Herbstsonate

Handlung

Die erfolgreiche Konzertpianistin Charlotte besucht nach sieben Jahren zum ersten Mal wieder ihre Tochter Eva, die mit ihrem Mann Viktor in der Einöde Norwegens lebt. Nach anfänglicher Freude über ihr Wiedersehen, kommen zwischen Mutter und Tochter die Probleme aus der Vergangenheit hoch.


Eva wirft ihrer Mutter vor, sich nie um sie gekümmert, sie nie wirklich geliebt zu haben, und das ihre Mutter die Unfähigkeit zu lieben an sie weiter gegeben hätte. Charlotte ist über die Vorwürfe ihrer Tochter bestürzt, verletzt, erzählt von ihrer eigenen Kindheit ohne Liebe, und kann ihre Tochter trotzdem noch immer nicht verstehen. Und während Charlotte erneut vor einer Beziehung mit Eva flüchtet und verfrüht aus Norwegen abreist, nimmt Eva sich vor, sich weiter um ihre Mutter zu bemühen und ihr gegenüber offen zu bleiben.

Meinung

Der erste Eindruck von Eva ist, dass sie ein geringes Selbstbewusstsein hat, viel Zuspruch braucht. Es scheint, als ob ihr Charakter sehr eintönig gezeichnet wird, doch zum Glück täuschen wir uns. Noch bei der Ankunft der Mutter, die modern und schick zurecht gemacht ist, wirkt Eva mit ihrem altbackenen Kleidungsstil sehr unsicher, versucht ihrer Mutter alles recht zu machen. Doch dann sehen und erfahren wir mehr von Eva, von ihrem scharfsinnigen Verstand, ihren philosophischen und klugen Überlegungen über sich, ihre Mutter und die Welt. Und als ihre Mutter Evas an Epilepsie leidender Schwester, die sie vor Jahren in ein Heim für unheilbar Kranke abgeschoben hat, Freude über ihr Wiedersehen vorspielt, durchschaut Eva sie sofort. Sie kennt ihre Mutter, ihre Mutter aber nicht sie.

Ingmar Bergman führt uns mit tiefgründigen, intelligenten und häufig auch philosophischen Dialogen durch den in herbstlichen Brauntönen gehaltenen Film. Wie immer steht bei ihm das Wort im Vordergrund, und der Gehalt dahinter. Die Aufarbeitung dieser Mutter-Tochter-Beziehung ist ungemein fesselnd und fordert die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Denn man muss den Dialogen und Überlegungen der Protagonistinnen folgen, um in die Gefühlswelten der Charaktere und somit in den Film eintauchen zu können. Wenn das gelingt, kann er uns sehr viel erzählen und begreiflich machen.

Zu Beginn erzählt Evas Mann Viktor dem Zuschauer, dass Eva geliebt werden möchte, nur ein einziges Mal. Und er liebt sie doch, kann es ihr aber nicht so sagen, dass sie es glaubt. Dabei versteht er nicht, dass es nicht um ihn oder seine Liebe geht, es geht um die ihrer Mutter, um die Liebe der Person, deren Pflicht es ist und die gar nicht anders können dürfte, als einen zu lieben. So bewegt sich Viktor hilflos zwischen den beiden Frauen, kann nicht vermitteln, nicht helfen, sieht Evas Schmerz, kann aber nichts dagegen tun.


So sind am Ende alle immer noch unglücklich, fühlen sich ungeliebt, vielleicht noch mehr als am Anfang des Filmes. Bergman lässt die Zukunft zwischen Mutter und Tochter ungewiss, eine versöhnliche Aussprache gibt es nicht. Nur einen Brief von Eva an ihre Mutter, in dem sie ihre Ehrlichkeit und die verletzenden Worte ihrer Mutter gegenüber bedauert und sich entschuldigt. Und wir sind wieder ein wenig enttäuscht, dass die Hauptdarstellerin anscheinend doch nur unwesentlich eine Entwicklung durchgemacht hat. Aber so geht es vermutlich zu, im richtige Leben.


Fesselnde Aufarbeitung einer Mutter-Tochter-Beziehung.


Zur nächsten Filmkritik: Einer kam durch


Eva: Liv Ullman
Charlotte: Ingrid Bergman

Viktor: Halvar Björk
Schwester: Lena Nyman

Regie: Ingmar Bergman | Schweden, 1978

Länge: 89 min | FSK: ab 12 | Buch: Ingmar Bergman | Kamera: Sven Nykvist | Ton: Owe Svensson | Szenenbild: Anna Asp | Schnitt: Sylvia Ingmarsdotter | Musik: Bachm Chopin, Händel, Schumann | Produktion: Svensk Filmindustri


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