Cato
Handlung
Aus einem kleinen Dorf bei Bremen zieht Cato Bontjes von Beek nach Berlin. In der Hauptstadt erträumt sich die kultur-interessierte junge Frau ein aufregendes Leben als Schauspielerin, Fliegerin oder Kunsthandwerkerin. Statt der erhofften Weltreise kommt für Cato der Weltkrieg: Es sind die dreißiger Jahre, der Nationalsozialismus breitet seinen Schatten aus. Dokumentarfilmerin Dagmar Brendeke zeigt in ihrer fundierten Kinoreportage, wie Cato Bontjes van Beek im Kampf gegen das Dunkel des Terrors zu einer heute fast vergessenen Lichtgestalt wurde. Als der Krieg ausbricht, versorgt Cato mit ihrer Schwester heimlich Kriegsgefangene. Nachdem sie von Widerständlern von den Gräueltaten der Nazis erfährt, schließt sie sich dem Kampf gegen den Nationalsozialismus an.
Als Mitglied der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ wird Cato bald darauf von den Nazis verhaftet und wegen Hoch- und Landesverrats angeklagt. Das Todesurteil scheint unter den verbündeten Regimegegnern gewiss.
Meinung
Ihr Kinodebüt widmet Dagmar Brendecke einer Frau, die trotz ihrer historischen Bedeutung fast unbekannt ist. Demonstrativ setzt die versierte Dokumentarfilmerin den Namen der Hauptprotagonistin an Titelstelle. Nicht obwohl, sondern gerade weil nur umfassend historisch gebildete Zuschauer den Namen „Cato“ mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus assoziieren. Dabei übte sie ihren Kampf als Mitglied einer der bedeutendsten Widerstandsgruppen aus, die sich zu Beginn der vierziger Jahre dem Faschismus entgegenstellten. Gegründet wurde die „Rote Kapelle“ von Harro Schulze-Boysen und seiner Frau Libertas. Gerade 22 Jahre ist der Herausgeber der Zeitschrift „Gegner“, als er eine Gruppe junger Regimekritiker um sich zu versammeln beginnt. Nur ein Jahr älter sollte Cato sein, als die Nazis das Todesurteil gegen sie vollstreckten.
Über ihren Vater hatte sie Libertas kennengelernt, die im Reichspropagandaministerium heimlich Dokumente über deutsche Kriegsverbrechen zusammentrug. Für die „Rote Kapelle“ verteilt Cato Flugblätter. Ihr Einsatz wird ihr zum Verhängnis. Mit 15 weiteren Verurteilten wurde Cato im August 1943 von den Nazis ermordet. Anhand von Gesprächen und Interviews mit Verwandten und Freunden von „Cato“ zeichnet Brendecke ein individuelles Porträt der Widerstandskämpferin. Die konzentrierte Reportage sucht nach der Persönlichkeit hinter der historischen Figur und entwirft das komplexe Porträt einer künstlerisch und politisch außergewöhnlich gebildeten Frau. In Briefen lässt die Regisseurin „Cato“ selbst zu Wort kommen und erinnert mit zahlreichen Originaldokumenten an das Wirken der jungen Frau, deren Unerschrockenheit und Intellekt mehr als ein Fußnote in der Geschichte des Widerstandskampfs verdienen.
Cineastisches Dokument gegen das Vergessen.
Sprecher: Inka Loewendorf, Thomas Holländer, Tilo Prückner, Fabian Goerres
Regie: Dagmar Brendecke | Deutschland, 2010
Länge: 90 min | FSK: ab 6 | Buch: Dagmar Brendecke, Walter Brun | Kamera: Armin Fausten, Martin Langner, Andreas Sander | Ton: Moritz Kerst, Oliver Lumpe, Katharina Migdoll, Jürgen Kornatz | Musik: Carlos Bica | Schnitt: Regina Bärtschi, Bernd Euscher | Produktion: Armin Fausten

