Hunger auf Leben

Handlung

Brigitte Reimers ist eine angesehene Schriftstellerin in der DDR. Im Wohnheim des Schriftstellerverbandes lernt sie den Dichter Siegfried Pitschmann kennen und lieben und verlässt für ihn ihren Mann. Durch Siegfried wird ihr Blick auf den sozialistischen Staat kritischer und es wird schwerer für sie, Verlage zu finden, die ihre Bücher und Texte veröffentlichen. Und auch die Staatssicherheit beginnt sich für sie und ihre kritischen Gedanken zu interessieren. Um das einfache Leben kennen zu lernen und Inspiration für ein neues Buch zu finden, ziehen die Beiden nach Hoyerswerda, der ersten deutschen sozialistischen Stadt, wo sie den Philosophen Jon kennen lernt und sich in ihn verliebt.


Brigitte kann sich nicht zwischen Daniel und Jon entscheiden und so führen sie eine nicht ganz einfache Dreier-Beziehung. Doch dann geht sie mit Siegfried im Streit auseinander und Jon verschwindet plötzlich. Sie hat aber neben ihrer Einsamkeit und der Sehnsucht nach Jon auch noch mit Brustkrebs zu kämpfen.

Meinung

„Hunger auf Leben“ ist die Geschichte der Schriftstellerin Brigitte Reimann, eine wahre Geschichte. Der Film zeigt uns wichtige Stationen ihres kurzen Lebens, sie starb mit noch nicht einmal vierzig Jahren an Krebs. Brigitte Reimanns Leben und ihre Sicht auf die Dinge sind ein interessanter und gut gewählter Stoff für einen Film. Doch leider wurde dieser Stoff sehr holprig umgesetzt, man merkt die langen Diskussionen und Änderungswünsche seitens des Senders bezüglich des Drehbuchs. Die Macher des Films wollten zu viel aus Brigitte Reimanns Leben erzählen, haben zu viel Handlung in den Film gepackt. Durch die extrem schnellen Plot-Entwicklungen bleibt keine Zeit, auf die Figuren genügend einzugehen und sie genau zu zeichnen. So fehlt es den Charakteren an Tiefe, besonders Brigitte Reimanns erster Ehemann und ihr Bruder sind eindimensional inszeniert. Auch der Charakter der Brigitte Reimann ist für uns als Zuschauer schwer einzuordnen, wir dringen nicht in ihr Inneres und ihre genauen Beweggründe vor, können darum häufig ihre Handlungen nicht nachvollziehen. Dazu kommt ein Szenenbild, dass leider zu gewollt auf DDR getrimmt wirkt, selbst die Komparsen wurden unglaubwürdig inszeniert. Und auch das musikalische Gedudel im Hintergrund stört eher, als dass es Stimmungen unterstützt. Trotzdem sind immer wieder fesselnde Momente vorhanden, die uns Brigitte Reimanns reiches und widersprüchliches Leben erahnen lassen.

Zu viel Handlung.


Zur nächsten Filmkritik: Nói Albinói


Brigitte Reimann: Martina Gedeck
Siegfried Pitschmann: Kai Wiesinger

Jon: Ulrich Mühe
Erster Ehemann: Heinrich Schmieder

Regie: Markus Imboden | Deutschland, 2004

Länge: 89 min | FSK: ab 12 | Buch: Scarlett Kleint | Kamera: Hans Grimmelmann | Ton: Hermann Ebling | Szenenbild: Lothar Schneider, Natalja Meier | Schnitt: Ursula Höf | Musik: Annette Focks | Produktion: Saxonio Media


zum Anfang der Seite