Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
Handlung
Der junge Robert Ford will sich 1881 der legendären Diebesbande von Jesse James anschließen. Als dieser ihn jedoch immer wieder zurück stößt und ihn vor seinen Brüdern demütigt, beginnt in Robert Hass statt Bewunderung für sein Kindheitsidol zu überwiegen. Als Robert in einer Auseinandersetzung den Cousin von Jesse erschießt, schwören sich er und sein Bruder den Vorfall dem unberechenbaren und rachsüchtigen Bandenführer zu verheimlichen. Dem Sheriff von Kansas nennt Robert gegen Straffreiheit und Belohnung den Aufenthaltsort einiger Bandenmitglieder und verspricht dem Gouverneur den berüchtigten Jesse James zu töten. Prompt will dieser die beiden Brüder bei seinen nächsten Überfällen dabei haben und lässt sie sogar bei sich wohnen.
Als Robert schließlich sein ehemaliges Idol in dessen Haus von hinten erschießt, bleibt die von ihm erhoffte Anerkennung aus. Stattdessen trauert ganz Amerika um den Volkshelden Jesse James und deklariert den enttäuschten Robert Ford als Feigling und Verräter, der schließlich selbst Opfer eines Anschlags wird.
Meinung
Der Film mit dem unglaublich langen Titel „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ verhält sich nicht nur in Sachen Titelgestaltung mutig und unkonventionell. In einem extrem langsamen Erzähltempo zeigt uns Regisseur Andrew Dominik immer wieder surreale Bilder und arbeitet vorwiegend mit langen, bedachten Einstellungen, die einen fast mystischen Charakter haben und dem Film eine ganz eigene Stimmung verleihen.
Gerade zu Beginn des Films hört man immer wieder die Stimme eines Erzählers, die uns mit Rückblicken in Jesse James Vergangenheit und Dasein einführt, immer unterlegt mit verzerrten fast verschwommenen Bildern. Doch glaubt man auf Grund des Titel und dieser Einführung noch, bei der Hauptperson würde es sich um Jesse James handeln, so stellt der Film langsam immer mehr die Gefühlswelten des Außenseiters Robert Ford in den Vordergrund, was dem Film eine interessante Wendung gibt und einen anderen Blick auf die Figurenkonstellation ermöglicht. So dringen wir besonders gegen Ende in die Empfindungen von Robert Ford ein und fühlen mit ihm, während der zerrissene und cholerische Charakter des Jesse James fern und für uns nicht nachvollziehbar bleibt.
Eine Besonderheit des Films ist, dass er in seinen Bildern sehr genau auf die Opfer der Diebesbande eingeht und sich in Nahaufnahmen Zeit für deren Gefühlslagen nimmt, wodurch der Film an Tiefe gewinnt. Leider wird gerade in der ersten Hälfte des Films an den Charakteren nur oberflächlich gekratzt, die vielen Einsprecher des Erzählers sind zu unfilmisch und erreichen nicht die selbe Kraft, als wenn die Figuren sich innerhalb der Geschichte selbst charakterisiert und erzählt hätten. Mut zum Schwarzbild und zur Stille zwischen den Figuren kann man dem Film nicht absprechen, doch leider führt genau das zu lang gezogenen Dialogen und einem teilweise zu schleichenden Handlungsverlauf.
Interessant ist das Aufgreifen des frühen Groupietums. So hat Robert Ford den berühmten Jesse James von seiner Kindheit an bewundert. Als er jedoch den realen Jesse James kennenlernt, ist er von dem depressiven Anti-Helden enttäuscht. Auch die Auseinandersetzung Amerikas mit dem Tod und dem Mörder eines Volkshelden ist ein interessantes Thema. Insgesamt hat der Film in der ersten Hälfte aber zu viele Längen und es fehlt an Spannung, während er zum Ende immer mehr zu fesseln versteht.
So lang wie der Titel.
Robert Ford: Casey Affleck
Jesse James: Brad Pitt
Cousin von Jesse: Jeremy Renner
Bruder von Robert: Sam Rockwell
Sheriff: Ted Levine
Gouverneur: James Carville
Regie: Andrew Dominik | USA, 2007
Länge: 160 min | FSK: ab 12 | Buch: Andrew Dominik | Kamera: Roger Deakins | Ton: Christopher S. Aud | Szenenbild: Troy Sizemore | Schnitt: Curtiss Clayton, Dylan Tichenor | Musik: Nick Cave, Warren Ellis | Produktion: Warner Bros. Pictures, Jesse Films Inc., Scott Free Productions, Plan B Entertainment, Alberta Film Entertainment

