Code: unbekannt
Handlung
„Code: unbekannt“ erzählt die Geschichte von drei Familien, deren Wege sich im heutigen Paris kreuzen. Im Mittelpunkt des Films sowie der ersten Familie steht die weiße Schauspielerin Anne, deren Freund Georges im Kosovo als Kriegsfotograf arbeitet. Georges Familie, sein Vater und sein Bruder, leben unweit von Paris auf dem Land und bewirtschaften dort zu zweit einen kleinen Hof. Die zweite Familie ist die von Amadou, einem jungen Schwarzen, dessen Eltern vor langer Zeit illegal nach Frankreich eingereist sind. Er lebt zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern. Maria ist der Mittelpunkt der dritten Familie. Ihr Mann, ihre Kinder und ihre Freunde leben in Rumänien, nur sie ist in Paris, allein und illegal. Ihre Leben nehmen in einer Welt voller Aggression und Gewalt ihren Lauf.
Anne erlebt die Verbrechen in ihren Rollen als Schauspielerin, die Gewalt in den verletzenden Worten zwischen ihr und Georges. Er dagegen sieht das Leid des Krieges, aber auch die bedrückende Atmosphäre in der anonymen Metro, und kommt doch nicht dagegen an, den Pessimismus in seinen Bildern festzuhalten. Amadou wird von der Polizei misshandelt, seinem kleinen Bruder wird schon in der Schule unrecht getan und seine eigene Familie macht ihm Vorwürfe, weil er mit einem weißen Mädchen befreundet ist. Maria spürt die Aggressionen von allen Seiten. Die Menschen, die ihr etwas Geld hinwerfen, ekeln sich davor, sie zu berühren. Immer wieder wird sie vertrieben, schließlich von der französischen Polizei abgeschoben. Und zu Hause in Rumänien schickt ihr Mann sie zurück nach Paris.
Meinung
Auf einer Straße in Paris nimmt der Film seinen Anfang: Der kleine Bruder von Georges wirft wütend eine Notiz von Anne in den Schoß der obdachlosen Maria. Amadou sieht es und will ihn zur Rede stellen, ihn zwingen, sich für sein respektloses Verhalten zu entschuldigen. Die Polizei meint eingreifen zu müssen, und so muss der schwarze Amadou mit auf das Revier, die weiße Anne und der Bruder ihres Freundes dürfen gehen und die obdachlose Maria wird nach Rumänien abgeschoben.
Schon in den ersten Minuten wird klar, dass es in diesem Film nicht gerecht zu gehen, dass er dunkel und pessimistisch sein wird. Der Regisseur Michael Haneke zeigt Aggression und Gewalt an allen erdenklichen Orten, in allen erdenklichen Lagen. Privat zu Hause, beim Vorstellungsgespräch, in der Schule oder im Krieg: Hanekes Gegenwartsbetrachtung ist düster, Veränderungen sind nicht vorgesehen, denn einen gemeinsamen Code, eine gemeinsame Sprache gibt es nicht und so leben die Menschen weiterhin aneinander vorbei.
Haneke erzählt in langen, ruhigen Bildern kurze Sequenzen aus den Leben seiner Protagonisten, immer durch ein abruptes Schwarzbild voneinander getrennt. Es sind kleine Geschichten, manchmal auch Große, die gekonnt miteinander verwoben sind. Doch die geschickte Erzählstruktur des Drehbuchs und der Montage können den Eindruck nicht verdecken, dass zwar viel passiert, aber dem Zuschauer wenig erzählt wird, und besonders wenig Neues innerhalb des Films. Denn wenn wieder und wieder mit dem Finger auf die Gewalt und Ungerechtigkeit gezeigt wird, aber keine Veränderungen, keine Brüche oder Steigerungen stattfinden, beginnt der Film lang zu werden. Der Untertitel des Filmes lautet: „Unvollständige Erzählung von verschiedenen Reisen“. Und das ist der Film, unvollständig.
Pessimistischer Blick auf die Gegenwart.
Anne: Juliette Binoche
Georges: Thierry Neuvic
Amadou: Ona Lu Yenke
Maria: Luminita Gheorghiu
Regie: Michael Haneke | Frankreich, 2000
Länge: 112 min | FSK: ab 12 | Buch: Michael Haneke | Kamera: Jürgen Jürges | Ton: Guillaume Sciama | Szenenbild: Manual de Chauvigny | Schnitt: Andreas Prochaska | Musik: Giba Goncalves | Produktion: MK2 Production

