Der ewige Gärtner
Handlung
Der Brite Justin arbeitet als Diplomat in Kenia. Bei einem Vortag an der Universität in London lernt er die engagierte Tessa kennen, in die er sich verliebt und die ihm nach Afrika folgt. Dort eckt Tessa mit ihrer offenen Art und ihrem Engagement im afrikanischen Gesundheitswesen bei hochrangigen Leuten an. Als sie beginnt, Nachforschungen zu dem dubiosen Medikament Dypraxa anzustellen, das an großen Teilen der kenianischen Bevölkerung ohne deren Wissen getestet wird, kommt Tessa auf mysteriöse Weise ums Leben. Der bis dahin unkritische Justin beginnt mit Hilfe von Tessas Unterlagen weiter an der Aufklärung zu arbeiten, bereit einen Skandal auszulösen. Doch das will die britische Regierung nicht zulassen.
Meinung
Der Film „Der ewige Gärtner“ setzt in seinem Verlauf zwei unterschiedliche Schwerpunkte. Die ersten vierzig Minuten arbeitet der Film mit Rückblenden und zeigt die Anfänge von Justins und Tessas Beziehung und ihre gemeinsame Zeit. Der Film setzt den Fokus hier auf die Liebesgeschichte. Im zweiten Teil des Films stehen der Skandal um das Medikament Dypraxa und Justins immer gefährlicher werdende Nachforschungen im Mittelpunkt. Anfangs besonders spannend inszeniert sind die mehrdeutigen Handlungen und Aussagen von Tessa, so dass es Justin und dem Zuschauer schwer gemacht wird, ihren Charakter und ihre Motive zu durchschauen und einzuordnen. Dieser Reiz wird leider durch viele zu eindeutige Zufälle wieder genommen.
So stellt sich Tessas Freund, bei dem Justin befürchtet, sie könnten eine Affäre haben, als schwul heraus. Man hätte sich gewünscht, dass Justin nur auf Grund seiner Gefühle und seiner Sicht auf Tessa seinen Verdacht auf ihre Untreue verwirft oder dass es für ihn tatsächlich irgendwann nicht mehr wichtig wäre. Ebenfalls nicht gelungen ist das Auftauchen von Tessas Emails an ihren Cousin, in denen sie für Justin und vor allen Dingen für den Zuschauer klarstellt, dass sie keine untreue Ehefrau war. Diese künstlich wirkende Aufklärung ist nicht nur überflüssig und lässt den Film an Spannung verlieren, sondern schmälert auch die Glaubwürdigkeit der Handlung.
Auf Kenia und dessen Bevölkerung wird ein interessierter Blick geworfen und für uns Europäer unvorstellbare Details aus dem kenianischen Alltag gezeigt. Mit den afrikanischen Laiendarstellern wird häufig dokumentarisch gearbeitet, immer wieder gibt es Blicke in die Kamera, wodurch die Darstellung Kenias einen authentischen Eindruck hinterlässt. Kameramann César Charlone arbeitet in dem Film „Der ewige Gärtner“ mit extremen Kontrasten. Gerade in dem ersten Teil des Films sind die Kontraste so stark, dass häufig das Weiß schon überstrahlt. Eine interessante Optik, die nur bei den Sexszenen vor kompletten Weiß eher an einen gestellten Werbe-Clip als an reale körperliche Nähe erinnert. Desweiteren wählten Regisseur Fernando Meirelles und Kameramann César Charlone experimentelle Einstellungen, deren Repertoire über mehrere Schärfeverlagerungen, gewollter Unschärfe, schrägen Bildausschnitten bis zur Handkamera reichen. Insgesamt möchte man den Film für sein aufklärerisches Engagement und dem spannenden Thema danken. Leider vermisst man nach Tessas Tod eine spannende zwischenmenschliche Beziehung in der Geschichte und der Film verstrickt sich gegen Ende zu sehr in Verschwörungen und entfernt sich von der Situation in Kenia. Lange letzte dreißig Minuten, die man gut und gerne streichen könnte.
Engagiert.
Zur nächsten Filmkritik: Eierdiebe
Justin: Ralph Fiennes
Tessa: Rachel Weisz
Tessas Freund: Hubert Koundé
Regie: Fernando Meirelles | Großbritannien, 2005
Länge: 129 min | FSK: ab 12 | Buch: Jeffrey Caine | Kamera: César Charlone | Ton: Stuart Wilson | Szenenbild: Mark Tildesley | Schnitt: Claire Simpson | Musik: Alberto Iglesias | Produktion: Potboiler Production
