Der Baader Meinhof Komplex


Handlung

In den siebziger Jahren kritisiert die Journalistin Ulrike Meinhof die selbstsüchtigen Vorgehensweisen des Schahs im Iran. Andreas Baader und seine Freundin Ulrike Ensslin gehen dagegen radikaler gegen den vermeintlichen Polizeistaat BRD vor, experimentieren mit Sprengstoff und jagen ein Kaufhaus in die Luft. Auf der Flucht vor der Polizei gewährt Ulrike Meinhof ihnen Unterkunft in ihrer Wohnung und kommt so mit ihnen zum ersten Mal in Kontakt. Zusammen gründen sie die Rote Armee Fraktion, die es sich zum Ziel macht, die US-amerikanische Politik in Vietnam, dem Nahen Osten und in der Dritten Welt, welche von hohen Persönlichkeiten der deutschen Politik und Industrie unterstützt wird, zu bekämpfen. Mit Sprengstoffanschlägen auf Polizeiwachen, Kaufhäusern und die BILD-Redaktion macht die Gruppe auf sich aufmerksam und sich für viele unschuldige Todesopfer verantwortlich, bis Meinhof, Baader und Ensslin schließlich 1972 von der Polizei gefasst werden. Doch die Ideen und Taten der RAF haben andere politische Gruppen radikalisiert, die weitere Anschläge verüben, auf die Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin keinen Einfluss mehr haben.


Als eine Befreiung aus dem Gefängnis für sie nicht mehr wahrscheinlich scheint, nehmen sich die RAF-Insassen 1976 und 1977 in ihren Zellen das Leben.

Meinung

Der Film „Der Baader Meinhof Komplex“ macht den Terrorismus in Deutschland zum Thema und Regisseur Uli Edel gelingt eine dicht erzählte Geschichte über politisches Engagement und brutales, mitleidloses Handeln. Der inszenatorische Höhepunkt des Films befindet sich gleich am Anfang: Wir sehen deutsche Demonstranten bei dem Besuch des iranischen Schahs, die von dessen Anhängern brutal angegriffen werden. Doch statt einzuschreiten, schauen die deutschen Polizisten diesem Vorfall zu und gehen schließlich selbst auf die Demonstranten los. Eine absolut reale und beklemmende Szene, in der man bei sich die Wut hochkommen spürt und man die Anfänge der Widerstandskämpfer sehr gut nachvollziehen kann. Wohlgemerkt nur die Anfänge, denn von den immer radikaler und brutaleren Anschlägen mit Todesopfern distanziert man sich sofort und steigt gefühlsmäßig bei der weiteren Entwicklung der RAF aus.

Der Film bietet sehr viele Action-Szenen, die zwar manchmal zu lang scheinen, aber bei denen gerade diese Längen ihre Realitätsnähe ausmachen. Auch die zusammengefassten Ereignisse mit Hilfe von Zeitungsartikeln und Nachrichtensendern lassen den Film an Dichte verlieren. Die Macher wollten zu viel in diesem Film unterbringen, um ein umfassendes Bild der Ereignisse zu geben. Das ist geschichtlich natürlich vorbildlich, filmisch hätte man sich aber gewünscht, dass der Fokus auf ein paar wenigere Ereignisse beschränkt würde.

Der Film ist bis in die kleinste Nebenrolle mit nationalen Stars besetzt worden. Das trägt natürlich einerseits zu einem Schauspiel auf sehr hohem Niveau bei, andererseits lenken die vielen bekannten Gesichter doch immer wieder von ihren dargestellten Charakteren ab und reißen somit aus der Geschichte. Die mit Abstand überzeugendste Vorstellung liefert Martina Gedeck in der Rolle der Ulrike Meinhof, deren Handlungen und Gefühlswelt wir gut nachvollziehen können. Anders als bei Gudrun Ensslin und Andreas Baader, was wahrscheinlich auch an deren stärker ausgeprägtem Radikalität liegt. Moritz Bleibtreu zeigt uns glaubwürdig einen cholerischen Andreas Baader, dessen Gefühlswelten uns weitgehend verborgen bleiben. Und auch zu Gudrun Ensslin fällt es uns schwer, einen Zugang zu finden. So ist Johanna Wokoalec in dieser Rolle gerade am Anfang weniger glaubwürdig, wobei es ihr mit ihren bedeutungsschwangeren Texten auch nicht einfach gemacht wurde. Wahrscheinlich ist es nur ihrer Schauspielkunst zu verdanken, dass wir gegen Ende des Films immer mehr in die Gefühlswelt von Gudrun Ensslin eintauchen und der Figur glauben können. Wirklich amüsant ist die Figur des jungen Stefan Austs, der mit den selben großen Brillengläsern wie heute über die RAF berichtet.


Auch wenn die Musik manches Mal ein wenig zu abenteuerlustig daher kommt, muss sich der Film den Vorwurf der Verherrlichung seiner Hauptcharaktere nicht gefallen lassen, wozu besonders das Ende beiträgt: Die RAF der zweiten Generation erschießt nach der Nachricht des kollektiven Selbstmordes der RAF-Spitze im Gefängnis grundlos den entführten Präsident des Arbeitnehmerverbandes Schleyer. Ein Filmende fungiert auch immer als Statement, und es ist das, was den Zuschauer von der Stimmung des Filmes her am meisten prägt und in Erinnerung bleibt. Dieser fesselnde und spannende Film ist ein Muss für die Jugend, um unterhaltsam ihre Geschichtskenntnisse zu diesem Thema aufzufrischen, und er schafft es vielleicht, seine unpolitischen Zuschauer wieder politischer zu machen.


Realistischer Action Film.

von Tora Stern



Ulrike Meinhof: Martina Gedeck
Andreas Baader: Moritz Bleibtreu

Gudrun Ensslin: Johanna Wokalek
Hanns Schleyer: Bernd Stegemann

Regie: Uli Edel | Deutschland, 2008

Länge: 150 min | FSK: ab 12 | Buch: Bernd Eichinger | Kamera: Rainer Klausmann | Ton: Roland Winke | Szenenbild: Johannes Wild | Schnitt: Alexander Berner | Musik: Peter Hinderthür, Florian Tessloff | Produktion: Constantin Film Produktion, Nouvelles Éditions de Films