GURU - Bhagwan, his secretary & his bodyguard
Handlung
„When did it start to go wrong?“, fragt sich Hugh Milner, der jahrelang persönlicher Bodyguard Bhagwans war, um dessen Sekte sich der Dokumentarfilm „GURU“ dreht. Als Begründer der 1970 gegründeten Erweckungslehre des Neo-Sannyas scharrte Bhagwan hunderttausende Anhänger um sich. Milner erinnert der sich später „Osho“ nennende Sekten-Führer an den „Zauberer von Oz“, den Judy Garland als Manipulator enthüllt: „You´re a bad man!“, ruft sie. Nein, erwidert der, nur ein schlechter Zauberer. Osh ein Oz? Die kleine Judy Garland jedenfalls spielt Sheela Birnstiel, heute eine ruhige alte Dame. „Alle meine Brüder und Schwestern liebten mich. Mein Vater war Anhänger Ghandis, meine Mutter voller Liebe.“, erzählt sie. Der Vater habe sie als Teenager mit Bhagwan bekannt gemacht, zu dessen Privatsekräterin Sheela wurde. „Es war ein Paradies.“, erinnert sich Milner. Bis es schief ging: „...and all hell broke loose.“
Meinung
Spannend wie ein Thriller kann eine gelungene Reportage sein und „GURU – Bhagwan, his bodyguard & his secretary“ ist es. Nicht weil Beat Hähner und Sabine Gisigers Film aufklärend wäre, sondern weil er eine Mittäterin zum Unschuldslamm stilisiert. Bhagwans Rolle als „GURU“ impliziert der groß geschriebene Titel unmissverständlich. Der erste vieler Aspekte, in denen auffällige Überzeugungsversuche skeptisch machen. Die Rollen der Protagonisten sind klar definiert. Bhagwans spirituelle Wirkung vergleicht Milner, dessen weiche Stimme klingt, als stünde er unter Medikamenten, mit Flugzeugen, die einem um den Kopf kreisen. Andere fühlten offenbar ähnlich. Archivmaterial zeigt Bhagwan, der wie ein Voodoo-Priester eine tanzende Menge dirigiert. Als Kind habe er selten Schokolade gehabt, sagt Milner vieldeutig, in der Gemeinde aber gab es ganz viel davon: „Frauen“. Orgiastische Tänze, Ekstase, sexuell und spirituell. Die liebe „Ma“ Sheela, wie sie sich mittlerweile nannte, hatte damit nichts zu tun, suggeriert „GURU“.
Tatsächlich hatte sie wohl ihre eigene Erleuchtung. Sheela will keine Schokolade. Sie wird Sprecherin Bhagwans, vor den Mitgliedern und der Öffentlichkeit. Ihre Macht wächst mit der Sekte, auf deren besorgniserregende Ausweitung angesprochen sie in einem Interview sagte: „Though titties.“ - Pech gehabt. Nie erwähnt die Reportage den aufschlussreichen Kommentar. Fünf Millionen, für die Sheela nahe Portland unbrauchbares Land kaufte - though titties. Die Gläubigen, die dort in Knochenarbeit den Sekten-Ort „Muddy Ranch“ errichteten – tough titties. Milner, dem Bhagwan sagte: Schluss mit dem Süßigkeiten-Laden – tough titties. Die Opfer der Wahlmanipulation, arrangierten Hochzeiten, finanziellen, emotionalen und physischen Ausbeutungen, die Opfer, die der biologische Giftanschlag Sheelas hätte fordern können, wäre er geglückt ... Man müsse wie Paramilitär denken, sagt Sheela vor der Kamera, die damals der Öffentlichkeit androhte, buchstäblich „eure Köpfe“ zu holen: „ And I mean business!“
Danach trafen sie „hässliche böse Anschuldigungen“, erst von Bhagwan, dann vor Gericht, das eine Haftstrafe verhängt. Goodbye, little Sheela. Doch ihre Familie stützt sie: „They loved me. Their little daughter could not harm anyone. She´s one in a million.“ Heute arbeitet sie in einem Schweizer Senatorium. „Sitting silently doing nothing means monkey-mind to run riot.“, warnt Milner in einer anderen Szene. Saßen Häner und Gisiger zu lange still? Wollen sie an der Kinokasse „business“? Emblematisch für die bedenklich tendenziöse Perspektive von „GURU“ ist Sheelas Schlussbemerkung: „Ich entscheide, worüber ich spreche und worüber nicht.“ In der Schweiz, wo sie weiterhin die Sekten-Lehre weiterzugeben scheint, hat sie sich gut mit dieser Einstellung arrangiert. Dass manche sie für eine Ex-Kriminelle, Manipualtorin und Schlimmeres halten, belastet sie. Though titties.
Spannende Thematik – Erleuchtung nicht garantiert.
Mit: Sheela Birnstiel, Hugh Milner
Regie: Sabine Gisiger | Schweiz, 2010
Länge: 98 min | FSK: ab 12 | Buch: Sabine Gisiger, Beat Häner | Kamera: Beat Häner, Matthias Kälin | Musik: Marcel Vaid | Schnitt: Barbara Weber | Produktion: Philip Delaquis, Das Kollektiv für audiovisuelle Werke GmbH

