Knallhart
Handlung
Michael lebt in einer schicken Villa in Berlin-Zehlendorf bei dem reichen Freund seiner Mutter. Als dieser sie aus der Wohnung wirft, ziehen er und seine Mutter nach Neukölln. An der neuen Schule findet Michael in Crille und seinem kleinen Bruder neue Freunde, wird aber gleichzeitig von Erol und seiner Gang bedroht, die ihn abziehen, verprügeln und demütigen. Als er beginnt, sich zu wehren, gewinnt er den Respekt von Hamal, dem führenden Drogenlieferanten des Viertels, und steigt bei ihm zum Kurier auf. Ihn an zufassen, traut sich nun keiner mehr.
Doch als Erol und seine Gang Michaels Rucksack samt 80.000 Euro Drogengeld auf eine abfahrende U-Bahn werfen, fordert Drogenlieferant Hamal Vergeltung: Michael soll entweder sich selbst oder seinen Feind Erol erschießen.
Meinung
„Knallhart“ bemüht sich um eine harte, realistische Milieuzeichnung und versucht mit Dialogen von der Straße und glaubwürdigen Charakteren Authentizität zu erzeugen. Ein guter Ansatz, der allerdings immer wieder aufgesetzt wirkt, und obwohl der Film und die Charaktere realistisch gezeichnet wurden, erscheinen sie trotzdem nicht real. Der Film wirkt bei der Umsetzung des Milieus zu bemüht, wie sich nur ein außen Stehender um eine genaue realistische Zeichnung bemühen würde. Durch diesen Aspekt wird es uns schwer gemacht, tief in die Geschichte und Charaktere einzutauchen, stets bleibt eine Distanz zwischen Geschehen und den Gefühlen des Zuschauers. Die Annäherung an das Milieu Neuköllns und Michaels angespannter Gefühlslage erreicht der Film mit seinem extrem grauen, fast schwarz-weißen Look, einem rasanten Schnitttempo und vielen Großaufnahmen von Michaels Gesicht. So glauben wir dem Jungschauspieler David Kross in der Rolle des Michaels seine Angespanntheit, seine Unruhe, seinen Wunsch nach ein wenig Stille im Kopf, der sich paradoxer Weise bei seinem Aufenthalt im Gefängnis erfüllt.
Der Film versucht, den Konflikt zwischen Michael und Erol mehrdimensional zu erzählen, und zeigt uns eine Begegnung zwischen beiden, bei der Michael Erol hilft, dessen Kinderwagen samt Kind die Treppe hinauf zu tragen. Hier spüren wir, wie Michael eine andere, menschliche Sicht auf Erol bekommt, und so erhöht sich am Ende sein innerer Konflikt, Erol zu erschießen.
Jenny Elvers-Elbertzhagen in der Rolle der Mutter wirkt wenig überzeugend, vielleicht deswegen, weil sie stets so präsent in den Medien war und es uns schwer fällt, sie in einer anderen Rolle zu akzeptieren. Wirklich gelungen ist die Zusammenstellung der Filmmusik, welche gekonnt die Stimmungen des Films miteinander verbindet. Leider sind auf Grund der Musik und der überlauten Umgebungsgeräusche die Dialoge häufig nur schwer zu verstehen. Insgesamt punktet der Film mit der zerrissenen Hauptfigur Michael und lässt uns über die Schwächen der Geschichte und Milieuzeichnung hinweg sehen.
Nur Ansatz einer harten Realität.
Zur nächsten Filmkritik: Breaking the Waves
Michael: David Kross
Mutter: Jenny Elvers-Elbertzhagen
Reicher Freund: Jan Henrik Stahlberg
Crille: Arnel Taci
Kleiner Bruder: Kai Michael Müller
Erol: Inanc Oktay Özdemir
Hamal: Erhan Emre
Regie: Detlev Buck | Deutschland, 2006
Länge: 95 min | FSK: ab 12 | Buch: Zoran Drvenkar, Gregor Tessnow | Kamera: Kolja Brandt | Ton: Florian Niederleithinger | Szenenbild: Udo Kramer | Schnitt: Dirk Grau | Musik: Bert Wrede | Produktion: Boje Buck Produktion
