Der die Tollkirsche ausgräbt

Handlung

Auch dem Adel fehlt 1918 kurz vor dem Ende des 1. Weltkrieges das Geld. So hoffen Vater und Mutter auf die Heirat ihrer Tochter Cecile mit dem wohl situierten Alfred, worüber Cecile selbst sehr unglücklich ist. Beim Kaffee trinken im Garten entdeckt Hausterrier Wilhelm etwas Merkwürdiges: Ein weißes Stück Tuch ragt aus der Erde. Schnell wird ein Loch gegraben, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.


Zu Tage tritt ein Punk in Anarcho-Jacke, der sofort das Herz der schönen Cecile für sich gewinnt.

Meinung

„Der die Tollkirsche ausgräbt“ führt uns in die Welt der Stummfilme ein. Ganz klassisch in schwarz-weiß mit ruckelnden Bildern und permanenter Musikuntermalung finden Dialoge nur über Texttafeln statt, Gefühle teilen sich die Protagonisten über ihre pantomimischen Gesten und ihre übertrieben Mimik mit. Die Idee von Drehbuchautorin und Regisseurin Franka Potente in diese nach bestimmten Mustern funktionierende Welt einen Menschen aus einer anderen Zeit zu versetzten, ist eine genial. Schon die Sprachbarriere scheint ein unüberwindbares Hindernis, die Adelsfamilie aus dem Stummfilm kann die Worte des Punks akustisch nicht verstehen, er hingegen mit den übertrieben Gesten und stummen Mundbewegungen nichts anfangen. Diese herrliche Ausgangssituation böte jede erdenkliche Verwechslung, Schwierigkeit und deren Überwindung. Leider hat Franka Potente hier nicht aus den Vollen geschöpft und ihre dramaturgischen Möglichkeiten gerade einmal angetastet. Stattdessen bringt sie allerlei wirre Hexerei und Zauber in die Geschichte, wo uns der Konflikt der unterschiedlichen Protagonisten viel mehr interessiert hätte. So hat der Film, trotz seiner kurzen 42 Minuten, Längen, wirkt doch eher albern als komisch.

Geniale Idee mit Potenzial.


Zur nächsten Filmkritik: Portrait of a Lady


Vater: Justus von Dohnany
Mutter: Teresa Harder
Cecile: Emilia Sparagna

Alfred: Max Urlacher
Punk: Christoph Bach

Regie: Franka Potente | Deutschland, 2006

Länge: 42 min | FSK: ab 6 | Buch: Franka Potente Kamera: Frank Griebe | Ton: Dirk Jakob | Szenenbild: Yesin Zolan | Schnitt: Antje Zynga | Musik: Matthias Petsche, Enis Rotthoff, Stefan Maria Schneider | Produktion: X Filme


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