Sepe
Regie: Denis Rabaglia | Deutschland, Schweiz, 2008
Länge: 97 min | FSK: ab 6 | Buch: Mark David Hatwood | Kamera: Filip Zumbrunn | Szenenbild:Andi Schrämli | Schnitt: Claudia Di Mauro | Produktion: Martin Hagemann, Anne Walser

