Drachenläufer

Handlung

Der kleine Amir lebt Anfang der siebziger Jahren als Sohn eines reichen Geschäftsmannes in Afghanistan. Sein bester Freund ist Hassan, der Sohn eines Bediensteten der Familie, mit dem er zusammen zu den besten Drachenläufern der Stadt gehört. Bei diesem Wettkampf lässt man einen Drachen in die Luft steigen und lenkt ihn dann so geschickt, dass man mit der eigenen Drachenschnur die eines anderen Drachen zerschneidet. Der sensible Amir hat es schwer zwischen den anderen Kindern, doch Hassan stellt sich immer schützend vor ihn. Amirs Vater hält seinen Sohn für feige, äußert sich aber immer bewundernd Hassan gegenüber. Die fehlende Anerkennung seines Vaters verletzt Amir tief und so lässt er eines Tages seinen Freund im Stich, als dieser dringend seine Hilfe bräuchte, und hängt ihm aus Neid und schlechtem Gewissen einen Diebstahl an. Jahre später bekommt Amir die Chance, seinen Fehler von damals wieder gutzumachen.


1988 vor dem Einmarsch der sowjetischen Kommunisten geflohen, leben er und sein Vater inzwischen in den USA. Amir hat gerade sein erstes Buch veröffentlicht, als ihn die Nachricht erreicht, sein alter Freund von damals sei von den Taliban erschossen worden. Und das er einen kleinen Jungen zurück gelassen hat. Amir kehrt zurück in das zerbombte Afghanistan der Neunziger und ist entsetzt über die Zustände in seinem Heimatland. Doch ohne Hassans Sohn will er das Land nicht wieder verlassen.

Meinung

„Drachenläufer“ ist Amirs Geschichte und zeigt die wichtigsten Stationen in seinem Leben. Dabei plätschert die Geschichte vor sich hin, scheint teilweise zusammenhanglos, vermutlich weil sich das Drehbuch nahe an der Romanvorlage orientiert. Amirs Verwandlung von einem schüchternen, feigen Jungen, der sich nicht gegen Gleichaltrige durchsetzten kann, zu einem mutigen Mann, der einen ihm fremden Jungen aus einer Taliban-Festung befreit, ist abrupt, viel zu plötzlich, und scheint darum unglaubwürdig. Insgesamt wurde auf die Entwicklung und Authentizität der Charaktere nicht genügend Wert gelegt. So bleibt uns Amirs Innenleben, seine Sorgen, seine Ängste, vielleicht auch der Kampf mit sich selbst, fern. Wir lernen ihn nicht gut genug kennen, um mit ihm zu fühlen und mit ihm zu bangen, und so bleibt immer eine Distanz zwischen uns und dem Geschehen.

Die Situation der Taliban-Besetzung wird dagegen glaubhaft eingefangen und es ist sehr beklemmend, Amir durch seine Reise durch das Afghanistan der Neunziger zu begleiten. Doch während an dem Einmarsch der kommunistischen Sowjet-Union und der fundamentalistischen Taliban-Besetzung, und damit an anderen gesellschaftlichen und politischen Formen, heftig Kritik geübt wird, bleiben die eigenen afghanischen aus westlicher Sicht ebenfalls problematischen Traditionen und Anschauungen komplett unangetastet. Der angeblich neutrale Blick auf die afghanischen Wertvorstellungen propagiert eine bedenkliche Moral in Bezug auf Mut und Ehre. Die Dialoge driften leider immer mal in Klischees ab, Satzkonstruktionen werden verwendet, die wir genau so schon in anderen Filmen gehört haben. Insgesamt sind die Bilder schön anzuschauen, die politischen Hintergründe interessant gewählt, der kleine Ahmad Khan Mahmidzada in der Rolle des Hassans spielt zum Niederknien süß, nur kann dies die Mängel der eigentlichen Geschichte nicht verbergen.

Läuft so vor sich hin.


Zur nächsten Filmkritik: Code: unbekannt


Amir: Khalid Abdalla
Vater: Homayon
Amir als Kind: Zekeria Ebrahimi

Hassan als Kind: Ahmad Khan Mahmidzada

Regie: Marc Forster | USA, 2007

Länge: 128 min | FSK: ab 12 | Buch: David Benioff | Kamera: Roberto Schaefer | Ton: Chris Munro | Szenenbild: Carlos Conti | Schnitt: Matt Chesse | Musik: Alberto Iglesias | Produktion: William Horberg, E. Bennett Walsh, Rebecca Yeldham


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