Ein Mann von Welt


Handlung

Entlang trister Häuserzeilen ziehen sich meist menschenleere Straßenzüge, die scheinbar ins Nichts führen. Aus diesem Nichts der Eintönigkeit kommt Ulrik. Zwölf Jahre saß er wegen Mordes am Geliebten seiner Frau im Gefängnis. Viel depremierender als draußen kann es dort auch nicht gewesen sein. Auch der Kleinganove Kenny hat wenig Grund zur Freude. Vor zwölf Jahren hatte er Ulrik ans Messer geliefert. Nun wollen dessen kriminelle Kollegen Rune und Rolf von einst gemeinsam mit ihrem entlassenen Kumpel Rache üben. Runes ebenso unansehnliche wie unwirsche Schwester Karen Margrete gewährt Ulrik Unterschlupf. Für die Kellerwohnung und ihr Bekochen muss Ukrik allerdings den sexuellen Appetit seiner gealterten Vermieterin stillen. Nicht nur einem verurteilten Mörder würde unter solchen Umständen das Messer in der Tasche aufgehen.


Doch als er erfährt, dass er Großvater wird und wider Erwarten eine Arbeit findet, kommen Ulrik Zweifel, ob er seine Freiheit aus Rachsucht riskieren soll - zumal Kennys Schuld immer fragwürdiger erscheint.


Meinung

Grauen kommt von Grau, scheint es beim Anblick des Schauplatzes von Hans Petter Molands Krimi-Groteske „Ein Mann von Welt“. Die Welt, in die sein einsilbiger Hauptcharakter Ulrik zurückkehrt, ist so verhärmt und missmutig wie er. Nass-kalt und forsch ist auch der Umgangston der Protagonisten untereinander und des Regisseurs mit seinem Publikum. Im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale lief Molands ruppige Komödie unter der englischen Übersetzung des Originaltitels „A somewhat gentle man“. Zart, sei es auch nur ein wenig, ist nach dem Filmkosmos zu urteilen jedoch nichts im kühlen Norwegen. Ulrik ist in jeder Beziehung das Gegenteil eines „Mann von Welt“, war er ihr doch jahrelang abhanden gekommen und haust nun am Allerwertesten derselben. Ironie scheint in dem unpassenden deutschen Verleihtitel nicht durch, eher Anmaßung. Die Lebensansprüche seiner Charaktere hat Regisseur Moland dementsprechend heruntergeschraubt. Ein Job als Mechaniker und die Schwangerschaft der Partnerin seines Sohnes genügen, damit Ulrik die freudlose Außenwelt mit anderen Augen sieht. Für Andere wäre beides erst Recht ein Grund zum Töten, sei es sich selbst oder eine beliebig andere Figur aus dem durchgehend unsympathischen Filmensemble. Seine veränderte Perspektive auf das Leben den Zuschauer nachempfinden zu lassen, gelingt dem „Mann von Welt“ nicht.

Obwohl Hauptdarsteller Stellan Skarsgård den mürrischen Ex-Knacki durchweg überzeugend und mit sichtlichem Vergnügen spielt, überträgt sich von letztem wenig auf das Publikum. Molands Bemühungen, skurrilen Charme in die sich dahinschleppende Handlung zu bringen, wirken ebenso gequält wie quälend. Ein kleinwüchsiger Hehler, der das Trio mit Waffen versorgt, eine Hausherrin, deren Hässlichkeit nur von ihrer Lüsternheit übertroffen wird, ein lappländischer Möchtegern-Gangster, der sich für Sushi interessiert: Molands Einfälle wirken befremdlich statt unterhaltsam, umso mehr, je öfter die Krimi-Groteske sie strapaziert. „Ein Mann von Welt“ leidet nicht an einem Mangel an Humor, sondern an dessen Natur. Altväterlich und abgeschmackt sind die sich um die allgegenwärtigen unattraktiven Frauen und unappetitlichen Sex drehenden Witze. Ein proletarisches Altherren-Trio, wie die Hauptfiguren es verkörpern, mag bei solchen Kneipenwitzen lachend „Skoll!“ rufen. Die Anderen klammern sich nach der langatmigen Tragikkomödie an die Worte von Ulriks Haftwächter: „Vorwärts. Und nicht zurückschauen.“

Graue Tristesse statt schwarzer Humor.

von Lida Bach



Ulrik: Stellan Skarsgård
Kenny: Henrik Mestad
Rune: Björn Floberg
Rolf: Gard B. Eidsvold

Karen Margrete: Jorunn Kjellsby
Merete: Jannike Kruse Jatog
Geir: Jan GunnarRoise

Regie: Hans Petter Moland | Norwegen, 2009

Länge: 103 min | FSK: ab 12 | Buch: Kim Fupz Aakeson | Kamera: Philip Ogaard | Ausstattung: Gert Wibe | Musik: Halfdan Nielsen | Schnitt: Jens Christian Fodstad | Produktion: Finn Gjerdrum, Stein B. Kvas