Die Unberührbare

Handlung

Die Schriftstellerin und Kettenraucherin Hanna Flanders sieht mit Entsetzen den Fall der Mauer im Fernsehen. Ihre linken Ideale, ihr kommunistisches Wunschbild, das sie in ihren Büchern propagiert hat, bricht vor ihren Augen zusammen. Sie zieht von München nach Berlin, um den politischen Umbruch für einen eigenen Neuanfang zu nutzen. Doch dort trifft sie auf die raue Realität des Kommunismus und beginnt an ihren Vorstellungen und Überzeugungen zu zweifeln. Sie besucht ihren Sohn und dessen Vater, ihren ehemaligen Geliebten und ihre Eltern, doch sie alle sind Fremde geworden.


Als ihr ein Raucherbein diagnostiziert wird und sie einen kalten Entzug machen soll, entscheidet sie sich für den Freitod.

Meinung

Der Film beginnt damit, wie Hanna Flanders kurz davor ist, sich umzubringen, das Arsen schon in der Hand. Doch es kommt etwas dazwischen, der Fall der Mauer, der sie aus ihrer Lethargie reißt. Dieser Anfang, unterstützt durch Hannas stark geschminktes Gesicht und ihre übermächtige schwarze Perücke, die dramatische Lichtstimmung, die schwarz-weiß-Bilder, das alles wirkt sehr theatralisch. Mit Hannas Reise nach Berlin beginnt für den Zuschauer eine Odyssee durch ihr Leben. Denn durch die Besuche bei ihrem Sohn, ihrem Ex-Mann, ihren Eltern, erfahren wir so viel zu den Beziehungen zu und mit diesen Menschen, erfahren durch sie sehr viel über Hanna selbst. Hanna ist eine sehr einsame, sehr intellektuelle Frau ohne Freunde. Ihre Begegnungen wirken traurig, erst sind die Menschen nett zu ihr, dann stellen sie sich als abstoßend heraus. Der Film hat einen sehr melancholischen Klang, wir fühlen Hannas Verletzlichkeit und ihre Ängste, dabei bewegt sie sich immer stolz und aufrecht, will niemanden zur Last fallen.

Die Geschichte der Schriftstellerin Hanna Flanders ist an die Biografie von Regisseur Oskar Roehlers Mutter angelehnt und vielleicht schafft er deshalb eine so genaue und intime Charakterstudie. Mit diesem Wissen erscheint die Begegnung von Hanna und ihrem Sohn fast schon amüsant. Auch die überschwängliche und offene Stimmung im nun nicht mehr geteilten Berlin hat Roehlers glaubhaft eingefangen und wir spüren die Aufregung und die Freude über die neu erlangten Freiheiten. Hannelore Elsner spielt absolut überzeugend die zerrissene Hanna und lässt tief in ihr Innerstes blicken. Und auch die anderen Charaktere sind glaubhaft inszeniert, besonders zu erwähnen wäre Jasmin Tabatabai in einer Nebenrolle. Nur der Concierge im Hotel Excellsior ist arg übertrieben gezeichnet und reißt uns aus der glaubhaften Geschichte heraus.


Wie der Film beginnt, so endet er auch. Hanna will sich umzubringen und diesmal hält kein Mauerfall sie davon ab. Der Kreis schließt sich.


Letzte Stationen einer Reise.


Zur nächsten Filmkritik: Die Höhle des gelben Hundes


Hanna Flanders: Hannelore Elsner
Ex-Mann: Vadim Glowna
Freundin: Jasmin Tabatabai

Geliebter: Michael Gwisdek
Sohn: Lars Rudolph

Regie: Oskar Roehler | Deutschland, 2000

Länge: 104 min | FSK: ab 12 | Buch: Oskar Roehler | Kamera: Hagen Bogdanski | Ton: Manfred Banach | Szenenbild: Birgit Kniep | Schnitt: Isabel Meier | Musik: Martin Todsharow | Produktion: Distant Dreams Produktion


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