Die Liebe der Kinder


Handlung

Nicht viele solcher Begegnungen gebe es, sagt Maren. Über eine Kontaktanzeige hat die alleinerziehende Mutter Robert kennen gelernt. Auf eine spontane gemeinsame Nacht folgt eine überstürzte Beziehung. Die sich für gebildet haltende Maren und der schlichte Robert ziehen zusammen, begierig, die letzte Chance auf ein Familienleben zu ergreifen, bevor ihr Alter sie einholt. Auch zwischen Marens Tochter Mira und Roberts Sohn Daniel springt der Funke über. Doch während zwischen den beiden 16-Jährigen die Leidenschaft brennt, scheint sich die Beziehung ihrer Eltern als Strohfeuer zu entpuppen.


Miras und Daniels Entschluss zu heiraten und auszuwandern, droht das brüchige Familiengefüge zu zerreißen. Eine Vorstellung, mit der sich die Eltern nicht abfinden wollen.


Meinung

Was haben sie, was wir nicht haben? Unausgesprochen steht die Frage im Zentrum von Franz Müllers Familiendrama. Mit launigem Humor erzählt der Regisseur und Drehbuchautor in seinem Kinodebüt aus einander entgegengesetzten Perspektiven von Liebesneid und Beziehungszweifel. Die Paarung von Tragikkomödie und Liebesfilm zu einer doppelten Beziehungsstudie gelingt in „Die Liebe der Kinder“ trotz der engagierten Darsteller kaum. Indem er nicht die Beziehung der Alten, sondern die Miras und Daniels als die anfänglich Stabilere inszeniert, schafft Müller eine interessante Ausgangssituation für ein familiäres Eifersuchtsdrama. Entgegen den dramaturgischen Stereotypen von kindlichem Sexualneid sind es hier die Eltern, die neidvoll auf die Zuneigung der Jugendlichen blicken. Die Problematik des sich auf familiärer und sozialer Ebene austragenden Generationskonflikts verwässert „Die Liebe der Kinder“ jedoch zu einer in platter TV-Optik erzählten Beziehungs-klamotte. An traditionelle Wertmaßstäbe wird nur gerührt, um deren Unverrückbarkeit zu betonen. Die Affinität zum konservativen Unterhaltungskino lässt „Die Liebe der Kinder“ mehr an ein Fernsehspiel als an einen Kinofilm erinnern. Inszenatorische Raffinesse besitzt das gequält witzige Dramolett so wenig wie dramatisches Gespür. Emotionen bewertet „Die Liebe der Kinder“ wie ein Amateur sich an Wein versucht: Alter bedeutet Reife, Reife bedeutet Qualität. Die oft infantilen Konflikte der Eltern wie deren kindliche Grausamkeit gegenüber den Jugendlichen sieht Müllers Komödie wenig kritisch.

Was sie selbst nicht haben können, missgönnen Maren und Robert Anderen. Mit kleinen Schikanen und abfälligen Kommentaren versuchen sie mal einvernehmlich, mal jeder für sich, „Die Liebe der Kinder“ zu sabotieren, ihnen zumindest das Glück ein wenig zu verderben. Alltäglich, fast beiläufig inszeniert Müller die elterliche Missgunst, findet sie oft sogar komisch. Tatsächlich wirkt der verbitterte Neid und die Gehässigkeit der Erwachsenen gegenüber den beiden Jugendlichen erschreckend. Doppelt beunruhigend wirkt die Böswilligkeit der Älteren, da sie sich nicht nur gegen das Liebesverhältnis der eigenen Kinder, sondern deren Person richtet. Ob es Neid der Alten auf die Jugend, auf deren Offenheit oder das Ungekünstelte von deren Zuneigung ist, was Maren und Robert quält, bleibt vage. Vielmehr erweckt ihre unbegründete Gefühlskälte den Eindruck, ein bisschen Psycho-Krieg unter Eltern und Kindern sei normal. Mit ihrem Verhalten scheinen sie vor allem einen zeitlebens angehäuften Frust abzureagieren. „Irgendwas fehlt immer.“, beschreibt Robert das widerstandslos hingenommene Gefühl innerer Leere. Witz, Geist und Spannung sind das „irgendwas“ bei Müllers Komödie. Mit Marens Worten: „Ich habe das in letzter Zeit nicht mehr so verfolgt.“

Les parentes terribles.

von Lida Bach



Maren: Marie-Lou Sellem
Robert: Alex Brendemüller
Mira: Katharina Derr

Daniel: Michael Sideris
Simone: Katharina Lieder
Jürgen: Jürgen Rißmann

Regie: Franz Müller | Deutschland, 2009

Länge: 84 min | FSK: ab 12 | Buch: Franz Müller | Kamera: Christine A. Maier | Szenenbild: Tim Pannen | Musik: Tobias Ellenberg, Daniel Backes | Schnitt: Stefan Stabenow | Produktion: Harry Flöter, Jörg Siepmann