Black Book


Handlung

Nach der Ermordung ihrer Familie durch die Nazis schließt sich die jüdische Revue-Sängerin Rachel Stein gegen Ende des Zweiten Weltkrieges der Widerstandsbewegung im Untergrund Hollands an. Durch Zufall lernt sie den Chef des Sicherheitsdienstes Müntze kennen, der sich in sie verliebt. Durch ihn bekommt Rachel Zutritt zur Kommandozentrale des Sicherheitsdienstes, wo sie für die Untergrundorganisation ein Mikro im Büro des unangenehmen Sturmführers Franken verstecken soll.


Doch beim Widerstand gibt es einen Verräter, der seine Kameraden an den Sicherheitsdienst verrät.

Meinung

Der Film "Black Book" ist der erste Film des Regisseurs Paul Verhoeven außerhalb von Hollywood seit zwanzig Jahren. Mit teurer Optik taucht er in ein dunkles Kapitel niederländischer Geschichte ein, möchte einerseits die Grausamkeit der Nationalsozialisten und andererseits das Fehlverhalten nach Kriegsende gegen diese selbst zeigen. Das Drehbuch lässt die Geschichte sich sehr schnell entwickeln, denn sie beinhaltet sehr viel Handlung. So geschieht eine Aktion nach der anderen, der Zuschauer soll kaum zum Luft holen kommen, so rasant führt uns der Film von einer Flucht zum nächsten Kampf und zur nächsten überraschenden Wendung.

So legt Verhoeven viel Wert auf Tempo und Action, vernachlässigt aber sträflicherweise eine genaue Zeichnung der Charaktere und die Glaubwürdigkeit ihres Handelns. So können wir Rachels Schmerz nach der Ermordung ihrer Familie nicht einmal erahnen, stets meistert sie jede gefährliche Situation souverän mit links, immer ist sie mutig, heiter und gut drauf, steckt jeden Rückschlag innerhalb kürzester Zeit weg, wirklich trauern sehen wir sie nie. Dabei darf Schauspielerin Carice van Houten in ihrer Rolle als Rachel viel nackte Haut zeigen, lässt darüber hinaus den Zuschauer aber nicht an sich heran. Und auch die Darstellung von SD-Chef Müntzer ist mehr als fraglich. So wird der Ober-Nazi als sympathischer Held dargestellt, nur weil er mit Terroristen verhandelt!?

Und Rachels unkritische Haltung ihm und seiner Einstellung Juden gegenüber scheint fern jeder Realität und lässt uns als Zuschauer missmutig den Kopf schütteln. Hin und wieder ist der Film vorhersehbar, immer wieder kann er aber auch mit überraschenden Wendungen aufwarten. Die filmischen Mittel wie Beleuchtung und Musik setzt Verhoeven sehr dramatisch ein, übertreibt dabei aber gerne einmal. Insgesamt ist die Darstellung eines so beklemmenden und wichtigen Themas wie die Zeit des Nationalsozialismus beängstigend oberflächlich abgehandelt worden, die übertriebenen Action-Szenen wirken häufig geschmacklos. Das Grauen dieser Zeit hätte man mit einer subtileren Umsetzung viel intensiver einfangen können.


Wirklich gut ist in diesem Film nur das Ende: Rachel ist dem Terror in den Niederlanden entflohen und lebt 1956 mit Mann und Kindern in Israel. Wir sehen sie mit ihrer Familie zurück in ihr Dorf gehen, gleichzeitig fahren Panzerwagen dort ein, ein neuer Krieg beginnt.


Unpersönlicher Nazi-Abenteuerfilm.

von Tora Stern



Rachel Stein: Carice van Houten
Müntze: Sebastian Koch

Franken: Waldemar Kobus
Widerstandskämpfer: Thom Hoffman

Regie: Paul Verhoeven | Niederlande, 2006

Länge: 148 min | FSK: ab 16 | Buch: Gerard Soeteman | Kamera: Karl Walter Lindenlaub | Szenenbild: Wilbert van Dorp | Schnitt: Jobter Burg, James Herbert | Musik: Anne Dudley | Produktion: Vip Medienfonds 4