Lila, Lila


Handlung

Gestern war David noch Kellner, jetzt ist er "einer der bedeutensten Schriftsteller der Nachkriegszeit", ein Literaturstar, der seinen ersten Roman geschrieben hat. Abgeschrieben trifft es besser, denn sein Buch "Lila, Lila" ist ein Plagiat. Ein literarisches Wunderkind ist der schüchterne Eigenbrötler nur auf dem Papier. Das Manuskript seines Erfolgsromans hat er in einem Nachttisch vom Flohmarkt gefunden. Um Literaturstudentin Marie zu beeindrucken, gibt David sich vor ihr als Autor des Liebesromans aus. Marie schickt das vermeintliche Debüt des Jungschriftstellers an einen Verlag. Der ist so begeistert wie kurze Zeit später die Öffentlichkeit. Über Nacht avanciert Daniel zum Star. Mehr als der Ruhm bedeutet ihm die Romanze mit Marie, doch die scheint mehr in den Schriftsteller als den Menschen David verliebt zu sein. Da taucht der schmierige Jacky auf und stellt sich David als der wahre Autor von "Lila, Lila" vor. Aus Angst enttarnt zu werden und Marie zu verlieren, lässt sich David von Jacky erpressen.

Meinung

"Noch vor ein paar Monaten hat sich niemand für mich interessiert. Und zwar gar niemand.", sagt David, der sich in der dramatisch angehauchten Liebesgeschichte nach Martin Sutners Erfolgsroman "Lila, Lila" die Liebe Hannah Herzsprungs und literarischen Ruhm erschwindelt. Weniger als niemand? Bei einem so faden Charakter wie David scheint es möglich. Undenkbar – ganz und gar undenkbar – ist, dass Davids Schwindel niemandem auffällt. Über den Inhalt von "Lila, Lila" gerät er ins Stocken und einfache Fremdworte wie "Rendezvous" kann er nicht aussprechen. Den Titel des in den fünfziger Jahren spielenden Manuskripts muss David auf Verlagswillen von "Sophie, Sophie" in "Lila, Lila" ändern. Dabei war der Name vor der Anakin-Luca-Kopernikus und Emily-Bijou-Rosenfee-Namenswelle höchstens in der Farbpalette eines Tuschkastens üblich. Doch Satire gelingt in Gsponers Romanverfilmung "Lila, Lila" so wenig wie eine schlüssige Handlung. Unsicher schlingert "Lila, Lila" zwischen Liebesfilm, Tragikkomödie und Krimi hin und her. Die literarische Vorlage wird mitunter sogar dem Thriller zugerechnet. Auf Thrills, seien sie psychologisch oder romantisch, wartet man vergebens. Henry Hübchens schmarotzender Jacky wirkt lästig statt bedrohlich. Bevor er einen Beweis für seine angebliche Autorenschaft vorgelegt hat, glaubt David Jackys Behauptung, der wahre Verfasser von "Lila, Lila" zu sein. Wie der windige Geschäftemacher Jacky als selbst ernannter Agent des vermeintlichen Jungschriftstellers auftritt, ist so weit von der Realität entfernt, wie der Rest der überkonstruierten Handlung. "Er hat sich selber irgendwie..." - Ja, wie eigentlich? Um jemanden offiziell als Agenten zu vertreten, reicht es nicht, ihn laut beim Vornamen zu rufen, während man sich noch ein Appetithäppchen vom Buffet schnappt.

Seine Nebenfigur macht Hübchen zur einzig interessanten Filmgestalt in dem blassen Ensemble. Papierdünn waren die Charaktere schon in Martin Sutners Romanerfolg "Lila, Lila". In seiner Drehbuchadaption ändert Alexander Buresch daran nichts. Während Hübchen und Brühl sich darstellerisch passabel durch die längliche Handlung retten, enttäuscht Hannah Herzsprung nach ihrer flachen Darstellung in "Pink" ein weiteres mal. Ihre Liebe zu David wirkt gekünstelt. Marie ist ein Schriftsteller-Groupie, dass sich zuvor an andere Autoren hängt. Als David mit der Romanveröffentlichung zögert, droht sie, ihn zu verlassen. Berechnend drängt sie sich als Davids Sprecherin in den Vordergrund. Plündert Jacky im Schlepptau des Literaturstars Sekttabletts und lässt sich von ihm Geld zustecken, wirkt das im Vergleich zu Maries Gefühlskälte harmlos. Anders als Marie ist der Schmarotzer Jacky da, wenn David verzweifelt ist. Marie hingegen verabscheut ihn als Konkurrenten. "Der will dich fressen.", warnt sie David. Und für so viele Geld- und Ruhmhungrige reicht der Brocken David nicht. Davids Karriere wird von Marie und Jacky gelenkt. Er selbst hat nichts zu sagen. Spannungssteigernd setzt "Lila, Lila" Davids drohenden Kontrollverlust nicht ein.

"Filmrechte! Im Film steckt die Kohle." Recht hat Jacky. Wie der namensgleiche Roman des Films wird Sutners "Lila, Lila" vermarktet. Zu einer hintergründigen Satire des kommerzialisierten Literaturbetriebs fehlt "Lila, Lila" jedoch das Feingefühl. Außer der mäßig prominenetne Darstellerriege und dem Titel der literarischen Vorlage hat die komödiantische Liebesgeschichte nichts vorzuweisen. Doch Inhalt interessiert in "Lila, Lila" keinen. "Wenn erst einmal der Name draufsteht, ist es sowieso Literatur." sagt Jacky. Oder Kino.

Alles nur geklaut.

von Lida Bach



David: Daniel Brühl
Marie: Hannah Herzsprung
Jacky: Henry Hübchen

Davids Agentin: Kirsten Block
Verleger: Alexander Khuon

Regie: Aliin Gsponer | Deutschland, 2009

Länge: 108 min | FSK: ab 6 | Buch: Alex Buresch | Kamera: Matthias Fleischer | Szenenbild: Udo Kramer | Schnitt: Barbara Gies | Musik: Max Richter | Produktion: Thomas Sterchi