Crazy Heart
Handlung
„Ich bin 57 Jahre alt. Ich bin pleite. Ich habe zehn Dollar in der Tasche.“, beschreibt sich der heruntergekommene Country-Musiker Bad Blake. Seit Jahren hat der verlebte Alkoholiker keinen Song mehr geschrieben. Nach vier Ehen und unzähligen Drinks ist Blake so verbraucht wie seine alten Hits, mit denen er durch Bowling-Hallen und Kneipen tingelt. Große Konzerthallen füllt nur noch sein einstiger Gesangspartner Tommy Sweet. Blake muss froh sein, wenn sein Manager Wayne ihn als dessen Vorband engagieren kann. Die junge Reporterin und Mutter Jean weckt Blakes altes Feuer. Doch Dämonen und Alkohol sitzen tief in Blakes „Crazy Heart“.
Meinung
„I wasn't born bad. But know I am.“ In den Worten Blakes liegt die Essenz von Scott Coopers herausragendem Debütfilm nach dem gleichnamigen Roman Thomas Cobbs. „Crazy Heart“ ist nicht die Geschichte eines Gestrauchelten, den eine gute Frau auf den rechten Weg führt, er endet weder mit dem tragischen Tod noch einem spektakulären Erfolg der Hauptfigur. Es ist schlicht die Geschichte eines alten Musikers, den Jeff Bridges auf der Leinwand lebt: schnörkellos, tragisch-komisch, bewegend.
Seinen Weg hat Blake selbst gewählt und verfolgt ihn mit der ihm eigenen Sturheit bis in den Abgrund weiter. Spielt Blake mit müdem Sarkasmus mit der Bedeutung seines Vornamens, liegt in seiner rauen Stimme leise Selbsterkenntnis. Wie seine Songs hat er die Sprüche über die Jahre zu oft wiederholt, wird ihrer müde und weiß, dass fast jeder sie schon gehört hat. Wahr bleiben sie dennoch und nur Blake kann seine Texte mit jener Aufrichtigkeit singen, die sie außergewöhnlich machen. Country sind drei Akkorde und die Wahrheit, sagte der legendäre Country-Musiker Harlan Howard. Die drei Akkorde bestehen weiter - an der Wahrheit fehlt es meist. Songs über Drogen, Alkoholismus, Gewalt und Tod sind weiterhin populär. Doch mittlerweile ist es gefragter, bei solchen Themen nicht zu kennen, wovon man singt. Mitten in einem Lied betrunken von der Bühne zu taumeln und in einen Mülleimer zu kotzen, ist nicht so schick, wie lächelnd Autogramme zu geben. Besonders, wenn man wie Blake hinterher aus dem Dreck seine Sonnenbrille fischen muss, ohne die man nicht auftreten kann, weil sie die blutunterlaufenen Augen verbirgt.
Seine Authentizität macht Blake in der modernen Musikindustrie zu einem Relikt. Jean erkennt dieses Außenseitertum und schätzt es. Wer verkörpere in Zeiten des gekünstelten Countrys noch echten Country, fragt sie Blake. Sicher scheint er sich seiner Antwort nicht. Vielleicht zweifelt er daran, selbst richtiger Country zu sein, wenn nur die Stammgäste einer entlegenen Bowling-Halle ihn noch hören wollen. Blakes wenige Zuschauer sind verlebt wie er. Selbst zu ihnen gehört Blake nicht mehr. „This ain't no place for the weary kind.“, beschreibt es eines seiner Lieder. Der Mann mit dem „Crazy Heart“ bleibt ein Rastloser, Heimatloser. Nicht zuletzt ist Coopers Drama ein bitter-komisches Road Movie über einen der letzten einsamen Reiter, der zu desillusioniert ist, um sich zu ändern. Blakes Welt besteht aus Motelzimmern, Bars und seinem Wagen. Eine schäbigere Version des Lebens, welches er als gefeierter Country-Sänger führte. Mittlerweile steht sein Name als der des „Special Guest“ unter dem seines einstigen Protegés Tommy Sweet. Einst waren sie Freunde, dann Feinde. Nun, da sie weder das Eine noch das Andere sind, können sie einander als Ebenbürtige begegnen. Blake weiß, dass er um seinen Ruhm nicht betrogen wurde, sondern ihn verbraucht hat. Versucht er erschöpft und betrunken einen Song für einen Schnapsverkäufer zu spielen, der ihm dafür eine Flasche Whiskey ausgegeben hat, bewahrt er sich dennoch innere Würde.
„Crazy Heart“ beeindruckt auch als präzise Milieustudie der ländlichen amerikanischen Unterschicht. Trotz seines scharfen Blicks auf den 'White Trash', die gealterten Groupies und drittklassigen Country-Musiker, besitzen Coopers ungeschönte Bilder eine unsentimentale Zärtlichkeit. Unablässig sucht er nach den Persönlichkeiten in den verwelkten Verehrerinnen und fetten Cowboys. Country-Charme nennt Jean dieses Air in „Crazy Heart“, das in jeder Minute des Dramas anklingt. Cooper gelingt ein Film wie ein guter Country-Song: Schmerz, Liebe, Musik und die Wahrheit.
Pick up your Crazy Heart.
Bad Blake: Jeff Bridges
Tommy Sweet: Colin Farrell
Wayne Kramer : Robert Duvall
Jean: Maggie Gyllenhaal
Regie: Scott Cooper | USA, 2009
Länge: 110 min | FSK: ab 12 | Buch: Scott Cooper | Kamera: Barry Markowitz | Musik: Steven Bruton, T Bone Burnett | Schnitt: John Axelrad | Produktion: Scott Cooper

