Hotel Splendide


Handlung

Auf einer abgelegenen Insel inmitten des Ozeans befindet sich das heruntergekommene Hotel Splendide. Seit Jahrzehnten im Familienbetrieb tätig, führt der älteste Bruder Dezmond Blanche das Erbe seiner Mutter weiter. Die kuriosen Angewohnheiten und Ansichten der kürzlich verstorbenen Mutter Blanche führen das Hotel in den Ruin. Nur noch eine handvoll älterer Gäste lässt die täglichen Schlammbäder, Einläufe und Kaltwasser-kuren, ausgeführt von der Schwester Cora Blanche, und die eintönigen, zerkochten Fischmahlzeiten von Chefkoch Ronald Blanche über sich ergehen. Als eines Tages Kath, ehemalige Sous-Chefin und Geliebte von Ronald, auf Grund eines anonymen Briefes zurückkehrt, stellt die moderne und aufgeschlossene Köchin alles auf den Kopf. Die Gäste blühen unter ihrem Essen sichtbar auf, der lichtscheue Russe Sergio offenbart allmählich seine jahrelang verheimlichte Liebe gegenüber Cora und der von seinen Eltern verbannte junge Stanley entdeckt seinen Drang nach dem Festland.


Doch Dezmond beäugt diese Entwicklungen mit wachsendem Unbehagen und auch der Geist der Mutter, welcher in dem selbst kreierten Heizungssystem weiterzuleben scheint, macht sich immer häufiger bemerkbar. Nach einem tragischen Ereignis steuern sämtliche Bewohner des Hotels unweigerlich auf die erlösende Katastrophe zu.


Meinung

„Welcome to the Hotel Splendide“. Unweigerlich wird der Zuschauer bei diesem kuriosen, düsteren Gebäude an den bekannten Song „Hotel California“ erinnert. Auch aus dem Hotel Splendide scheint es kein Entkommen mehr zu geben. Die Geschichte wird von Stanley erzählt, welcher als letzter Gast auf die Insel kam, auf Grund der panischen Angst der Eltern in Hinsicht auf seine erwachende Sexualität. Eingeredet wird ihm allerdings, dass er Angst vor Wasser habe, damit er nicht auf die einmal im Monat herüberfahrende Fähre Richtung Festland steigt. Wie lange er schon zu „Gast“ in dem Hotel ist? Daran kann er sich nicht mehr erinnern. Auch der Russe Sergio bietet ein ungewohntes Bild, woran sich die Gäste in den letzten zehn Jahren aber gewöhnt haben. Von Kopf bis Fuß eingekleidet in eine Art „Dark Vader“ Outfit scheut er das Sonnenlicht, sammelt alle Streichhölzer die er bekommen kann und unterzieht sich einer verhassten Lichttherapie, nur um in dieser Zeit seiner geliebten Cora nahe sein zu können.

Die Spleens der einzelnen Charaktere lassen sich fast bis ins Unendliche fortführen. Staunend sitzt der Zuschauer vor der ihm gebotenen Kuriositätenschau. Terence Gross ist mit „Hotel Splendide“ ein hervorragender Debütfilm im Geiste des schwarzen britischen Humors gelungen. Es ist eine Freude sich den unzähligen kleinen Details in der Handlung hinzugeben und von einem ungläubigen Lächeln bis zum nächsten Lachanfall treiben zu lassen. Ein Gesellschaftsspiel Namens „Flitzekacke“ mit dem Ziel, über die Nennung von Darmkrankheitssymptomen dem Tod zu entgehen, sei nur ein Beispiel für die unzählige Ideenvielfalt von Terence Gross.

Auch bei den Schauspielern hat er nichts dem Zufall überlassen. Toni Colette, bekannt und Oscar nominiert für ihre Rolle als Mutter in „The Sixth Sense“, stellt eine ideale Besetzung für die Rolle der Kath dar, die sich nicht von dem Bann der verstorbenen Mutter einfangen lässt. Das Hotel scheint Kath zu beobachten, das Methanheizungssystem erweckt die Rohre mit „Atembewegungen“ zum Leben und vermittelt den Eindruck eines riesigen Lebewesens. In der Rolle des stillen Bruder Ronald brilliert Daniel Craig, der vielen Zuschauern als der neue James Bond bekannt ist, und macht den Konflikt zwischen Familienverbundenheit und gesundem Menschenverstand nachvollziehbar. Für Liebhaber von Filmen wie „Delicatessen“, „Die Stadt der verlorenen Kinder“ oder auch „Sterben für Anfänger“ wird dieses Meisterwerk mit einem Schuss Monty Python ein neu gewonnener Schatz in seiner Filmsammlung darstellen.

Willkommen im Tollhaus.

von Moana Flamme



Dezmond Blanche: Stephen Tompkins
Cora Blanche: Katrin Cartlidge
Ronald Blanche: Daniel Craig

Kath: Toni Collette
Stanley Smith: Hugh O´Connor
Sergei Gorgomov: Joerg Stadler

Regie: Terence Gross | Großbritannien, 2000

Länge: 94 min | FSK: ab 12 | Buch: Terence Gross | Kamera: Gyula Pados | Szenenbild: Christina Moore | Schnitt: Michael Ellis | Musik: Mark Tschanz | Produktion: Robert Buckler, Ildiko Kemeny