Jerichow
Handlung
Jerichow ist eine Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern. Dort übernimmt der ausgebrannte Thomas das heruntergekommene Haus seiner verstorbenen Mutter. Bei einem Autounfall lernt er Ali kennen, der eine Kette von Dönerläden unterhält und ihn als Fahrer für seine Belieferungstouren einstellt. Als Ali ihm seine Frau Laura vorstellt, verlieben sich die beiden sofort ineinander.
Doch Laura hat hohe Schulden bei Ali und wagt es nicht, ihn zu verlassen, und so schmieden die beiden Verliebten einen Plan, bei dem Ali durch einen vorgetäuschten Autounfall ums Leben kommen soll. Doch es stellt sich heraus, dass Ali bereits todkrank ist.
Meinung
Regisseur Christian Petzold gelingt es in seinem Film "Jeriow" wunderbar die Tristesse und Langsamkeit des ruhigen Mecklenburg-Vorpommerns und damit eine ganz eigene Stimmung einzufangen. Dies schafft er durch eine teilweise schon zu langsame Erzählweise und einem sehr guten Schauspieltrio, dass sich menschlich und nachvollziehbar in die Charaktere hinein fühlt. Besonders hervorheben muss man Hilmi Sözer in der Rolle des eifersüchtigen Alis, dessen Qualen wir in seiner verzweifelten Liebe zu Laura förmlich spüren können. So gut die Charaktere auch gezeichnet sind, so fragwürdig erscheint der Handlungsverlauf. Über die sofortige große Liebe von Thomas und Laura füreinander, ohne eine einzige Unterhaltung geführt zu haben, könnte man noch hinweg sehen.
Viel mehr stören die bei weitem nicht ausreichend motivierten Mordgedanken der beiden Verliebten die Glaubwürdigkeit des Films und zerstören den sonst so genau eingefangen Realismus.
Ein Kammerspiel am Meer.
Thomas: Benno Fürmann
Ali: Hilmi Sözer
Laura: Nina Hoss
Regie: Christian Petzold | Deutschland, 2009
Länge: 93 min | FSK: ab 12 | Buch: Christian Petzold | Kamera: Hans Fromm | Ton: Andreas Mücke-Niesytka | Szenenbild: Kate Gruber | Schnitt: Bettina Böhler | Musik: Martin Steyer | Produktion: Schramm Film Koerner & Weber


Auch wenn das Meer eine
Auch wenn das Meer eine wichtige Rolle im Film spielt, da es doch den Wunsch nach Freiheit der von Nina Hoss verkörperten Figur Laura symbolisiert, dient erst das Triste Städtchen Jerichow in Sachsen-Anhalt als kraftvollstes Symbol für die Ausweglosigkeit der Protagonisten in diesem Drama. Die mit der Region verbundene Einöde macht es dem Zuschauer einfach, die verzweifelte Lage der verschuldeten Laura (Hoss) und des ziellosen Thomas (Benno Führmann) im Konflikt mit Lauras Mann Ali (Hilmi Sözer) nachvollziehen zu können. Ein Mann ist jedenfalls zuviel in dieser Dreieckskonstellation, die von Regisseur Christian Petzold souverän inszeniert wurde und den Zuschauer nachdenklich zurücklässt.
Arno Bausemer