Der dritte Mann

Handlung

Der amerikanische Western-Autor Holly Martins reist 1949 in das durch die Besatzungsmächte viergeteilte Österreich. In Wien will er seinen guten Jugendfreund Harry Lime besuchen, doch Holly muss erfahren, dass dieser einen tödlichen Unfall hatte. Die Polizei wirft dem toten Harry vor, in üble Schiebereien verwickelt worden zu sein. Holly kann diese Anschuldigungen nicht glauben und stellt selbst Nachforschungen an, um den Namen seines toten Freundes von jeglicher Schuld frei zu waschen. Dabei trifft er auf merkwürdige Gestalten mit widersprüchliche Aussagen und bald auch auf Harrys Geliebte Anna Schmidt, in die er sich verliebt.


Bei seinen Nachforschungen findet Holly zu seiner Überraschung heraus, dass sein Freund Harry noch lebt. Er sucht eine Aussprache mit ihm und muss feststellen, dass sich sein Freund sehr verändert hat.

Meinung

Der Film „Der dritte Mann“ führt mit einem beschwingten Anfang mit leichter Musik und flottem Text des Erzählers in die Geschichte ein. Es wird wie so häufig in schwarz-weiß Krimis mit harten Kontrasten, mit Licht und Schatten gearbeitet und so eine unheimliche und bedrohliche Atmosphäre erzeugt. Die düstere Stimmung wird durch die schrägen, entrückt wirkenden Kameraperspektiven von Robert Krasker noch verstärkt, der für seine Arbeit als Kameramann einen Oscar bekam. Die Ausstattung des zerbombten Wiens, in dessen Trümmern man immer noch den Glanz und die Pracht der alten Zeiten erkennen kann, ist detailliert und glaubhaft umgesetzt.

Die Geschichte an sich wirkt allerdings stark konstruiert mit einigen logischen Mängeln und schafft mit seinen Charakteren nicht, uns zu fesseln. Die Gefühle der Protagonisten gehen uns nicht nahe, wir betrachten das Geschehen aus der Entfernung, bleiben bis zum Ende distanziert. Die Schwäche des Film liegt genau darin, dass er sich wie ein typischer Krimi verhält. Er will mit überraschenden Wendungen aufwarten, mit Gesichtern im Halbschatten Spannung erzeugen, und ist dabei weit weg von den wirklichen Gefühlen der Figuren. So sieht man der extrem vorhersehbaren Geschichte beim vor sich hin plätschern zu, langweilt sich bei den langen Verfolgungsjagden und schmunzelt über die Rolle der britischen Besatzer in diesem britischen Film. Denn während die Mächte der russischen Besatzung eine Gefahr für die schöne Anna Schmidt mit ihrem gefälschten Pass darstellen, offenbaren sich die britischen Machthaber als gute Kumpel, die helfen und unterstützen.


Dass Harry Limes noch am Leben ist, wird wohl auch dem letzten Zuschauer beim dritten Mal nach Erwähnen des dritten Mannes am Unfallort klar. Es stellt sich heraus, dass Henry Limes seinen Tod nur inszeniert hat und man fragt sich, warum er dann seinen alten Freund Holly Martins aus Amerika eingeladen hat. Wie der Film beginnt, so endet er auch: Mit Harry Limes Beerdigung.


Nur kurzes Rätselraten.


Zur nächsten Filmkritik: Victor/Victoria


Holly Martins: Joseph Cotten
Harry Lime: Orson Welles

Anna Schmidt: Alida Valli
Britischer Major: Trevor Howard

Regie: Carol Reed | Großbritannien, 1949

Länge: 104 min | FSK: ab 12 | Buch: Graham Greene | Kamera: Robert Krasker | Ton: John Cox | Szenenbild: Joseph Bato | Schnitt: Oswald Hafenrichter | Musik: Anton Karas | Produktion: Atlas-Film


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