Der alte Affe Angst
Handlung
Robert und Marie führen eine Beziehung und das schon sehr lange. Und obwohl es für beide die Liebe ihres Lebens ist, schlafen sie nicht mehr miteinander, denn Robert fühlt sich von seiner attraktiven Freundin sexuell nicht mehr angezogen.
Stattdessen geht er zu Prostituierten, um sich zu befriedigen, doch eines Tages erwischt Marie ihn dabei. Maßlos enttäuscht und verletzt versucht sie aus lauter Verzweiflung sich das Leben zu nehmen.
Meinung
Der Film beginnt sehr rosa. Die beiden Hauptdarsteller sind in einem komplett rosa Hotelzimmer und streiten sich, schreien sich an und sind dabei kaum zu verstehen. Das viele Rosa, die hysterische Marie Bäumer in der Rolle der Marie, der nuschelnde André Hennicke in der Rolle des Roberts, das alles wirkt zu Anfang ein wenig übertrieben, zu viel, aber nur, weil wir noch nicht im Geschehen sind. Was zu Anfang unglaubwürdig scheint, die Ausstattung, das viele Schreien, die Dialoge, gewinnt nach und nach an Glaubhaftigkeit und Authentizität. Je länger man den Film schaut, desto mehr schafft er es, uns in ihn hinein zu saugen bis wir komplett in die Geschichte eingetaucht sind und das Handeln und Leiden der Charaktere nachvollziehen können.
Regisseur Oskar Roehler will ganz eigene Charaktere zeigen. Während wir zu Beginn des Filmes bei ihnen noch deutlich die Hand des Autors spüren und heraushören, gelingt bei den Protagonisten Marie und Robert im Laufe des Filmes immer glaubhafter die Zeichnung spezieller Charaktere. Nur Vadim Glowna in der Rolle des tot kranken Vaters von Robert nehmen wir seine Eigenarten nicht ab und das, obwohl die Rolle an Roehlers eigenen kürzlich verstorbenen Vater angelehnt ist. Doch man fragt sich nach dem Sinn dieser Rolle, warum es einen Vater geben muss, der nach der Hälfte des Films stirbt, wo weder Vater noch sein Tod Einfluss auf die Beziehung von Marie und Robert und somit auf die Geschichte des Films ausüben.
Im Mittelpunkt steht das Thema Langzeitbeziehung und der Platz der Sexualität darin. Roehler geht davon aus, dass Liebe nur mit Vertrauen und Nähe entstehen kann, guter Sex dagegen Fremdheit und das Unbekannte braucht. Ein interessantes Problem, das viele Fragen in Hinblick auf längere Beziehungen aufwirft. Roehler inszeniert spannend um diese Fragen herum, mit nicht ganz klaren Antworten. Sein Film ist ein Kampf, ein Kampf für eine funktionierende, andauernde Beziehung. Und dieser Kampf ist spannend, gerade weil immer auch etwas sehr persönliches in Roehlers Film mitschwingt, wodurch er eine ganz eigene Intensität entwickelt.
Persönlich.
Zur nächsten Filmkritik: Wenn Träume fliegen lernen
Marie: Marie Bäumer
Robert: André Hennicke
Vater: Vadim Glowna
Regie: Oskar Roehler | Deutschland, 2003
Länge: 88 min | FSK: ab 16 | Buch: Oskar Roehler | Kamera: Hagen Bogdanski | Ton: Jochen Hergersberg | Szenenbild: Birgit Kniep-Gentis | Schnitt: Uli Schön | Musik: Martin Todsharow | Produktion: Neue Bioskop Film
