Die Zeit mit Monika
Handlung
Die 18-jährige Monika arbeitet in einer Fischfabrik, der 17-jährige Harry in einem Porzellangeschäft. Beide leben sie in einer Realität der Grobheit und Schikane. In ihren Anstellungen sind sie ein Niemand. Monika muss sich ständiger Annäherungen erwehren und Harry konstanter Geringschätzung. Harry ist jedoch aus einem stillen, tugendhaften Haus. Monika hingegen der Spross des proletarischen Chaos. Monika ist unbändig, hemmungslos und erotisch, Harry hingegen fleißig, ehrlich und gewissenhaft und gerade deshalb verfällt er der Femme Fatale mit dem zweifelhaften Ruf. Es kommt zum Ausbruch Monikas aus der elterlichen Enge und der beruflichen Aussichtslosigkeit und sie überredet Harry, mit dem Boot seines Vaters dem drögen Einerlei zu entfliehen. Die beiden verlassen Stockholm und fahren durch die Schären. Der Himmel ist hell und blau und sie leben die Illusion der Freiheit, mit Klarem aus der Flasche und Nacktbaden in den Schären, ohne Ziel, mittellos, und durch dieses Gefühl beflügelt, verbringen sie ihren Sommer überall und nirgendwo. Doch die graue Realität holt sie ein. Als der Schädel langsam zu brummen beginnt und das Dosenfutter zu dem wird, was es ist, nämlich Dosenfutter, möchten sie zurück, der verächtliche Alltag erscheint nun nicht mehr ganz so abstoßend. Zudem bemerkt Monika, dass sie schwanger ist, und Harry beginnt sogleich mit den Plänen für ihre Zukunft. Diese wollen so gar nicht mehr zum Timbre des verlebten Sommers passen und Monika findet sich dort wieder, wo sie eigentlich nie hin wollte: In der Rolle der Mutter und Ehefrau.
Die Dinge nehmen ihren Lauf, Monika stößt ihr Kind ab und verweigert sich der Rolle der sorgenden Hausfrau. Ihre Geringschätzung gegenüber Harry wächst und das bringt sie prompt mit neuen wechselnden Männerbekanntschaften zum Ausdruck. Die Leidenschaft zu Harry wird wie der Sommer in den Schären zu einem grauen, verschwimmenden Fleck in der Erinnerung.
Meinung
1997 in Cannes als „Bester Filmregisseur aller Zeiten“ geehrt, gilt Ingmar Bergman als cineastische Ikone. „Die Zeit mit Monika“ gilt bis heute als einer der eingänglichsten von über vierzig Filmen des Jahrhundertregisseurs. Es war gerade 1952 und der Filmstopp, mit dem die schwedische Filmindustrie auf die Verdoppelung der Vergnügungssteuer reagiert hatte, war aufgehoben worden. Bergman schien über die Tatsache, wieder drehen zu dürfen, unglaublich befreit und erschuf wohl auch deswegen mit „Die Zeit mit Monika“ einen Silberstreifen in der Litanei seines schwermütigen Frühwerks. Gleichzeitig entdeckte er Harriet Andersson, die von da an in zahlreichen Produktionen Bergmans eine Rolle spielen sollte.
Der Film arbeitet mit einer für Bergman typischen Bildsymbolik. Diese schafft es, auch den heutigen Sehgewohnheiten entgegenzukommen und dem Film ein konstantes Flirren zu verleihen. Obwohl die Schauplätze begrenzt sind und auch in Momenten des größten Glücks zwischen den Protagonisten der depressive Schleier über dem Set sich nicht ganz aufzulösen vermag, ist das, was Bergman damals schon zu sagen versucht hat, revolutionär, utopisch und futuristisch zugleich. Es ist das ewige alte und neue Spiel, das jede Generation auf ein neues erkämpfen muss und, so scheint es, erkämpfen will: Die Freiheit und Loslösung von Materialismus, Konformität und sexueller Begrenztheit. Die Frau als Motor des Prozesses und nicht als das ewige Opfer der Geschichte. Es ist ein Versuch, das Stigma der Rollenverteilung der Geschlechter zu ironisieren, um im Endeffekt zu dem sich immer wiederholenden Ende zu gelangen. Ohne die Rollen funktioniert es nicht. Der gänzlich angepasst erzogene Mensch kann die Freiheit nicht Leben und zerbricht an dem Versuch, es doch tun zu wollen. Die Gesellschaft ist konditioniert und erlaubt keinen Ausbruch aus Altbewährtem. So ist es romantisch, die beiden zu betrachten, wie sie durch die rauen Gewässer segeln und sich Konserven teilen. Wie sie versuchen, dem Rhythmus der Dinge zu entfliehen, Walzer tanzen am Ufer der Schären und so konsequent erproben sie zu vergessen, die ordentliche Welt da draußen.
Schade nur, dass es schwer ist, Monika als Freiheitsikone wahrzunehmen. Ihre Instinkte erscheinen durchweg niederer Natur, ihr Schmatzen und Gähnen sollten wohl der Intention des Filmes Realismus verleihen. Doch Leider banalisiert es nur die versprochene Revolution und lässt sie animalisch wirken, als Spielball ihrer Triebe. Es raubt dem Zuschauer die letzte Hoffnung auf die Existenz eines wirklichen und wahrhaftigen Freiheitsgedankens, der mit vollem Bewusstsein getroffen wird. Und die Geschichte endet, ohne das suggerierte Versprechen eingelöst zu haben, eine Rebellion gegen das Understatement zu sein. Sie endet wie sie begonnen hat, nämlich mit dem Beginn und dem Scheitern einer pubertären Illusion von Freiheit.
Rebellion als Illusion.
Monika: Harriet Anderson
Harry: Lars Ekborg
Harrys Tante: Dagmar Ebbesen
Monikas Vater: Ake Friedell
Monikas Mutter: Naemi Briese
Regie: Ingmar Bergman | Schweden, 1952
Länge: 92 min | FSK: ab 16 | Buch: Per Anders Fogelström | Kamera: Gunnar Fischer | Musik: Erik Nordgren | Schnitt: Tage Holmberg, Gösta Lewin | Produktion: Allan Ekelund

