Brügge sehen … und sterben
Handlung
Brügge ist schön, findet Ken. Brügge ist furchtbar, findet Ray. Die beiden Auftragskiller werden von ihrem Boss in das belgische Städtchen geschickt, um nach einem missglückten Job für eine Weile unterzutauchen. Einquartiert in einer kleinen Pension genießt der Eine die malerische Stadt mit ihren mittelalterlichen Gebäuden und Kanälen, während der Andere sich von einer misslichen Lage in die andere manövriert. Alles wird mitgenommen und so bleiben Streitereien mit Einheimischen, Touristen, Filmemachern und Zwergwüchsigen sowie eine Affäre mit der schönen Chloë nicht aus.
Schließlich erhält Ken den Auftrag, Ray umzubringen. Doch dieser ist auf Grund des Jobs, bei dem er aus Versehen einen kleinen Jungen getötet hat, selbst so verzweifelt, dass er sich erschießen will – wovon Ken ihn abhält und ihm stattdessen zur Flucht verhilft. Es kommt zum Showdown als Boss Harry Brügge erreicht, um die Dinge selbst zu regeln.
Meinung
Dieser Film ist es wert – vor dem Ableben gesehen zu werden. Zwei Auftragskiller, der Eine jung und widerspenstig, der Andere älter und von ruhiger Natur. Colin Farell und Brendan Gleeson spielen ihre Rollen fantastisch. Sie beherrschen ihre Mimik, unterstreichen die weitgehend bösartig-humorigen Dialoge und nehmen uns mit nach Brügge. Brügge, die kleine malerische Stadt, wird zur Kulisse für – im wahrsten Sinne der Worte – Mord und Todschlag. Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh soll selbst ein paar Tage in Brügge verbracht und diese Ambivalenz von Faszination und Langeweile gespürt haben, die er später in seine beiden Protagonisten verlagert.
McDonagh hat keine Angst vor politischer Unkorrektheit und so erwischt sich der Zuschauer dabei, sich über Flüche, Absurditäten und grandiose – aber nicht immer einwandfreie – Dialoge zu amüsieren. Überhaupt bringt uns der in London geborene Ire McDonagh mit seinem Film nicht nur zum Lachen, sondern auch dazu, sich mit den Hauptdarstellern (ihres Zeichens immerhin Auftragskiller!), ihrer Lage, ihrer Freundschaft, ihrer Freud und ihrem Leid zu identifizieren. Wem das noch zu wenig ist, der darf über Gut und Böse, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit dieser Welt nachdenken oder darüber, ob er nicht mal in diese „beschissen märchenhaft schöne“ Stadt – die inzwischen Touren zu den Drehorten anbietet – reisen will. Auch die Film-im-Film-Szenerie mit dem kanadischen Hauptdarsteller Jordan Prentice birgt für einige (aber nicht alle) Betrachter sicherlich noch einen zusätzlich interessanten und interpretationswürdigen Ansatz.
Für Actionfans unter den Cineasten mag der Showdown etwas langsam sein, für alle Anderen bringt er Schnelle, Spannung und noch ein paar gute Dialoge. Das Ende kommt recht unerwartet daher und birgt eine emotionale Aufladung. Die Filmmusik stammt von Carter Burwell, der schon andere Filme vertonte, die später zu Kultfilmen wurden wie "The Big Lebowsky" oder "Being John Malkovich".
Fazit: Das Langfilmdebüt von McDonagh ist sehenswert – sofern man ein Faible für den britischen Humor hat, der keine Grenzen kennt, mit Tabus spielt und wunderbare Ironie offenbart. Oder um es mit Chloës Worten zu sagen: „Der Film wird sehr gut, glaub ich. Es wurde noch nie ein Filmklassiker in Brügge gedreht.“
Ein kultiges Debüt.
Ken: Brendan Gleeson
Ray: Colin Farrell
Harry: Ralph Fiennes
Regie: Martin McDonagh | Irland, Großbritannien, 2008
Länge: 107 min | FSK: ab 16 | Buch: Martin McDonagh | Kamera: Eigil Bryld | Schnitt: Jon Gregory, Ian Seymour | Musik: Carter Burwell | Produktion: Graham Broadbent, Peter Czernin

